Anwendungsfall

Sechshundert Säcke à 25 Kilogramm in der Schicht – von Hand auf die Palette

Ein Sack Zement wiegt 25 Kilogramm, ein Sack Mischfutter 40. Einzeln ist das nichts Besonderes. Sechshundertmal in der Schicht sind es fünfzehn Tonnen – bewegt von zwei Menschen, in gebückter Haltung, aus einer Höhe, die niemand ausgesucht hat.

Bauteil
Ventil- oder Formsack
Gewicht
15 bis 50 kg
Takt
6 bis 12 Säcke je Minute
Häufigkeit
400 bis 900 je Schicht
Bewegung
aufnehmen, drehen, im Verband ablegen
Umgebung
staubig, Palettenhöhe bis 1,80 m
01 — Die Aufgabe

Fünfzehn Tonnen am Tag, Sack für Sack, mit dem Rücken.

Der Sack verlässt die Waage auf einem kurzen Band, muss aufgenommen, gedreht und im Verband auf die Palette gelegt werden – Lage für Lage, jede zweite um 90 Grad versetzt. Die unterste Lage liegt auf Kniehöhe, die oberste über Schulterhöhe: Beides ist nach der Leitmerkmalmethode kritisch, und dazwischen liegen 14 Lagen. Der Sack selbst ist der eigentliche Gegner. Er hat keine feste Form, verlagert beim Anheben seinen Inhalt und rutscht aus jedem Griff, der ihn nur an einer Stelle fasst. Ein starrer Formgreifer greift ins Leere, ein Vakuumsauger findet auf gewebtem Polypropylen keine dichte Fläche.

02 — Die Lösung

Wie wir das lösen

Der Greifer entscheidet, nicht das Gerät

Für den weichen Sack gibt es zwei Wege, die im Betrieb halten. Ein Klemmgreifer fasst den Sack über die ganze Breite zwischen zwei Backen und presst ihn leicht zusammen – der Inhalt kann sich verlagern, ohne dass der Griff nachlässt. Ein Nadelgreifer sticht mit feinen Nadeln in das Gewebe und trägt daran; er ist der schnellere, hinterlässt aber Einstiche und scheidet dort aus, wo der Sack dicht bleiben muss. Für Papierventilsäcke ist der Klemmgreifer die sichere Wahl, für PP-Gewebesäcke ist beides üblich. Diese Entscheidung fällt vor der Gerätewahl, nicht danach.

Ein Seilgerät genügt – wenn der Verband stimmt

Anders als beim Fügen wirken hier keine nennenswerten Querkräfte: Der Sack wird gelegt, nicht gedrückt. Damit ist ein Knickarm-Seilgerät oder ein Balancer am Schienensystem die wirtschaftlichere Lösung – er trägt die Last schwebend und folgt der Hand ohne Widerstand. Wichtig ist die Fläche, nicht die Reichweite: Absackplatz, zwei Palettenplätze und der Wechsel dazwischen ergeben ein Rechteck von etwa vier mal drei Metern. Ein Flächenschienensystem deckt das vollständig ab, ein Säulengerät nur einen Kreis darin.

Die Griffhöhe ist die eigentliche Belastung

In der Beurteilung nach Leitmerkmalmethode zählt nicht allein das Gewicht, sondern die Haltung. Die unterste Palettenlage aus dem Stand zu bedienen bedeutet Rumpfbeuge über 60 Grad, die oberste bedeutet Arbeit über Schulterhöhe. Beides fällt weg, sobald das Gerät den Hub übernimmt und der Werker nur noch führt. Wo sich zusätzlich ein Palettenwechsler mit absenkbarem Tisch einplanen lässt, sinkt die Belastung ein zweites Mal – dann bleibt die Arbeitshöhe über alle vierzehn Lagen gleich.

03 — Was sich ändert

Am Arbeitsplatz danach

  • Aus 25 Kilogramm Hublast werden wenige Newton Führungskraft.
  • Die Palette wird von einer Person gestapelt statt von zweien.
  • Rumpfbeuge und Überkopfarbeit entfallen – die Beurteilung verbessert sich in Kraft und Haltung.
  • Der Verband bleibt gleichmäßig, weil die Ablage nicht mehr aus dem Schwung erfolgt.
  • Der Sackwechsel auf ein anderes Format kostet eine Backeneinstellung, keine Umrüstung.
Häufige Fragen

Häufige Fragen

Klemmgreifer oder Nadelgreifer für Säcke?

Der Klemmgreifer hält über die Fläche und beschädigt nichts – er ist für Papierventilsäcke und für alles gesetzt, was dicht bleiben muss. Der Nadelgreifer ist schneller und verzeiht mehr Toleranz beim Anfahren, hinterlässt aber Einstiche im Gewebe. In Futtermittel- und Baustoffbetrieben sind beide üblich; in der Lebensmittelabfüllung fast immer der Klemmgreifer.

Lohnt sich das gegenüber einem Palettierroboter?

Ab etwa 1.200 Säcken je Schicht und einem stabilen Format ist der Roboter überlegen. Darunter – und überall dort, wo täglich Formate, Palettenmaße oder Verbandsbilder wechseln – ist das handgeführte Gerät wirtschaftlicher: keine Umhausung, keine Programmierung, Inbetriebnahme in Tagen statt Monaten.

Funktioniert das auch im Staub der Absackanlage?

Ja, mit den richtigen Ausführungen. Wir setzen gekapselte Führungen, Faltenbälge an den Zylindern und eine Pneumatiksteuerung ohne offene Elektronik im Staubbereich ein. Die Wartung beschränkt sich dann auf Sichtprüfung und den jährlichen UVV-Termin.

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