Anwendungsfall

Zwei Scheiben planparallel zueinander bringen, ohne den Randverbund zu berühren

Beim Zusammenführen von Isolierglas entscheidet sich in wenigen Sekunden, ob eine Einheit dicht wird. Die Scheiben müssen planparallel aufeinandertreffen, und der Randverbund darf dabei von keiner Aufnahme berührt werden.

Bauteil
Floatglas, Isolierglaseinheit
Gewicht
30 bis 200 kg
Format
bis 3.000 x 2.000 mm
Bewegung
senkrecht führen, planparallel fügen
Häufigkeit
80 bis 250 je Schicht
Besonderheit
Bruchgefahr, scharfe Kanten
01 — Die Aufgabe

Zwei Millimeter Versatz sind kein Maßfehler, sondern Ausschuss.

Scheiben aus dem Gestell nehmen, prüfen, zur Montagestelle führen und mit der zweiten Scheibe zusammenführen. Die Formate liegen zwischen einem und drei Metern, das Gewicht zwischen dreißig und zweihundert Kilogramm. Von Hand geht das zu zweit, mit Saugern in den Händen, und die Genauigkeit hängt daran, dass beide gleich schnell absenken. Ein Versatz kostet die Einheit, ein Anstoßen die Kante.

02 — Die Lösung

Wie wir das lösen

Zwei Vakuumkreise als Grundausstattung

Bei senkrecht gehaltenem Glas sind zwei voneinander getrennte Vakuumkreise mit eigenen Saugern und eigenen Speichern der übliche Stand. Fällt ein Kreis aus, hält der andere die Scheibe, und die Warneinrichtung meldet den Ausfall sofort. Dazu kommen Rückschlagventile, die ein Entlüften verhindern. Diese Ausführung ist keine Vorsichtsmaßnahme für besonders sorgfältige Betriebe, sondern die Voraussetzung dafür, dass senkrechtes Glashandling zulässig ist.

Die Sauger sitzen im Feld, nicht am Rand

Die Saugerpositionen werden nach Format und Gewicht gerechnet und liegen bewusst in der Fläche – weit genug vom Rand entfernt, dass der Randverbund frei bleibt, und so verteilt, dass die Scheibe zwischen den Saugern nicht durchhängt. Bei beschichtetem Glas kommen größere Teller mit weicher Lippe und geringerem Unterdruck zum Einsatz, damit keine Abdrücke entstehen.

Planparallel heißt: geführt, nicht gehalten

Zwei Scheiben von Hand planparallel zusammenzuführen setzt voraus, dass zwei Personen gleich schnell arbeiten. Ein Gerät mit geführter Hubachse macht daraus eine Einmannaufgabe: Die Scheibe hängt in der Waagerechten fest und wird senkrecht abgesenkt, ohne dass sich der Winkel ändert. Die Feineinstellung übernimmt die letzten Millimeter, und der Werker hat beide Hände frei, um die Lage zu kontrollieren.

03 — Was sich ändert

Am Arbeitsplatz danach

  • Das Zusammenführen gelingt von einer Person statt zu zweit.
  • Der Randverbund bleibt unberührt.
  • Die Scheiben treffen planparallel aufeinander – Versatzausschuss geht zurück.
  • Bei Ausfall eines Vakuumkreises hält die Scheibe weiter.
  • Hände kommen nicht mehr an die scharfen Kanten.
Häufige Fragen

Häufige Fragen

Wie groß darf die Scheibe sein?

Begrenzend ist die Durchbiegung, nicht das Gewicht. Ab etwa drei Metern Kantenlänge braucht es eine Traverse, die die Sauger über mehrere Punkte verteilt – sonst entstehen zwischen den Saugern Spannungen, bei denen Glas bricht. Bis sechs Meter ist das gut beherrschbar.

Was passiert bei Stromausfall?

Nichts, wenn richtig ausgelegt: Speicher und Rückschlagventile halten den Unterdruck über mehrere Minuten, und die Warnung meldet den Ausfall. Diese Zeit reicht, um die Scheibe kontrolliert abzusetzen. Ohne Speicher wäre die Anlage nicht zulässig.

Funktioniert das bei beschichtetem Glas?

Ja, mit passender Dichtlippe. Kritisch sind weiche Beschichtungen, die Abdrücke annehmen; dort werden größere Sauger mit niedrigerem Unterdruck eingesetzt. Wir prüfen das grundsätzlich am Muster, weil sich die Beschichtungen deutlich unterscheiden.

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