Wann kann gute Ingenieurpraxis ausreichend sein?
Eine vollständige Rohrstatik ist insbesondere bei einfachen und gut überschaubaren Rohrleitungssystemen nicht zwangsläufig erforderlich.
Typische Beispiele sind: kurze Rohrleitungen innerhalb von Gebäuden,
kleine bis mittlere Nennweiten, Medien mit geringer Dichte wie Luft oder Stickstoff, geringe Temperaturunterschiede zwischen Montage und Betrieb, geringe äußere Belastungen, bewährte Rohrhalterungen, definierte und ausreichend kleine Stützabstände, keine empfindlichen Pumpen- oder Apparateanschlüsse.
Auch Rohrleitungen auf Rohrbrücken können ohne detaillierte Rohrstatik ausgeführt werden, wenn beispielsweise standardisierte Stützabstände, bekannte Rohrklassen und geringe Temperaturbeanspruchungen vorliegen.
Dabei bedeutet „gute Ingenieurpraxis“ keinesfalls eine Auslegung ohne technische Betrachtung. Stützweittabellen, einfache Festigkeitsberechnungen, Herstellervorgaben, Regelwerke sowie bewährte Konstruktionsdetails können für solche Systeme geeignete Nachweise darstellen.
Entscheidend ist, dass nachvollziehbar beurteilt werden kann, warum keine weitergehende Systemberechnung erforderlich ist.