Ratgeber

Regelventil auslegen: den Kv-Wert berechnen

Die Formel für den Kv-Wert passt in eine Zeile. Trotzdem sind zu große Regelventile eher die Regel als die Ausnahme – weil die Rechnung nur für den größten Durchfluss gemacht wird, mit einer Druckdifferenz, die jemand geschätzt hat. Dieser Beitrag zeigt die Rechnung so, wie sie gemeint ist: für den ganzen Lastbereich.

Autor
Dr.-Ing. Philipp Schwittek
Lesezeit
8 Minuten
Aktualisiert
04. Oktober 2026
Das Wichtigste in Kürze
  • Der Kv-Wert ist der Wasserdurchfluss in m³/h bei 1 bar Druckdifferenz – die Vergleichsgröße für jedes Ventil.
  • Für Flüssigkeiten gilt Kv = Q · √(ρ / (1000 · Δp)), solange die Strömung turbulent und nicht begrenzt ist.
  • Gerechnet werden mindestens drei Betriebspunkte: kleinster, normaler und größter Durchfluss mit ihrer jeweiligen Druckdifferenz.
  • Die Druckdifferenz am Ventil ist ein Ergebnis der Anlage – und sie ist beim größten Durchfluss am kleinsten.
  • Der Kvs-Wert wird so gewählt, dass der Normalbetrieb im mittleren Hubbereich liegt.
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Was der Kv-Wert sagt

Der Kv-Wert gibt an, wie viele Kubikmeter Wasser pro Stunde bei einer Druckdifferenz von 1 bar durch ein Ventil in einer bestimmten Stellung fließen. Er beschreibt also nicht das Ventil, sondern das Ventil bei einem bestimmten Hub. Der Kvs-Wert ist der Nennwert bei voller Öffnung – die Zahl, die im Datenblatt steht und nach der Ventile gestuft sind.

Im angelsächsischen Raum wird stattdessen der Cv-Wert verwendet, der auf US-Gallonen pro Minute und 1 psi bezogen ist. Die Umrechnung ist ein fester Faktor: Cv ≈ 1,156 · Kv. Grundlage für beide Größen ist die Normenreihe IEC 60534; ihre Auslegungsgleichungen stehen in Teil 2-1.

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Die Formel für Flüssigkeiten

Für eine Flüssigkeit in turbulenter Strömung, die im Ventil nicht verdampft, gilt:

Kv = Q · √(ρ / (1000 · Δp))

mit dem Volumenstrom Q in m³/h, der Dichte ρ in kg/m³ und der Druckdifferenz Δp über dem Ventil in bar. Für Wasser mit 1000 kg/m³ bleibt Kv = Q / √Δp: 30 m³/h bei 0,9 bar Druckdifferenz ergeben einen Kv-Wert von 31,6.

Die Dichte geht nur unter der Wurzel ein, die Druckdifferenz ebenfalls – aber sie ist die Größe, die am häufigsten falsch angesetzt wird. Eine Verdoppelung der angenommenen Druckdifferenz verkleinert den berechneten Kv-Wert um knapp 30 Prozent.

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Drei Betriebspunkte statt einem

Die Druckdifferenz am Ventil ist keine Vorgabe. Sie ist das, was übrig bleibt, wenn vom verfügbaren Druck – etwa der Förderhöhe der Pumpe – die Verluste in Rohrleitung, Apparaten und Armaturen abgezogen sind. Diese Verluste wachsen mit dem Quadrat des Durchflusses, während die Förderhöhe einer Kreiselpumpe mit dem Durchfluss sinkt.

Daraus folgt: Beim größten Durchfluss steht dem Ventil die kleinste Druckdifferenz zur Verfügung, beim kleinsten die größte. Der benötigte Kv-Bereich ist deshalb weiter gespreizt als der Durchflussbereich. Im Beispiel der Tabelle ändert sich der Durchfluss um den Faktor fünf, der Kv-Wert um mehr als den Faktor acht.

