Anwendungsfall

Große Formteile entnehmen, ohne in den Werkzeugraum zu greifen

Große Formteile kommen warm, sperrig und ungünstig gelegen aus der Maschine. Wer sie von Hand entnimmt, greift tief zwischen die Holme, hebt aus der Beuge und dreht sich mit der Last – drei Bewegungen, die jede für sich schon problematisch sind.

Bauteil
Formteil, teils Hybridteil
Gewicht
8 bis 60 kg
Zustand
warm, formempfindlich
Entnahmehöhe
400 bis 1.200 mm
Bewegung
ausführen, wenden, ablegen
Werkzeugwechsel
mehrmals je Woche
01 — Die Aufgabe

Der Griff in den Werkzeugraum ist der teuerste der Schicht.

Nach dem Öffnen muss das Teil aus dem Werkzeugraum geführt, abgelegt und teilweise gewendet werden; bei Hybridteilen kommen Einlegeteile in die Form. Die Entnahmestelle liegt tief zwischen den Holmen, die Ablage außerhalb der Maschine. Das Teil ist noch warm und formempfindlich, Druckstellen sind Ausschuss. Ein Entnahmeroboter wäre gebunden an ein Programm je Werkzeug – bei häufigem Werkzeugwechsel ist das der teurere Weg.

02 — Die Lösung

Wie wir das lösen

Warum der Knickarm hier passt

Der Weg aus dem Werkzeugraum ist keine Gerade: erst heraus, dann um den Holm herum, dann zur Ablage. Genau dafür ist ein zweigliedriger Knickarm gebaut – er faltet und streckt sich in der Waagerechten und erreicht Punkte, die ein Schwenkausleger nur mit großem Radius bekommt. Die Last bleibt dabei geführt: Ein warmes Formteil, das am Seil pendelt, stößt irgendwann an den Holm.

Der Greifer nimmt Rücksicht auf das warme Teil

Formteile sind direkt nach der Entnahme weich. Ein Punktgreifer hinterlässt Abdrücke, die als Ausschuss zurückkommen. Wir arbeiten mit flächigen Aufnahmen – Vakuum auf glatten Partien, Formschalen an der Kontur – und begrenzen die Greifkraft pneumatisch. Wo die Geometrie es zulässt, ist ein Unterfassen an der Angussseite die schonendste Lösung.

Werkzeugwechsel mitdenken

Der häufigste Planungsfehler in dieser Aufgabe: Das Gerät steht beim Werkzeugwechsel im Weg. Wir legen den Standpunkt so, dass der Kran über die Maschine kommt und der Arm in eine Parkposition schwenkt – nicht demontiert, sondern weggedreht. Bei mobilen Grundplatten geht auch das Wegfahren, aber jeder Umbau kostet Zeit, die im Werkzeugwechsel ohnehin knapp ist.

03 — Was sich ändert

Am Arbeitsplatz danach

  • Niemand greift mehr zwischen die Holme.
  • Die Entnahme läuft aus aufrechter Haltung statt aus der Beuge.
  • Druckstellen am warmen Teil gehen zurück – die Aufnahme verteilt die Kraft.
  • Ein Werkzeugwechsel kostet keinen Umbau am Handhabungsgerät.
  • Bei wechselnden Teilen entfällt die Programmierung, die ein Roboter bräuchte.
Häufige Fragen

Häufige Fragen

Warum kein Entnahmeroboter?

Wo dasselbe Werkzeug wochenlang läuft, ist der Roboter überlegen. Bei mehreren Werkzeugwechseln je Woche kehrt sich das um: Jedes neue Teil braucht ein Programm, eine Freigabe und einen Greiferwechsel. Ein handgeführter Manipulator ist am Tag des Wechsels ohne Vorbereitung einsatzbereit.

Wie warm darf das Teil sein?

Für die Aufnahme sind 80 bis 120 Grad üblich und unkritisch, solange die Sauger oder Schalen dafür ausgelegt sind – Silikon statt Standard-NBR. Kritischer als die Temperatur ist die Weichheit: Das Teil verformt sich unter Punktlast, deshalb geht Fläche vor Kraft.

Kann dasselbe Gerät auch Einlegeteile beschicken?

Ja, und das ist meist der wirtschaftlichere Weg. Mit einem Wechselsystem an der Aufnahme bedient ein Gerät beide Richtungen: Einlegeteil hinein, Formteil heraus. Voraussetzung ist, dass die Zykluszeit den Wechsel hergibt – das rechnen wir vorab durch.

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