Ratgeber

Technischer Platz in SAP: Anlagen richtig strukturieren

Die Platzstruktur ist die Landkarte, auf der die Instandhaltung in SAP arbeitet: Jede Meldung, jeder Auftrag und jede Kostenauswertung hängt an ihr. Sie wird einmal angelegt und danach jahrelang benutzt – und sie lässt sich später nur mit Aufwand umbauen. Dieser Beitrag erklärt, was ein Technischer Platz ist, wie er sich vom Equipment unterscheidet und wie eine Struktur entsteht, die trägt.

Autor
Dr.-Ing. Philipp Schwittek
Lesezeit
9 Minuten
Aktualisiert
04. Oktober 2026
Das Wichtigste in Kürze
  • Ein Technischer Platz beschreibt eine Stelle oder Funktion der Anlage, ein Equipment das einzelne Gerät, das dort eingebaut ist.
  • Das Strukturkennzeichen legt fest, wie das Kennzeichen eines Platzes aufgebaut ist und wo eine Hierarchiestufe endet.
  • Angelegt wird von oben nach unten – dann findet das System den übergeordneten Platz von selbst.
  • Die Gliederungstiefe richtet sich danach, wo Meldungen, Aufträge und Kosten ausgewertet werden sollen.
  • Dokumente gehören an das Objekt: Anlagenunterlagen an den Platz, Geräteunterlagen an das Equipment.
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Was ein Technischer Platz ist

Der Technische Platz ist ein Stammdatenobjekt der Instandhaltung in SAP – im klassischen Modul PM ebenso wie im Asset Management von S/4HANA. Er bildet einen Ort oder eine Funktion innerhalb einer Anlage ab: ein Werk, eine Halle, eine Produktionslinie, eine Pumpstation, den Einbauort einer Pumpe. Technische Plätze stehen in einer Hierarchie, sodass sich eine Anlage vom Werk bis zum einzelnen Einbauort durchgliedern lässt.

Am Platz hängen die Daten, die zum Ort gehören: Standort, Kostenstelle, Planungswerk, zuständige Arbeitsplätze. Instandhaltungsmeldungen und -aufträge beziehen sich auf einen Platz, und die Kosten lassen sich über die Hierarchie verdichten. Angelegt wird ein Platz mit der Transaktion IL01, geändert mit IL02, angezeigt mit IL03; die Strukturdarstellung IH01 zeigt die Hierarchie mit den eingebauten Equipments.

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Platz oder Equipment?

Die Abgrenzung ist die häufigste Frage und die wichtigste Entscheidung. Der Technische Platz beschreibt die Stelle, das Equipment das konkrete Gerät. Ein Equipment ist ein einzelner, eigenständig instand zu haltender Gegenstand – mit Hersteller, Typ, Seriennummer und Baujahr. Es wird in einen Platz eingebaut und kann wieder ausgebaut werden.

Wird die Pumpe am Platz „Kühlwasserpumpe 1“ getauscht, bleibt der Platz bestehen. Das alte Equipment wird ausgebaut, geht in die Werkstatt oder ins Lager, das neue wird eingebaut. Die Historie des Geräts – wo es wann eingebaut war, was daran repariert wurde – wandert mit dem Equipment. Die Historie der Stelle – wie oft dort etwas ausgefallen ist, was sie gekostet hat – bleibt am Platz. Als Faustregel gilt: Was getauscht, verliehen, geprüft oder einzeln verfolgt werden soll, ist ein Equipment. Was die Anlage gliedert, ist ein Platz.

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Das Strukturkennzeichen: die Grammatik der Anlage

Jeder Technische Platz trägt ein Kennzeichen, etwa „1000-KW-P01“. Wie dieses Kennzeichen aufgebaut sein darf, legt das Strukturkennzeichen fest. Es besteht aus zwei Angaben: der Editionsmaske, die für jede Stelle bestimmt, ob dort Buchstaben, Ziffern oder beides stehen dürfen und wo Trennzeichen sitzen, und den Hierarchiestufen, die angeben, an welcher Stelle der Maske eine Ebene endet.

