Anwendungsfall

Sechshundert Newtonmeter anziehen, ohne dass das Handgelenk sie abfängt

Beim Anziehen schlägt das Reaktionsmoment zurück. Physikalisch ist das keine Frage der Kraft des Werkers, sondern eine der Statik: Was am Werkzeug entsteht, muss irgendwo hin. Ohne Stütze geht es ins Handgelenk – und bei 600 Newtonmetern ist das keine Zumutung mehr, sondern ein Unfall mit Ansage.

Werkzeug
Druckluft- oder Akkuschrauber
Werkzeuggewicht
4 bis 9 kg
Moment
120 bis 600 Nm
Maximal abstützbar
bis 1.000 Nm
Schraubfälle je Schicht
200 bis 600
Anforderung
Moment dokumentieren
01 — Die Aufgabe

Das Moment geht in die Stütze – oder in den Menschen.

An der Station werden Radnaben, Aggregatehalter oder Flanschverbindungen mit einem Druckluft- oder Akkuschrauber angezogen. Die Momente liegen zwischen 120 und 600 Newtonmetern, die Schraubfälle wechseln, und jedes Anziehen soll dokumentiert werden. Der Schrauber selbst wiegt vier bis neun Kilogramm; über eine Schicht gerechnet hebt der Werker damit mehrere Tonnen, bevor überhaupt eine Schraube angezogen ist.

02 — Die Lösung

Wie wir das lösen

Ab wann eine Stütze gehört

Die Faustregel aus der Praxis: Ab etwa 30 Newtonmetern Reaktionsmoment wird das Halten dauerhaft belastend, ab 80 Newtonmetern ist es ohne Stütze nicht mehr sicher beherrschbar. Der Wert hängt an der Haltung und an der Länge des Werkzeugs – über Kopf oder mit ausgestrecktem Arm sinkt er deutlich. Wir messen deshalb nicht nur das Moment, sondern sehen uns die Körperhaltung am konkreten Schraubpunkt an.

Federzug-Balance und starre Momentaufnahme

Die Stütze besteht aus zwei Teilen, die verschiedene Aufgaben haben. Der Federzug nimmt das Gewicht des Werkzeugs, sodass es in jeder Höhe stehen bleibt und mit zwei Fingern geführt wird. Die starre Momentaufnahme leitet den Rückschlag über die Schienenführung in die Struktur ab – sie ist nicht federnd, denn ein federndes Moment würde den Schraubfall verfälschen. Beides zusammen ergibt ein Werkzeug, das schwerelos wirkt und trotzdem hart abstützt.

Was mit der Dokumentation passiert

Wo Anzugsmomente dokumentiert werden müssen, hängt am Werkzeug eine Steuerung, die jeden Schraubfall protokolliert. Für die Handhabung heißt das: Die Leitung läuft mit, ohne sich zu verfangen. Wir führen sie über eine Energiedurchführung in der Schienenachse statt über eine frei hängende Schlaufe – das ist der Unterschied zwischen einem Kabel, das man täglich flucht, und einem, das man nicht bemerkt.

03 — Was sich ändert

Am Arbeitsplatz danach

  • Das Reaktionsmoment erreicht das Handgelenk nicht mehr.
  • Das Werkzeug steht gewichtslos in jeder Position – kein Halten zwischen den Schraubfällen.
  • Die Schraubpunkte sind ohne Umsetzen erreichbar.
  • Die Dokumentationsleitung läuft geführt mit, statt sich zu verfangen.
  • Die Beurteilung nach Leitmerkmalmethode verbessert sich bei Kraft und Haltung gleichermaßen.
Häufige Fragen

Häufige Fragen

Wie viel Nm kann eine Stütze aufnehmen?

Unsere Anlagen stützen bis 1.000 Newtonmeter ab. Der übliche Bereich in der Montage liegt zwischen 120 und 600 Nm. Wichtig ist nicht nur der Spitzenwert, sondern die Richtung: Ein Moment um die Werkzeugachse wird anders abgeleitet als eines quer dazu, und danach richtet sich die Bauform der Aufnahme.

Geht das auch mit Akkuschraubern?

Ja. Der Antrieb des Werkzeugs spielt für die Stütze keine Rolle – abgestützt wird das Reaktionsmoment, nicht die Energiequelle. Bei Akkuwerkzeugen entfällt die Druckluftleitung, dafür kommt oft eine Funkstrecke für die Dokumentation dazu.

Braucht jeder Schraubpunkt eine eigene Stütze?

Nein, das wäre teuer und unpraktisch. Eine Stütze an einer Schienenachse deckt einen Arbeitsbereich ab; sobald der Werker den Bereich verlässt, wird es unbequem. Wir legen den Bereich so aus, dass alle Schraubpunkte einer Station ohne Umsetzen erreichbar sind – das ist die Grenze, an der ein zweites Gerät billiger wird als der Umweg.

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