Gerechnet werden deshalb mindestens drei Punkte – kleinster, normaler und größter Durchfluss –, jeder mit der Druckdifferenz, die die Anlage in diesem Zustand tatsächlich liefert.

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Kvs wählen und den Hub prüfen

Kvs-Werte sind gestuft; gewählt wird ein Wert oberhalb des größten berechneten Kv. Wie weit oberhalb, zeigt erst der Blick auf den Hub. Für eine gleichprozentige Kennlinie mit dem Stellverhältnis R gilt Kv / Kvs = R^(h − 1), wobei h der relative Hub ist.

Im Beispiel liegt der größte Kv-Wert bei 56,6. Mit Kvs 63 wäre das Ventil dabei zu rund 97 Prozent geöffnet – ohne jede Reserve. Mit Kvs 100 und einem Stellverhältnis von 50:1 liegen die drei Betriebspunkte bei etwa 85, 71 und 31 Prozent Hub: Der Normalbetrieb sitzt im oberen Mittelfeld, nach oben bleibt Reserve, und beim kleinsten Durchfluss arbeitet das Ventil weit genug vom Sitz entfernt.

Das Stellverhältnis ist das Verhältnis von Kvs zum kleinsten Kv-Wert, bei dem die Kennlinie noch eingehalten wird. Für Hubventile werden häufig Werte zwischen 30:1 und 50:1 angegeben; maßgeblich ist das Datenblatt. Der kleinste benötigte Kv-Wert muss sicher darüber liegen.

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Ventilautorität: wie viel Druck das Ventil bekommt

Die Ventilautorität ist das Verhältnis der Druckdifferenz am voll geöffneten Ventil bei Auslegungsdurchfluss zur Druckdifferenz am geschlossenen Ventil – also zum gesamten Druck, der in der geregelten Strecke zur Verfügung steht.

Ist sie klein, nimmt das Ventil im geöffneten Zustand nur einen kleinen Teil des Druckverlusts auf. Dann ändert sich der Durchfluss auf den ersten Prozent Hub stark und danach kaum noch: Die Regelung wird im unteren Bereich nervös und im oberen wirkungslos. Als Richtwert nennt die Literatur Autoritäten ab etwa 0,3 bis 0,5; darunter braucht es zumindest eine gleichprozentige Kennlinie.

Die Autorität ist der Grund, warum ein Regelventil in aller Regel kleiner ist als die Leitung, in der es sitzt. Ein Ventil in Leitungsnennweite hat fast immer zu wenig Druckverlust, um zu regeln.

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Wo die einfache Formel endet

Die Formel setzt voraus, dass der Durchfluss mit der Wurzel der Druckdifferenz wächst. Das gilt nicht unbegrenzt. Fällt der Druck im engsten Querschnitt bis zum Dampfdruck, bilden sich Dampfblasen, und der Durchfluss steigt nicht mehr, auch wenn der Ausgangsdruck weiter sinkt. Die größte wirksame Druckdifferenz ist nach IEC 60534-2-1 Δp = F_L² · (p1 − F_F · pv) – mit dem Druckrückgewinnungsfaktor F_L des Ventils, dem Eingangsdruck p1, dem Dampfdruck pv und einem Faktor F_F, der vom Medium abhängt. Wer mit einer größeren Druckdifferenz rechnet, erhält einen zu kleinen Kv-Wert.

  • Zähe Medien: Bei laminarer Strömung korrigiert ein Reynoldszahl-Faktor den Kv-Wert nach oben.
  • Reduzierungen vor und hinter dem Ventil: Ein Rohrgeometriefaktor berücksichtigt den zusätzlichen Verlust.
  • Gase und Dampf: Das Medium dehnt sich im Ventil aus. Die Gleichungen enthalten einen Expansionsfaktor, und oberhalb eines kritischen Druckverhältnisses wächst der Durchfluss nicht mehr.
  • In allen drei Fällen wird nach IEC 60534-2-1 gerechnet, nicht mit der einfachen Formel.
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Typische Fehler

Ein überdimensioniertes Regelventil ist selten das Ergebnis einer falschen Formel. Es entsteht aus Zuschlägen, die jeder Beteiligte für sich aufschlägt.

