Fachlexikon

Druckstoß

Ein Druckstoß ist eine kurzfristige Druckänderung infolge schneller Änderungen der Strömungsverhältnisse, beispielsweise beim Schalten von Armaturen oder Pumpen.

Auch
Druckschlag · Pressure Surge · Hydraulic Transient
Wird auch genannt
  • Druckschlag
  • Pressure Surge
  • Hydraulic Transient
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Wie ein Druckstoß entsteht

Strömendes Medium hat Bewegungsenergie. Wird es plötzlich abgebremst oder beschleunigt – durch eine schließende Armatur, eine ausfallende Pumpe, eine zuschlagende Rückschlagklappe –, wandelt sich diese Energie in Druck um. Die Druckänderung läuft als Welle mit Schallgeschwindigkeit durch die Leitung und wird an Behältern, Abzweigen und geschlossenen Enden reflektiert.

Druckstoß ist der Oberbegriff für solche Vorgänge. In Flüssigkeitsleitungen spricht man auch vom Wasserschlag; in Dampfleitungen können Kondensatpfropfen ähnlich heftige Schläge auslösen.

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Die Joukowsky-Gleichung

Die Höhe des Druckstoßes bei schlagartiger Geschwindigkeitsänderung beschreibt die Joukowsky-Gleichung: Δp = ρ · a · Δv. Darin ist ρ die Dichte des Mediums, a die Wellenausbreitungsgeschwindigkeit in der Leitung und Δv die Änderung der Strömungsgeschwindigkeit.

Ein Beispiel: Wasser mit 1000 kg/m³, eine Wellengeschwindigkeit von 1000 m/s und eine Geschwindigkeitsänderung von 2 m/s ergeben 2.000.000 Pa – also 20 bar zusätzlich zum Betriebsdruck. Die Wellengeschwindigkeit hängt von Medium, Rohrwerkstoff und Wanddicke ab; in Stahlleitungen mit Wasser liegt sie in der Größenordnung von 1000 m/s, in Kunststoffleitungen deutlich darunter.

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Die Reflexionszeit entscheidet

Ob der volle Joukowsky-Stoß auftritt, hängt von der Schließzeit ab. Die Druckwelle läuft von der Armatur zum nächsten Reflexionspunkt und zurück; dafür braucht sie die Reflexionszeit 2 · L / a, mit L als Leitungslänge. Schließt die Armatur schneller, entsteht der volle Stoß. Schließt sie deutlich langsamer, entlastet die zurückkehrende Welle bereits, während noch geschlossen wird.

Lange Leitungen sind deshalb empfindlicher als kurze: Eine Schließzeit, die auf zwanzig Metern harmlos ist, kann auf zwei Kilometern den vollen Stoß auslösen.

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Was der Druckstoß mit der Leitung macht

Die Druckspitze belastet die Rohrwand – das ist der offensichtliche Teil. Der gefährlichere ist oft die Kraft auf die Leitung selbst: Solange die Welle einen geraden Abschnitt zwischen zwei Bögen durchläuft, herrscht an beiden Enden unterschiedlicher Druck. Die Differenz wirkt als unausgeglichene Kraft in Rohrachse, verschiebt die Leitung und belastet Halterungen und Festpunkte.

Nachgewiesen wird das in zwei Schritten: Eine strömungstechnische Berechnung liefert den Druckverlauf über die Zeit, eine dynamische Strukturberechnung daraus Spannungen und Halterungslasten.

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Druckstöße begrenzen

Die wirksamste Maßnahme setzt an der Ursache an, nicht an den Folgen.

  • Stellzeiten von Armaturen verlängern oder mehrstufig schließen.
  • Pumpen geregelt an- und abfahren; Schwungmassen verlängern den Auslauf.
  • Rückschlagarmaturen wählen, die schließen, bevor die Rückströmung einsetzt.
  • Windkessel oder Druckstoßbehälter nahe an der Quelle anordnen.
  • Belüftungsventile gegen Unterdruck und Abreißen der Flüssigkeitssäule vorsehen.

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Übersicht

Ursachen von Druckstößen und Gegenmaßnahmen

Ursache Was passiert Gegenmaßnahme
Schnell schließende Armatur Strömung wird abrupt gestoppt Längere oder gestufte Schließzeit
Pumpenausfall Förderstrom bricht zusammen, Unterdruck hinter der Pumpe Schwungmasse, Windkessel, Belüftung
Rückschlagklappe schlägt zu Rückströmung wird schlagartig gestoppt Schnell schließende Bauart, Dämpfung
Anfahren gegen leere Leitung Flüssigkeitsfront trifft auf Hindernis Langsam füllen, entlüften
Kondensat in Dampfleitung Pfropfen wird mitgerissen oder Dampfblase kollabiert Entwässern, langsam anwärmen
Häufige Fragen

Häufige Fragen zu Druckstoß

Ab welcher Schließzeit ist eine Armatur unkritisch?

Eine feste Zahl gibt es nicht. Die Schließzeit muss deutlich über der Reflexionszeit 2 · L / a liegen; wie deutlich, hängt von der Kennlinie der Armatur ab, weil viele Armaturen den Durchfluss erst auf dem letzten Teil des Hubs wirklich drosseln.

Deckt der Auslegungsdruck einen Druckstoß ab?

Nur, wenn er bei der Festlegung berücksichtigt wurde. Die Regelwerke lassen für kurzzeitige Überschreitungen begrenzte Spielräume zu; die Kräfte auf Halterungen deckt der Auslegungsdruck in keinem Fall ab.

Können Druckstöße auch in Gasleitungen auftreten?

Ja, aber wegen der geringen Dichte fallen die Druckänderungen viel kleiner aus. Kritisch sind dort eher die Reaktionskräfte beim Ansprechen von Sicherheitsventilen und mitgerissene Flüssigkeitspfropfen.

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