Fachlexikon

Vakuumheber

Lastaufnahmemittel, das die Last über Unterdruck an einer dichten Fläche hält. Es ist das schnellste Verfahren für Kartons, Platten, Bleche und Glas, stößt aber bei porösen, feuchten oder stark gewölbten Oberflächen an Grenzen. Nach EN 13155 muss es die Last bei Energieausfall halten oder kontrolliert absetzen können.

Auch
Vakuumgreifer · Saugheber · Saugtraverse · Vakuumhebegerät
Wird auch genannt
  • Vakuumgreifer
  • Saugheber
  • Saugtraverse
  • Vakuumhebegerät
01

Nicht der Sauger hält, sondern der Luftdruck

Ein Vakuumheber zieht die Last nicht an. Er entfernt Luft aus dem Raum zwischen Saugerteller und Oberfläche; der Umgebungsdruck presst die Last dann gegen den Sauger. Die Haltekraft ist deshalb schlicht Druckdifferenz mal wirksame Fläche: F = Δp · A.

Daraus folgen zwei Dinge. Mehr als der Umgebungsdruck steht nie zur Verfügung – und in großer Höhe ist er geringer. Und jede Undichtheit zwischen Lippe und Oberfläche senkt die Druckdifferenz und damit unmittelbar die Kraft.

02

Aufbau eines Vakuumhebers

Zum Gerät gehören der Vakuumerzeuger – Ejektor, Pumpe oder Gebläse –, die Saugerteller mit ihrer Dichtlippe, Leitungen und Ventile, ein Rückschlagventil, ein Vakuumspeicher, eine Anzeige des Unterdrucks und eine Warneinrichtung. Die Bedienung zum Lösen ist so ausgeführt, dass die Last nicht versehentlich abgeworfen wird, üblicherweise über eine Zweihand- oder Zweischritt-Betätigung.

03

So wird ausgelegt

Ein Sauger mit 100 Millimeter wirksamem Durchmesser hat rund 78 Quadratzentimeter Fläche. Bei 0,6 bar Unterdruck ergibt das theoretisch etwa 470 Newton. Angesetzt wird davon nur ein Teil: Beim Heben mit waagerechter Saugfläche ist ein Sicherheitsfaktor von 2 üblich, beim Kippen oder bei senkrechter Saugfläche von 4.

Der Unterschied hat einen physikalischen Grund. Liegt die Saugfläche waagerecht, trägt die Druckkraft direkt. Steht sie senkrecht, trägt nur die Reibung zwischen Dichtlippe und Oberfläche – und die hängt vom Zustand der Oberfläche ab. Zusätzlich muss die Anordnung der Sauger die Last gegen Durchbiegen stützen.

04

Wo Vakuum an Grenzen stößt

Vier Fälle verursachen fast alle Probleme.

  • Poröses Material wie rohe Spanplatte, Beton oder unbeschichteter Karton: Es strömt dauerhaft Luft nach, der Erzeuger muss Volumenstrom liefern.
  • Ölige, nasse oder staubige Flächen: Die Dichtlippe rutscht oder dichtet nicht.
  • Stark gewölbte oder strukturierte Teile: Die Lippe findet keine geschlossene Auflage.
  • Biegeweiche oder geschichtete Lasten: Das Teil schält sich vom Sauger, oder es wird nur die oberste Lage gehoben.
05

Sicherheit bei Energieausfall

Fällt Strom oder Druckluft aus, darf die Last nicht sofort fallen. EN 13155 verlangt für Vakuum-Lastaufnahmemittel deshalb, dass der Unterdruck über eine Reserve gehalten wird und dass eine Warneinrichtung anspricht, bevor er in den gefährlichen Bereich sinkt. Technisch sind das Rückschlagventil, Speicher und Unterdrucküberwachung mit optischem und akustischem Signal.

Die Haltezeit ist eine Reserve zum sicheren Absetzen, kein Betriebszustand: Unter schwebenden Lasten hält sich niemand auf.

Was Entracon dazu anbietet, steht auf der passenden Seite.

Weiter zum Angebot
Übersicht

Oberflächen und ihre Eignung für Vakuum

Oberfläche Eignung Worauf es ankommt
Glas, lackiertes Blech, beschichtete Platte sehr gut saubere, trockene Fläche
Geöltes Blech bedingt ölbeständige Lippe, höhere Reserve gegen Abrutschen
Rohspanplatte, Karton, Beton bedingt hoher Volumenstrom, große Saugfläche
Riffelblech, sägeraues Holz, Naturstein bedingt weiche oder Schaumstoff-Dichtung
Gelochte Teile, Gitter, Gewebe meist ungeeignet anderes Greifprinzip wählen
Häufige Fragen

Häufige Fragen zu Vakuumheber

Wie viel hält ein einzelner Sauger?

Theoretisch Fläche mal Unterdruck: bei 100 Millimeter Durchmesser und 0,6 bar etwa 470 Newton. Zulässig ist davon nach dem üblichen Sicherheitsfaktor die Hälfte beim Heben mit waagerechter Saugfläche und ein Viertel beim Kippen.

Was passiert bei Stromausfall?

Ein Rückschlagventil schließt, der Speicher hält den Unterdruck für eine begrenzte Zeit, und die Warneinrichtung meldet den Abfall. Die Zeit dient dazu, die Last abzusetzen. Wie lange sie reicht, hängt von der Dichtheit der Oberfläche ab.

Kann ein Vakuumheber poröse Platten heben?

Ja, wenn er dafür ausgelegt ist: mit einem Erzeuger, der einen hohen Volumenstrom liefert, und ausreichend Saugfläche. Die Haltezeit bei Energieausfall ist bei porösem Material deutlich kürzer und muss am Originalteil ermittelt werden.

Darf eine Last mit dem Vakuumheber gekippt werden?

Nur mit einem dafür gebauten Gerät. Beim Kippen wechselt die Belastung der Sauger von Zug auf Scherung, die Haltekraft hängt dann von der Reibung ab. Auslegung und Sicherheitsfaktor müssen diesen Fall abdecken.

Kontakt

Sprechen wir über Ihr Projekt.

Ein kurzes Gespräch klärt meist mehr als drei Angebote. Rufen Sie an oder schreiben Sie uns – Sie landen direkt bei einem Ingenieur.

Entracon erreichen

Wie dürfen wir helfen?

E-Mail schreiben info@entracon.de
Oder direkt anrufen +49 234 5414010