Fachlexikon

Sekundärspannung

Sekundärspannungen entstehen durch aufgezwungene Verformungen, beispielsweise infolge thermischer Ausdehnung. Sie sind häufig selbstbegrenzend, können aber ermüdungsrelevant sein.

Auch
Sekundärbeanspruchung · Zwangsspannung · Secondary Stress
Wird auch genannt
  • Sekundärbeanspruchung
  • Zwangsspannung
  • Secondary Stress
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Spannung aus Zwang, nicht aus Last

Eine Sekundärspannung entsteht, wenn ein Bauteil sich verformen will und daran gehindert wird. Die warme Rohrleitung will länger werden; Festpunkte, Apparatestutzen und ihre eigene Geometrie lassen das nur teilweise zu. Es gibt keine äußere Last, die im Gleichgewicht gehalten werden müsste – es gibt nur eine Verformung, die untergebracht werden muss.

Das erklärt ihre wichtigste Eigenschaft. Fließt der Werkstoff an der höchstbeanspruchten Stelle ein wenig, ist die Verformung untergebracht, und die Spannung steigt nicht weiter. Die Sekundärspannung begrenzt sich selbst.

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Woher Sekundärspannungen kommen

Wärmedehnung ist die häufigste, aber nicht die einzige Quelle.

  • Wärmedehnung der Leitung zwischen Festpunkten und Anschlüssen.
  • Bewegung von Apparatestutzen, wenn Behälter und Kolonnen selbst warm werden.
  • Setzungen von Fundamenten und Bewegungen des Bauwerks.
  • Temperaturunterschiede im Bauteil, etwa bei Schichtung oder schnellem Aufheizen.
  • Unterschiedliche Ausdehnung verschiedener Werkstoffe an einer Verbindung.
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Die Versagensform: Ermüdung

Ein einmaliges Aufheizen bringt eine richtig ausgelegte Leitung nicht zum Versagen. Schädlich ist die Wiederholung: Jedes An- und Abfahren ist ein Lastwechsel, und über die Lebensdauer entstehen an Bögen, Abzweigen und Schweißnähten Ermüdungsanrisse. Die Regelwerke begrenzen deshalb die Schwingbreite der Spannung und senken den zulässigen Wert mit der Zahl der Lastwechsel.

Die Selbstbegrenzung hat eine Grenze. Trifft ein steifes, großes System auf einen kurzen, schwachen Abschnitt, konzentriert sich die gesamte Verformung dort. Der Abschnitt wird weit über das Maß hinaus gedehnt, das die elastische Rechnung zeigt. Solche unausgewogenen Systeme verlangen besondere Aufmerksamkeit.

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Was Sekundärspannungen senkt – und was nicht

Gegen Zwang hilft Nachgiebigkeit: längere Schenkel quer zur Dehnrichtung, Dehnungsbögen, Kompensatoren und Festpunkte an der richtigen Stelle.

Eine größere Wanddicke hilft nicht. Sie macht das Rohr steifer; dieselbe aufgezwungene Verformung erzeugt dann größere Kräfte an Festpunkten und Stutzen, während die Biegespannung im Rohr praktisch gleich bleibt. Auch zusätzliche starre Halterungen können Sekundärspannungen erhöhen, wenn sie eine Bewegung sperren, die vorher frei war.

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Abgrenzung zur Spitzenspannung

Neben primären und sekundären Spannungen kennen die Regelwerke Spannungsspitzen: den höchsten örtlichen Wert an einer Kerbe, einem Nahtübergang oder einer schroffen Querschnittsänderung. Sie verformen das Bauteil nicht merklich und sind nur für die Ermüdung von Bedeutung. In der Rohrstatik werden sie nicht einzeln berechnet, sondern über die Spannungserhöhungsfaktoren der Bauteile erfasst.

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Übersicht

Primär, sekundär, Spitze – die drei Spannungsarten

Merkmal Primärspannung Sekundärspannung Spitzenspannung
Ursache Äußere Last: Druck, Gewicht Behinderte Verformung Örtliche Kerbe oder Unstetigkeit
Selbstbegrenzend Nein Ja Ja
Versagensform Plastisches Versagen Ermüdung, fortschreitende Verformung Ermüdungsanriss
Bewertung Gegen die zulässige Spannung Über die Schwingbreite In der Ermüdungsbewertung
Häufige Fragen

Häufige Fragen zu Sekundärspannung

Sind Sekundärspannungen ungefährlich, weil sie sich selbst begrenzen?

Nein. Sie führen nicht beim ersten Lastwechsel zum Versagen, wohl aber über viele Lastwechsel zu Ermüdungsrissen. Außerdem erzeugt derselbe Zwang Kräfte an Festpunkten und Stutzen, die dort als äußere Last wirken.

Hilft eine größere Wanddicke gegen Wärmespannungen?

Nein. Das Rohr wird steifer, die Kräfte auf Halterungen und Anschlüsse steigen, und die Spannung aus der aufgezwungenen Verformung sinkt praktisch nicht. Wirksam ist mehr Elastizität in der Leitungsführung.

Erzeugt ein Kompensator Sekundär- oder Primärspannungen?

Beides. Die Verstellkraft aus der Federsteifigkeit des Balgs ist eine Zwangskraft. Die Druckkraft eines unverspannten Kompensators dagegen ist eine äußere Last, die im Gleichgewicht gehalten werden muss – sie wirkt wie eine Primärlast.

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