Fachlexikon

Auslegungslastfall

Ein Auslegungslastfall beschreibt eine für die Bemessung maßgebende Kombination aus Druck, Temperatur und weiteren Einwirkungen.

Auch
Auslegungsfall · Design Case · Design Load Case
Wird auch genannt
  • Auslegungsfall
  • Design Case
  • Design Load Case
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Was der Auslegungslastfall festlegt

Der Auslegungslastfall ist die Kombination aus Druck, Temperatur und weiteren Einwirkungen, nach der eine Rohrleitung bemessen wird. Aus ihm folgen die Wanddicke, die Druckstufe der Flansche und Armaturen und die Werkstoffwahl. Er beschreibt nicht den Normalbetrieb, sondern die ungünstigste Bedingung, die das System dauerhaft ertragen muss.

Druck und Temperatur gehören dabei zusammen: Maßgebend ist die Kombination gleichzeitig auftretender Werte, die die größte Wanddicke oder die höchste Druckstufe verlangt.

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Mehrere Zustände, ein maßgebender

Eine Anlage kennt selten nur einen Zustand. Anfahren, Abfahren, Reinigen, Ausdampfen oder ein Störfall können andere Wertepaare liefern als der Normalbetrieb. Jedes Paar wird geprüft; maßgebend ist das strengste.

Wichtig ist das Wort „gleichzeitig“. Der höchste Druck und die höchste Temperatur einer Leitung treten nicht zwingend zusammen auf. Wer beide Höchstwerte zu einem Fall verbindet, der im Betrieb nie vorkommt, legt auf einen Zustand aus, den es nicht gibt.

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Wo der Auslegungslastfall verwendet wird

In der Wanddickenberechnung liefert er Berechnungsdruck und Berechnungstemperatur. In der Rohrklasse bestimmt er die Druck-Temperatur-Zuordnung der Flansche. In der Rohrstatik ist er einer von mehreren Lastfällen: Die Dauerlasten werden mit dem Auslegungsdruck nachgewiesen, die Wärmedehnung dagegen mit den Temperaturen der Betriebslastfälle – oder, wenn die Projektvorgabe es verlangt, ebenfalls mit der Auslegungstemperatur.

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Warum „sicherheitshalber höher“ nicht sicherer ist

Zuschläge auf Auslegungsdruck und Auslegungstemperatur wirken vorsichtig, haben aber Folgen. Mehr Druck bedeutet mehr Wanddicke, und ein dickwandiges Rohr ist steifer. Mehr Temperatur bedeutet mehr rechnerische Wärmedehnung. Beides zusammen erhöht die Kräfte auf Festpunkte, Halterungen und Anschlussstutzen.

Eine überzogene Auslegung verschiebt das Problem also vom Rohr zum Apparat. Die Werte sollten deshalb begründet sein – aus der Verfahrenstechnik, der Absicherung gegen Drucküberschreitung und den tatsächlich möglichen Betriebsweisen.

05

Typische Fehler

Die Fehler liegen fast immer in der Festlegung, nicht in der Rechnung.

  • Höchstdruck und Höchsttemperatur werden kombiniert, obwohl sie nie gleichzeitig auftreten.
  • Vakuum beim Abkühlen oder Entleeren wird nicht als eigener Fall betrachtet.
  • Ausdampfen und Reinigen fehlen, obwohl sie die höchste Temperatur liefern.
  • Tiefe Temperaturen werden übersehen, obwohl sie die Werkstoffwahl bestimmen.
  • Zuschläge mehrerer Beteiligter addieren sich unbemerkt.

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Übersicht

Lastfälle der Rohrleitungsauslegung im Vergleich

Lastfall Beschreibt Wird verwendet für
Auslegungslastfall Ungünstigste dauerhaft zu ertragende Bedingung Wanddicke, Druckstufe, Werkstoff, Nachweis der Dauerlasten
Betriebslastfall Einen tatsächlichen Betriebszustand Wärmedehnung, Halterungslasten, Anschlusskräfte
Prüflastfall Die Druckprüfung mit Prüfmedium Halterungen, Federhänger, Tragwerk
Gelegentliche Lasten Wind, Erdbeben, Druckstoß Nachweis mit erhöhter zulässiger Spannung
Häufige Fragen

Häufige Fragen zu Auslegungslastfall

Ist der Auslegungsdruck dasselbe wie der Betriebsdruck?

Nein. Der Betriebsdruck ist der Druck im normalen Betrieb. Der Auslegungsdruck liegt darüber und deckt die ungünstigste zu erwartende Bedingung ab; an ihm orientiert sich auch die Absicherung gegen Drucküberschreitung.

Wer legt den Auslegungslastfall fest?

Die Verfahrenstechnik gemeinsam mit dem Betreiber. Der Rohrleitungsplaner übernimmt die Werte in Rohrklasse, Wanddickenberechnung und Rohrstatik – und sollte nachfragen, wenn Wertepaare nicht plausibel zusammenpassen.

Kann eine Leitung mehrere Auslegungslastfälle haben?

Ja. Treten verschiedene Kombinationen von Druck und Temperatur auf, wird jede geprüft. Die Regelwerke verlangen, dass die Kombination maßgebend ist, die die größte Wanddicke oder die höchste Druckstufe erfordert.

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