Ratgeber

Was Handhabungstechnik kostet – und wann sie sich rechnet

Die Wirtschaftlichkeit von Handhabungstechnik wird meist über vermiedene Krankentage begründet. Das ist der schwächste verfügbare Beleg. Die tragfähigen Posten sind andere – und sie lassen sich am Arbeitsplatz in einer Stunde erheben.

Autor
Dr.-Ing. Philipp Schwittek
Lesezeit
7 Minuten
Aktualisiert
28. August 2026
Das Wichtigste in Kürze
  • Der größte belastbare Posten ist der Wegfall der zweiten Person bei Zwei-Mann-Hüben.
  • Der zweitgrößte ist die konstante Leistung über die Schicht statt des Einbruchs am Nachmittag.
  • Vermiedene Krankentage sind real, aber als Investitionsbegründung schwer zu belegen.
  • Rechnen Sie mit Vollkosten je Arbeitsstunde, nicht mit dem Stundenlohn.
  • Ein Gerät, das nicht benutzt wird, hat eine Amortisationszeit von unendlich – die Aufnahmezeit ist deshalb ein Wirtschaftlichkeitsfaktor.
01

Was sich belastbar rechnen lässt

Drei Posten halten jeder Prüfung stand. Erstens: entfallene Zwei-Mann-Hübe. Wo bisher zwei Personen gehoben haben, arbeitet künftig eine – das ist unmittelbar in Vollkosten je Stunde zu bewerten. Zweitens: Wartezeit auf den Kran. Wo ein Standgerät den Hallenkran ersetzt, entfällt die Wartezeit vollständig; bei zwanzig Wechseln je Schicht summiert sich das auf eine Stunde Maschinenstillstand pro Tag. Drittens: Ausschuss und Beschädigung durch unkontrolliertes Absetzen – gerade im Werkzeug- und Formenbau die größte Einzelposition.

02

Der Posten, den niemand misst

Die Leistung am Schichtende. In fast jedem Betrieb liegt die Stückzahl der letzten beiden Stunden spürbar unter der der ersten beiden. Dieser Abfall wird als gegeben hingenommen und taucht in keiner Auswertung auf, weil die Tagesleistung als Summe betrachtet wird. Wer die Last führt statt hebt, verliert diesen Abfall weitgehend. Die Messung dafür ist einfach: Stückzahl je Stunde über eine Woche, vor und nach der Einführung.

03

Warum die Krankenstandsrechnung schwach ist

Muskel-Skelett-Erkrankungen sind der häufigste Grund für Arbeitsunfähigkeit in Deutschland, und Handhabungstechnik wirkt hier unbestreitbar vorbeugend. Trotzdem ist dieser Posten als Begründung schwach: Der Rückenschaden entsteht über Jahre und lässt sich keiner einzelnen Maßnahme zurechnen. Führen Sie ihn auf – aber nicht als Hauptargument. Controlling akzeptiert Zahlen, die es nachrechnen kann.

04

Die Kostenseite ehrlich ansetzen

Zum Gerät kommen: Greifer, Verankerung oder Ballast, Energiezuführung, Montage, Inbetriebnahme, Unterweisung, die wiederkehrende Prüfung und ein Wartungsintervall. Der Greifer ist dabei häufig der größere Posten als erwartet, weil er bauteilspezifisch konstruiert wird. Wer diese Positionen von Anfang an aufführt, hat später keine Diskussion – und meist trotzdem eine überzeugende Rechnung.

05

Amortisation unendlich

Der teuerste Fall ist das Gerät, das nach sechs Wochen nicht mehr benutzt wird. Der Grund ist fast immer derselbe: Die Aufnahme dauert länger als das Heben von Hand. Deshalb ist die Aufnahmezeit keine Komfortfrage, sondern der entscheidende Wirtschaftlichkeitsfaktor. Prüfen Sie sie vor der Beschaffung – am eigenen Bauteil, am eigenen Platz, mit den eigenen Leuten.

Übersicht

Posten einer belastbaren Rechnung

Position Wirkung Belastbarkeit
Wegfall der zweiten Person Vollkosten je Stunde × Häufigkeit hoch
Entfallene Wartezeit auf den Kran Maschinenstillstand je Wechsel hoch
Weniger Beschädigung an Bauteil und Werkzeug Nacharbeit, Ausschuss hoch
Konstante Leistung über die Schicht Stückzahl je Stunde mittel bis hoch
Kürzere Rüstzeiten Maschinenverfügbarkeit mittel
Vermiedene Krankentage langfristig, schwer zuzuordnen gering
Häufige Fragen

Häufige Fragen zu Wirtschaftlichkeit

Wie lange dauert die Amortisation eines Manipulators?

Das hängt am Arbeitsplatz, nicht am Gerät. Wo ein Zwei-Mann-Hub entfällt oder ein Hallenkran ersetzt wird, sind kurze Amortisationszeiten realistisch. Wo nur die Ergonomie verbessert wird, dauert es länger – die Investition ist dann trotzdem richtig, aber anders zu begründen.

Welche Kosten fallen neben dem Gerät an?

Greifer, Verankerung oder Ballastplatte, Energiezuführung, Montage, Inbetriebnahme, Unterweisung sowie laufend die wiederkehrende Prüfung und Wartung. Der Greifer ist häufig der größere Posten, weil er bauteilspezifisch konstruiert wird.

Gibt es Fördermittel für Ergonomie-Investitionen?

Berufsgenossenschaften und einzelne Länder fördern Maßnahmen zur Verbesserung von Sicherheit und Ergonomie; die Programme ändern sich regelmäßig. Fragen Sie vor der Beschaffung bei Ihrer zuständigen Berufsgenossenschaft nach dem aktuellen Stand – eine nachträgliche Antragstellung ist in der Regel ausgeschlossen.

Über den Autor

Dr.-Ing. Philipp Schwittek

Geschäftsführung, Entracon Planungsgesellschaft mbH

Promovierter Ingenieur. Arbeitet an Anlagenbau, digitaler Konstruktion und Prozessautomatisierung – von der Simulation bis zur Inbetriebnahme.

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