Anwendungsfall

Ein Aggregat unter dem Wagenkasten ansetzen, über Kopf und auf achtzig Zentimetern

Unter einem Wagenkasten ist alles ungünstig: die Höhe, die Haltung, die Sicht und das Gewicht. Es ist der Bereich im Fahrzeugbau, in dem die Gefährdungsbeurteilung am regelmäßigsten in den roten Bereich läuft.

Bauteil
Kompressor, Umrichter, Batteriekasten
Gewicht
80 bis 300 kg
Arbeitshöhe
600 bis 1.000 mm unter dem Fahrzeug
Arbeitsbereich
bis 24 m Fahrzeuglänge
Bewegung
anheben, ausrichten, in Endlage halten
Umgebung
Fahrzeugmontage, Grube oder Bühne
01 — Die Aufgabe

Über Kopf, auf achtzig Zentimetern, mit zweihundert Kilogramm.

Aggregat von der Bereitstellung holen, unter das Fahrzeug fahren, anheben, an die Aufnahmepunkte führen und verschrauben. Der verfügbare Raum liegt zwischen sechzig und hundert Zentimetern, gearbeitet wird über Kopf. Von Hand oder mit einem Rangierheber wird das Aggregat angehoben und dann von zwei Personen ausgerichtet, während eine dritte die Schrauben ansetzt – in einer Haltung, in der niemand Kraft hat.

02 — Die Lösung

Wie wir das lösen

Eine Längsbahn statt einzelner Geräte

Ein Wagenkasten ist zwanzig bis dreißig Meter lang. Jeder Schwenkarm bedient davon einen Bruchteil, und mehrere lassen zwischen sich Zonen offen. Deshalb ist die Längsbahn über der ganzen Fahrzeuglänge die richtige Bauform: ein Schienensystem, an dem ein oder mehrere Geräte fahren und das den Unterflur- ebenso wie den Dachbereich erreicht, wenn Hubweg und Bauhöhe entsprechend ausgelegt sind.

Flach bauen, weit heben

Unter dem Fahrzeug ist wenig Platz, über dem Fahrzeug oft auch. Diese Kombination löst eine flachbauende Hubachse: geringe Bauhöhe über der Last, großer Hubweg, und damit ein Gerät, das das Aggregat vom Boden aufnimmt und bis unter den Wagenkasten führt. Ein Kettenzug mit Haken bräuchte an beiden Enden mehr Platz, als vorhanden ist.

In Endlage halten, dann verschrauben

Der entscheidende Unterschied liegt nicht im Heben, sondern im Halten. Das Aggregat muss in Endlage stehen bleiben, während vier Schrauben gesetzt werden – und zwar so, dass beide Hände des Werkers frei sind. Ein Gerät mit Feinverstellung und Selbsthemmung leistet das; eine Drehmomentstütze am selben Aufbau nimmt zusätzlich den Rückschlag auf, der über Kopf besonders unangenehm ist.

03 — Was sich ändert

Am Arbeitsplatz danach

  • Aus einer Drei-Personen-Aufgabe wird eine für eine Person.
  • Das Aggregat steht ruhig in Endlage, während geschraubt wird.
  • Über-Kopf-Arbeit ohne Last an den Armen.
  • Ein System bedient die ganze Fahrzeuglänge.
  • Der Schraubrückschlag geht in die Stütze, nicht in die Schulter.
Häufige Fragen

Häufige Fragen

Können mehrere Geräte an einer Bahn arbeiten?

Ja, das ist im Fahrzeugbau der Normalfall. Nötig sind Endanschläge, Pufferabstände und eine Aufteilung der Arbeitsbereiche. Bei getakteter Fertigung legen wir feste Bereiche fest, bei Einzelfertigung überlappende mit mechanischer Begrenzung.

Wie viel Platz braucht das unter dem Fahrzeug?

Mit einer flachbauenden Hubachse genügen etwa 250 bis 350 Millimeter über der höchsten Position des Aggregats. Wo auch das nicht reicht, arbeiten wir mit einem bodengeführten Gerät, das von der Seite einfährt.

Lohnt sich das in der Einzelfertigung?

Häufig ja. In der Einzelfertigung sind die Bauteile größer und die Haltungen ungünstiger als in der Serie, und es wird regelmäßig zu dritt gearbeitet. Gerechnet wird über Ausrichtzeit und Personenbindung – beides fällt hier stärker ins Gewicht als der Takt.

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