Anwendungsfall

Sechs Meter Stahlprofil vom Lager an die Säge – ohne dass es durchhängt

Ein Rechteckrohr 100 × 60 × 4 in sechs Metern Länge wiegt 55 Kilogramm. Zwei Leute tragen das. Was sie nicht können: es allein anheben, ohne dass ein Ende absackt, es waagerecht auf den Rollgang legen und dabei den Anschlag treffen. Deshalb sind an vielen Sägen zwei Personen gebunden – für ein Bauteil, das ein Mensch heben könnte.

Bauteil
Profil, Rohr, Träger
Länge
3 bis 6 m, Sonderlängen darüber
Gewicht
20 bis 250 kg
Bewegung
ziehen, waagerecht führen, ablegen
Arbeitsbereich
Lager – Säge – Abstapelplatz
Besonderheit
Durchbiegung, scharfe Kanten
01 — Die Aufgabe

Sechs Meter Stahl sind kein Gewicht. Sie sind ein Hebel.

Aus dem Kragarmregal ziehen, drehen, zum Rollgang tragen, ablegen, anschlagen. Langgut biegt sich unter dem eigenen Gewicht: An einem Punkt aufgenommen, hängt es an beiden Enden durch und schlägt beim Absetzen auf. Im Regal liegen die Profile dicht nebeneinander, oft in mehreren Ebenen, und das gesuchte Stück liegt selten oben. Dazu kommt die Kante: Zuschnitte und Rohrenden sind scharf, und ein Profil, das aus der Hand rutscht, fällt sechs Meter weit auf den Boden.

02 — Die Lösung

Wie wir das lösen

Zwei Punkte statt einer – die Traverse

Der ganze Unterschied liegt in der Lastaufnahme. Eine Traverse mit zwei verschiebbaren Aufnahmen, im Abstand der halben Länge gesetzt, nimmt die Durchbiegung heraus. Für Stahl arbeiten wir mit Lasthebemagneten, für Aluminium, Edelstahl und beschichtete Profile mit Klemmzangen oder Auflagegabeln mit Formschluss. Wo beides läuft, ist eine Traverse mit wechselbaren Aufnahmen die Lösung – der Wechsel dauert dann eine Minute statt einer Umrüstung.

Die Bahn ist gerade, also gehört sie auf eine Schiene

Lager, Säge und Abstapelplatz liegen fast immer auf einer Linie. Genau dafür ist ein Einträger-Schienensystem gebaut: Es folgt dem Weg, braucht keinen Schwenkraum und lässt sich über die gesamte Länge des Lagers führen. Ein Säulengerät müsste den Weg als Kreis abdecken und würde entweder zu groß oder zu kurz. Wo mehrere Sägen bedient werden, kommt ein Flächensystem mit Haupt- und Nebenträger dazu.

Das Ablegen entscheidet über die Akzeptanz

Ein Gerät, das das Profil hebt, aber beim Ablegen aufschlagen lässt, wird nicht benutzt. Wir legen die Absenkgeschwindigkeit gedämpft aus und geben der Aufnahme genug Spiel, dass sich das Bauteil beim Aufsetzen ausrichten kann, statt sich zu verspannen. Bei empfindlichen Oberflächen kommen Auflagen aus Polyurethan dazu – Kratzer am Sichtprofil sind Nacharbeit, und Nacharbeit rechnet niemand in die Anschaffung ein.

03 — Was sich ändert

Am Arbeitsplatz danach

  • Ein Mensch beschickt die Säge, wo vorher zwei gebunden waren.
  • Das Profil bleibt über die ganze Länge waagerecht – kein Durchhängen, kein Aufschlagen.
  • Der Griff an die scharfe Kante entfällt.
  • Der Weg vom Lager zur Säge läuft ohne Umsetzen und ohne Stapler.
  • Beschädigungen an Sichtprofilen und damit die Nacharbeit gehen zurück.
Häufige Fragen

Häufige Fragen

Magnet oder Zange für Langgut?

Der Lasthebemagnet ist bei Stahl die schnellste Aufnahme – anfahren, halten, fertig. Er scheidet aus bei Aluminium, Edelstahl und beschichtetem Material und braucht eine Absicherung gegen Stromausfall. Klemmzangen und Formaufnahmen sind langsamer, aber werkstoffunabhängig. Wo beides läuft, planen wir eine Traverse mit wechselbaren Aufnahmen ein.

Wie weit dürfen die Aufnahmepunkte auseinanderliegen?

Als Faustregel etwa die halbe Bauteillänge, symmetrisch zum Schwerpunkt. Genauer rechnen wir es über die zulässige Durchbiegung des Profils – bei dünnwandigen Rohren und langen Aluminiumprofilen liegt der günstigste Abstand enger, als man vermutet.

Braucht ein Schienensystem eine eigene Unterkonstruktion?

Nicht zwingend. Wenn die Hallenbinder tragfähig sind, hängen wir das System direkt darunter; das ist der Regelfall. Sonst kommt eine eigene Ständerkonstruktion dazu, die unabhängig vom Dach steht. Beides klären wir vorab mit der Statik – nicht auf der Baustelle.

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