Daraus leitet das System die Hierarchie ab. Wird der Platz „1000-KW-P01“ angelegt und existiert „1000-KW“ bereits, ordnet SAP ihn selbstständig darunter ein. Das funktioniert nur, wenn von oben nach unten angelegt wird – wer zuerst die unteren Plätze erfasst, bekommt Plätze ohne übergeordneten Platz und muss nacharbeiten. Das Strukturkennzeichen ist eine Einstellung im Customizing und sollte stehen, bevor der erste Platz angelegt wird.

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Wie tief gliedern?

Eine verbreitete Gliederung einer Produktionsanlage führt vom Werk über den Bereich oder das Gebäude zur Anlage oder Linie, weiter zur Teilanlage und schließlich zum Einbauort eines Aggregats. Ob vier, fünf oder sechs Ebenen richtig sind, ergibt sich nicht aus SAP, sondern aus zwei Fragen: Auf welcher Ebene meldet der Betrieb eine Störung? Und auf welcher Ebene will die Instandhaltung Kosten und Ausfälle auswerten?

Die Struktur muss nicht erfunden werden. In verfahrenstechnischen Anlagen gibt es sie bereits – in den Kennzeichen des R&I-Fließschemas. Kraftwerke arbeiten mit einem eigenen Kennzeichnungssystem, und die Normenreihe EN 81346 beschreibt allgemeine Grundsätze für die Strukturierung und Referenzkennzeichnung technischer Anlagen. Wer die Bezeichnungen übernimmt, die am Aggregat auf dem Schild stehen, erspart dem Instandhalter die Übersetzung zwischen Anlage und System.

  • So tief, dass eine Störung eindeutig einem Platz zugeordnet werden kann
  • Nicht tiefer, als jemand Daten pflegen und Meldungen schreiben wird
  • Gleiche Anlagen gleich gliedern – sonst lassen sie sich nicht vergleichen
  • Kennzeichen aus der Anlagendokumentation übernehmen, nicht neu vergeben
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Datenweitergabe: einmal pflegen, überall gültig

Die Hierarchie ist nicht nur Ordnung, sie spart Pflege. Daten wie Kostenstelle, Standort oder Planungswerk werden vom übergeordneten Platz an die untergeordneten weitergegeben und von dort an die eingebauten Equipments. Zieht eine Linie in eine andere Kostenstelle um, wird das an einer Stelle geändert.

Für jedes Feld lässt sich festlegen, ob es den Wert von oben übernimmt oder einen eigenen trägt. Am Platz wird außerdem bestimmt, ob Equipments eingebaut werden dürfen und ob nur ein einzelnes zulässig ist – sinnvoll überall dort, wo an einer Stelle genau ein Gerät sitzt. Für mehrfach vorhandene, gleich aufgebaute Anlagen gibt es den Referenzplatz: eine Vorlage, deren Daten die daraus abgeleiteten Plätze übernehmen.

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Dokumente am Platz

Zeichnungen, Fließschemata, Prüfberichte und Anleitungen sind für die Instandhaltung nur dann etwas wert, wenn sie am Objekt hängen. Die SAP-Dokumentenverwaltung führt dafür Dokumentinfosätze – angelegt mit CV01N – mit Version, Status und den Originaldateien. Über die Objektverknüpfung wird ein Dokumentinfosatz einem Technischen Platz oder einem Equipment zugeordnet und ist dann aus dem Stammsatz, aus der Meldung und aus dem Auftrag heraus erreichbar.

Die Zuordnung folgt derselben Logik wie die Abgrenzung der Objekte. An den Platz gehört, was die Stelle beschreibt: R&I-Fließschema, Aufstellungsplan, Rohrleitungsisometrie, Auslegungsdaten. An das Equipment gehört, was das Gerät beschreibt und mit ihm umzieht: Datenblatt, Betriebsanleitung des Herstellers, Abnahmeprüfzeugnis, Prüfprotokolle.