  • Zuschläge gestapelt: Verfahrenstechnik, Pumpenauslegung und Ventilauslegung rechnen jeweils mit Reserve.
  • Nur der größte Durchfluss gerechnet – der Normalbetrieb liegt dann bei kleinem Hub.
  • Druckdifferenz als feste Zahl angenommen statt für jeden Betriebspunkt aus der Anlage bestimmt.
  • Ventil in Leitungsnennweite gewählt, weil es „passt“.
  • Durchflussbegrenzung nicht geprüft und mit der vollen Druckdifferenz gerechnet.
Übersicht

Rechenbeispiel: Wasser, Kvs 100, gleichprozentig, Stellverhältnis 50:1

Betriebspunkt Durchfluss Druckdifferenz Kv-Wert Hub
Größter Durchfluss 40 m³/h 0,5 bar 56,6 rund 85 %
Normalbetrieb 30 m³/h 0,9 bar 31,6 rund 71 %
Kleinster Durchfluss 8 m³/h 1,4 bar 6,8 rund 31 %
Häufige Fragen

Häufige Fragen zu Kv-Wert berechnen

Welche Druckdifferenz setze ich an, wenn ich sie nicht kenne?

Keine geschätzte. In einer bestehenden Anlage wird sie gemessen – Druck vor und hinter dem Ventil bei bekanntem Durchfluss. In der Planung ergibt sie sich aus Pumpenkennlinie und Anlagenkennlinie für jeden Betriebspunkt. Wo beides offen ist, wird die Druckdifferenz über die gewünschte Ventilautorität festgelegt und die Pumpe danach ausgelegt.

Wie viel Reserve ist beim Kvs-Wert sinnvoll?

So viel, dass der größte Durchfluss nicht erst bei voll geöffnetem Ventil erreicht wird – und nicht mehr. Die Reserve zeigt sich am Hub im größten Betriebspunkt, nicht an einem pauschalen Aufschlag. Wer Reserve auf Reserve setzt, verschiebt den Normalbetrieb in den unteren Hubbereich.

Gilt die Formel auch für Dampf und Gase?

Nein. Kompressible Medien dehnen sich im Ventil aus; ihre Dichte ändert sich mit dem Druck. IEC 60534-2-1 enthält dafür eigene Gleichungen mit Expansionsfaktor und Druckverhältnis. Oberhalb eines kritischen Druckverhältnisses ist der Durchfluss begrenzt.

Warum ist das Regelventil kleiner als die Rohrleitung?

Weil die Leitung für kleinen Druckverlust ausgelegt ist und das Ventil für einen spürbaren. Nur wenn das Ventil einen nennenswerten Teil des Druckverlusts der Strecke aufnimmt, ändert sich der Durchfluss gleichmäßig mit dem Hub. Reduzierungen vor und hinter dem Ventil sind deshalb der Normalfall.

Kann ich ein vorhandenes Ventil nachrechnen?

Ja. Aus gemessenem Durchfluss und gemessener Druckdifferenz folgt der aktuelle Kv-Wert, aus Kvs und Kennlinie der Hub, bei dem das Ventil arbeiten müsste. Weicht die tatsächliche Stellung deutlich ab oder liegt der Normalbetrieb bei sehr kleinem Hub, ist das Ventil zu groß oder verschlissen.

Über den Autor

Dr.-Ing. Philipp Schwittek

Geschäftsführung, Entracon Planungsgesellschaft mbH

Promovierter Ingenieur mit den Schwerpunkten Anlagenbau, digitale Konstruktion und Prozessautomatisierung – von der Simulation bis zur Inbetriebnahme.

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