Ratgeber

Eine Hebehilfe, die den Takt bremst, wird nicht benutzt

Es gibt eine Sorte Anlage, die man in Betrieben regelmäßig findet: fachlich richtig ausgelegt, sauber montiert, ordentlich dokumentiert – und in der Ecke abgestellt. Sie war zu langsam. Das ist kein Bedienfehler, sondern ein Auslegungsfehler.

Autor
Dr.-Ing. Philipp Schwittek
Lesezeit
7 Minuten
Aktualisiert
06. September 2026
Das Wichtigste in Kürze
  • Akzeptanz entscheidet über den Nutzen, nicht die Auslegung auf dem Papier.
  • Der Hub ist selten das Problem – Aufnehmen, Umgreifen und Zurückfahren sind es.
  • Ein Gerät muss ab etwa 20 kg schneller sein als die Handarbeit, nicht nur schonender.
  • Die Grundstellung gehört auf dem Weg, nicht daneben.
  • Gemessen wird am Platz, nicht im Prospekt.
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Warum Geräte in der Ecke landen

Kein Werker verweigert eine Hebehilfe aus Prinzip. Er verweigert sie, wenn sie ihn Zeit kostet, die er im Takt nicht hat. Bei einer Vorgabezeit von neunzig Sekunden je Teil sind zehn Sekunden zusätzliche Handhabung mehr als zehn Prozent – und die holt niemand woanders wieder herein. Das Gerät wird dann genau so lange benutzt, wie jemand zuschaut. Danach steht es.

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Wo die Zeit tatsächlich verloren geht

Fast nie im Hub. Ein Balancer hebt fünfzig Kilogramm um einen Meter in zwei Sekunden; das ist schneller als jede Handarbeit. Verloren wird die Zeit davor und danach: beim Ansetzen des Greifers, beim Umgreifen von Bedienhandgriff zu Bauteil, beim Warten auf den Aufbau des Vakuums, beim Zurückfahren in die Grundstellung. Diese vier Punkte sind die Stellschrauben – und alle vier lassen sich konstruktiv lösen.

  • Aufnahmezeit: formschlüssig greifen statt ausrichten und klemmen
  • Umgreifen: Bedienelement am Greifer statt am Gerät
  • Vakuumaufbau: Speicher und größere Leitungsquerschnitte
  • Rückweg: Grundstellung im Weg des nächsten Griffs, nicht daneben
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Die Zwanzig-Kilogramm-Grenze

Unterhalb von etwa zwanzig Kilogramm ist Handarbeit schnell – jedes Gerät ist der Umweg, und Akzeptanz entsteht nur über die Belastung, nicht über die Zeit. Zwischen zwanzig und vierzig Kilogramm ist ein gutes Gerät bereits gleich schnell oder schneller als zwei Hände. Darüber gewinnt es deutlich, weil Handarbeit zu zweit stattfindet oder mit Absetzen und Nachfassen. Diese Grenze zu kennen hilft bei der Frage, wie man ein Projekt begründet.

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Was wir am Arbeitsplatz messen

Vor jeder Auslegung nehmen wir eine Zeit auf – nicht den Hub, sondern den ganzen Vorgang vom Loslassen des vorigen Teils bis zum Loslassen des nächsten. Diese Zahl ist die einzige, gegen die sich ein Entwurf prüfen lässt. Sie zeigt regelmäßig, dass die Hälfte der Zeit für etwas draufgeht, das im Gespräch nie erwähnt wurde: das Suchen der Aufnahme, das Drehen des Teils, der Weg um eine Palette herum.

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Die Bedienung ist Teil der Auslegung

Ein Bedienelement, das man mit der Hand am Bauteil erreicht, spart je Vorgang zwei bis drei Sekunden gegenüber einem, für das umgegriffen werden muss. Bei zweihundert Vorgängen sind das zehn Minuten je Schicht. Deshalb gehört die Frage, wo die Hände des Bedieners in jeder Phase sind, in die Konstruktion – nicht in die Betriebsanleitung.

Übersicht

Wo Sekunden entstehen

Phase Typisch von Hand Mit gutem Gerät
Aufnehmen 2 s 2 bis 4 s
Heben und Führen 4 bis 8 s 3 bis 5 s
Ausrichten und Absetzen 5 bis 15 s 2 bis 4 s
Lösen und Rückweg 1 s 2 bis 3 s
Ab 40 kg: zweite Person immer nicht nötig
Häufige Fragen

Häufige Fragen zu Takt und Ergonomie

Unsere Werker wollen kein Gerät – was tun?

Zuhören, dann messen. In den allermeisten Fällen steckt hinter der Ablehnung eine konkrete Erfahrung: ein früheres Gerät war langsam, im Weg oder unzuverlässig. Wer die Zeitaufnahme gemeinsam mit den Werkern macht und die vier Zeitfresser konstruktiv löst, bekommt die Akzeptanz meist von selbst.

Kann eine Hebehilfe wirklich schneller sein als Handarbeit?

Ab etwa zwanzig Kilogramm ja, und ab vierzig deutlich. Der Grund ist nicht die Hubgeschwindigkeit, sondern dass Ausrichten und Absetzen mit einem geführten Gerät genauer und ohne Nachfassen gelingen – und dass keine zweite Person geholt werden muss.

Wie lange dauert eine Zeitaufnahme am Platz?

Für einen Arbeitsplatz einen halben Tag. Wir nehmen zwanzig bis dreißig Vorgänge auf, um Streuung und Ausreißer zu sehen, und sprechen mit den Werkern über die Stellen, an denen es hakt. Das Ergebnis ist die Grundlage für Auslegung und Wirtschaftlichkeitsrechnung gleichermaßen.

Was, wenn der Takt eine Hebehilfe nicht hergibt?

Dann sagen wir das. Es gibt Arbeitsplätze, an denen die Zeit für handgeführte Technik nicht reicht – dort ist die ehrliche Antwort eine Automatisierung oder eine Änderung des Ablaufs, nicht ein Gerät, das nachher stillsteht.

Über den Autor

Dr.-Ing. Philipp Schwittek

Geschäftsführung, Entracon Planungsgesellschaft mbH

Promovierter Ingenieur mit den Schwerpunkten Anlagenbau, digitale Konstruktion und Prozessautomatisierung – von der Simulation bis zur Inbetriebnahme.

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