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Häufige Fehler beim Aufbau

Die meisten Probleme mit Platzstrukturen entstehen nicht im Betrieb, sondern am ersten Tag – durch Entscheidungen, die sich später nur mit einem Bereinigungsprojekt korrigieren lassen.

  • Geräte als Plätze angelegt: Beim ersten Tausch stimmt die Historie nicht mehr
  • Strukturkennzeichen zu knapp gewählt – für die nächste Erweiterung fehlt eine Ebene oder eine Stelle
  • Von unten nach oben angelegt, sodass Plätze ohne übergeordneten Platz entstehen
  • Jeder Bereich gliedert anders: gleiche Anlagen, verschiedene Tiefen, keine Vergleichbarkeit
  • Zu fein gegliedert – Plätze, auf die nie eine Meldung geschrieben wird, kosten nur Pflege
  • Bezeichnungen frei vergeben: dieselbe Pumpe heißt im System anders als auf dem Schild
  • Altdaten ungeprüft in ein neues System übernommen, mit Dubletten und verwaisten Plätzen
Übersicht

Technischer Platz und Equipment im Vergleich

Merkmal Technischer Platz Equipment
Beschreibt eine Stelle oder Funktion der Anlage ein einzelnes Gerät
Kennzeichen sprechend, nach Strukturkennzeichen aufgebaut Equipmentnummer, meist fortlaufend
Hierarchie aus dem Kennzeichen abgeleitet durch Einbau in Platz oder übergeordnetes Equipment
Ortsbezug fest wechselt durch Ein- und Ausbau
Typische Daten Standort, Kostenstelle, Planungswerk Hersteller, Typ, Seriennummer, Baujahr
Historie der Stelle: Ausfälle und Kosten am Ort des Geräts: Einsätze und Reparaturen
Transaktionen IL01, IL02, IL03 IE01, IE02, IE03
Häufige Fragen

Häufige Fragen zu Technischer Platz in SAP

Mit welcher Transaktion legt man einen Technischen Platz an?

Mit IL01. IL02 ändert einen Platz, IL03 zeigt ihn an. Die Strukturdarstellung IH01 zeigt die Hierarchie eines Platzes mit den darunterliegenden Plätzen und eingebauten Equipments.

Kann man auch nur mit Equipments arbeiten, ohne Technische Plätze?

Technisch ja – Meldungen und Aufträge lassen sich auch direkt auf ein Equipment schreiben. Es fehlt dann aber die Gliederung der Anlage: Kosten lassen sich nicht über Bereiche verdichten, und beim Tausch eines Geräts geht die Geschichte des Einbauorts verloren. Für kleine Bestände an beweglichen Geräten kann das genügen, für eine Produktionsanlage nicht.

Lässt sich eine Platzstruktur nachträglich ändern?

Einzelne Plätze lassen sich umhängen und ergänzen. Ein anderer Aufbau des Kennzeichens für die ganze Anlage ist dagegen ein Projekt: Kennzeichen stehen in Meldungen, Aufträgen, Wartungsplänen und auf Schildern in der Anlage. Deshalb lohnt die Sorgfalt am Anfang.

Gibt es Technische Plätze auch in SAP S/4HANA?

Ja. Technische Plätze, Equipments und die Dokumentenverwaltung gehören auch in S/4HANA zum Standard der Instandhaltung. Ein Umstieg ist ein guter Zeitpunkt, die Struktur vorher zu bereinigen, statt Altlasten mitzunehmen.

Wie viele Ebenen sollte eine Platzstruktur haben?

Dafür gibt es keinen festen Wert. Maßgeblich ist, auf welcher Ebene Störungen gemeldet und Kosten ausgewertet werden. Viele Strukturen kommen mit vier bis sechs Ebenen aus; wichtiger als die Zahl ist, dass gleichartige Anlagen gleich gegliedert sind.

Über den Autor

Dr.-Ing. Philipp Schwittek

Geschäftsführung, Entracon Planungsgesellschaft mbH

Promovierter Ingenieur mit den Schwerpunkten Anlagenbau, digitale Konstruktion und Prozessautomatisierung – von der Simulation bis zur Inbetriebnahme.

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