Ratgeber

KI im Kundenservice, ohne die Vorgänge aus dem Haus zu geben

Ein Antwortentwurf spart zwei Minuten je Vorgang – das rechnet sich schnell. Die Frage, die vorher zu klären ist, lautet aber nicht „wie gut wird der Entwurf", sondern „wer bekommt den Vorgang zu lesen, damit der Entwurf entsteht". Denn in einem Ticket steht selten nichts Vertrauliches.

Autor
Dr.-Ing. Philipp Schwittek
Lesezeit
7 Minuten
Aktualisiert
05. September 2026
Das Wichtigste in Kürze
  • In Tickets stehen Namen, Anlagen, Preise und Störungen – personenbezogene und geschäftskritische Daten zugleich.
  • Wer ein externes Sprachmodell nutzt, braucht dafür eine Rechtsgrundlage und einen Auftragsverarbeitungsvertrag; das ist möglich, aber es ist Arbeit.
  • Ein Modell auf eigener Maschine macht die Frage nicht kleiner, aber einfacher: Die Daten verlassen das Haus nicht.
  • Am meisten bringen die unspektakulären Aufgaben – zusammenfassen, sortieren, wiederfinden. Nicht das automatische Antworten.
  • Kein Entwurf geht ungelesen hinaus. Wer das nicht durchhält, spart am falschen Ende.
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Was in einem Ticket wirklich steht

Ein durchschnittlicher Supportvorgang enthält den Namen und die Durchwahl einer Person, die Bezeichnung einer Anlage, oft eine Fehlerbeschreibung mit Rückschlüssen auf den Betrieb, manchmal Preise oder Vertragsdetails. Das ist gleichzeitig personenbezogen und geschäftskritisch. Bevor ein Sprachmodell damit arbeitet, muss geklärt sein, wohin dieser Text fließt, wie lange er dort liegt und ob er zum Training verwendet wird. Diese drei Fragen sind einfach zu stellen und erstaunlich oft unbeantwortet.

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Extern mit Vertrag oder im eigenen Haus

Beide Wege sind gangbar. Ein externer Anbieter braucht einen Auftragsverarbeitungsvertrag, eine geprüfte Rechtsgrundlage, eine Aussage zum Trainingsausschluss und einen Eintrag im Verarbeitungsverzeichnis; bei Anbietern außerhalb der EU kommt die Frage der Übermittlung dazu. Das ist zu leisten, aber es ist ein Projekt. Ein Modell auf eigener Hardware verschiebt den Aufwand von der Vertragsseite auf die Technik: Serverleistung, Betrieb, Aktualisierung. Wir haben uns für den zweiten Weg entschieden, weil er die Frage „wohin gehen unsere Ticketinhalte" mit einem Satz beantwortet – sie gehen nirgendwohin.

  • Wohin fließen die Daten, und in welches Land?
  • Wie lange werden sie gespeichert?
  • Werden sie zum Training verwendet – vertraglich ausgeschlossen?
  • Gibt es einen Auftragsverarbeitungsvertrag und einen Eintrag im Verzeichnis?
  • Was passiert, wenn der Anbieter das Modell abkündigt?
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Was sich lohnt – und was nicht

Der größte Nutzen liegt in den unspektakulären Aufgaben. Eine Zusammenfassung eines langen Verlaufs spart bei jeder Übergabe Minuten. Eine automatische Vorsortierung nach Thema erspart das Verteilen von Hand. Volltextsuche über Anhänge macht auffindbar, was als gescanntes Bild ankommt. Deutlich weniger empfehlenswert ist die vollautomatische Antwort an den Kunden: Sie spart wenig, weil geprüft werden muss, und richtet viel Schaden an, wenn sie einmal falsch liegt. Der Entwurf, den ein Mensch freigibt, ist der bessere Kompromiss – und bleibt es auch dann noch, wenn die Modelle besser werden.

Häufige Fragen

Häufige Fragen zu KI im Kundenservice

Darf man Kundendaten in ein Sprachmodell geben?

Grundsätzlich ja, mit den üblichen Voraussetzungen: Rechtsgrundlage, Auftragsverarbeitungsvertrag, Eintrag im Verarbeitungsverzeichnis, vertraglicher Ausschluss der Trainingsnutzung. Bei Anbietern außerhalb der EU kommt die Prüfung der Übermittlung hinzu. Läuft das Modell im eigenen Haus, entfällt der größte Teil davon, weil die Daten den Betrieb nicht verlassen.

Ist ein eigenes Modell nicht deutlich schlechter?

Für die Aufgaben im Support: nein. Zusammenfassen, sortieren, einen Antwortentwurf aus einem vorhandenen Verlauf bauen – das können auch kleinere Modelle zuverlässig. Der Abstand zu den großen Anbietern zeigt sich bei freier Textproduktion, nicht bei diesen eng umrissenen Aufgaben.

Sollten Antworten automatisch rausgehen?

Wir raten davon ab. Die Zeitersparnis ist gering, weil ohnehin gelesen werden muss, und der Schaden einer falschen automatischen Antwort ist ungleich größer als der Gewinn aus hundert richtigen. Entwurf ja, Freigabe durch einen Menschen.

Über den Autor

Dr.-Ing. Philipp Schwittek

Geschäftsführung, Entracon Planungsgesellschaft mbH

Promovierter Ingenieur mit den Schwerpunkten Anlagenbau, digitale Konstruktion und Prozessautomatisierung – von der Simulation bis zur Inbetriebnahme.

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