Fachlexikon

Druckprüfung

Bei einer Druckprüfung wird das Rohrleitungssystem mit erhöhtem Prüfdruck beaufschlagt. Aufgrund des zusätzlichen Mediumgewichts kann daraus ein eigener statischer Lastfall entstehen.

Auch
Festigkeitsprüfung · Hydrotest · Pressure Test
Wird auch genannt
  • Festigkeitsprüfung
  • Hydrotest
  • Pressure Test
01

Wozu die Druckprüfung dient

Vor der ersten Inbetriebnahme wird eine Rohrleitung mit einem Druck oberhalb ihres höchsten Betriebsdrucks beaufschlagt. Die Prüfung zeigt, ob das fertig montierte System – Rohre, Schweißnähte, Flanschverbindungen – fest und dicht ist. Sie ersetzt keine Berechnung und keine Schweißnahtprüfung, sie schließt beide ab.

02

Wie hoch der Prüfdruck ist

Den Prüfdruck gibt das Regelwerk vor. Nach der Druckgeräterichtlinie und EN 13480-5 ist für die Wasserdruckprüfung der größere von zwei Werten maßgebend: das 1,25-Fache des höchstzulässigen Drucks, hochgerechnet mit dem Verhältnis der Werkstofffestigkeit bei Prüf- und Auslegungstemperatur, oder das 1,43-Fache des höchstzulässigen Drucks.

ASME B31.3 verlangt mindestens das 1,5-Fache des Auslegungsdrucks, ebenfalls korrigiert um das Verhältnis der zulässigen Spannungen. In beiden Fällen gilt: Kein Bauteil im Prüfabschnitt darf durch den Prüfdruck überlastet werden. Kompensatoren, Armaturen und Messgeräte haben eigene Grenzen und werden nötigenfalls ausgebaut oder abgeschiebert.

03

Wasser oder Gas

Geprüft wird in der Regel mit Wasser. Wasser ist praktisch nicht kompressibel; versagt ein Bauteil, fällt der Druck sofort ab. Ein Gas dagegen speichert unter Druck ein Vielfaches an Energie, die bei einem Versagen schlagartig frei wird. Eine Gasdruckprüfung kommt deshalb nur in Frage, wenn Wasser nicht zulässig oder nicht möglich ist – und nur mit besonderen Schutzmaßnahmen. ASME B31.3 setzt dafür das 1,1-Fache des Auslegungsdrucks an.

04

Die Druckprüfung als Lastfall der Rohrstatik

Für eine Gas- oder Dampfleitung ist die Wasserfüllung die schwerste Last ihres Lebens. Halterungen und Tragwerk müssen dieses Gewicht tragen, auch wenn es nur einmal auftritt. Die Rohrstatik führt die Druckprüfung deshalb als eigenen Lastfall: Leitung kalt, mit Wasser gefüllt, unter Prüfdruck.

Feder- und Konstanthänger bleiben dabei blockiert; sie sind für das Betriebsgewicht eingestellt, nicht für das Prüfgewicht. Bei unverspannten Kompensatoren steigt der Druckschub mit dem Prüfdruck – die Festpunkte müssen auch das aushalten.

05

Typische Fehler

Die meisten Schäden bei Druckprüfungen entstehen an den Rändern der Prüfung, nicht am Rohr.

  • Federhänger werden vor dem Füllen entblockt und überdehnt.
  • Halterungen einer Gasleitung sind nicht für das Wassergewicht bemessen.
  • Luftpolster bleiben in Hochpunkten, weil Entlüftungen fehlen.
  • Das Prüfwasser ist für austenitische Stähle zu chloridhaltig oder bleibt nach der Prüfung stehen.
  • Die Prüftemperatur liegt so niedrig, dass der Werkstoff spröde reagieren kann.

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Übersicht

Wasserdruckprüfung und Gasdruckprüfung im Vergleich

Merkmal Wasserdruckprüfung Gasdruckprüfung
Gespeicherte Energie Gering Hoch – besondere Schutzmaßnahmen nötig
Zusätzliches Gewicht Volle Wasserfüllung, eigener Lastfall Vernachlässigbar
Nacharbeit Entleeren und Trocknen Keine Trocknung
Regelfall Ja Nur wenn Wasser nicht zulässig oder nicht möglich ist
Häufige Fragen

Häufige Fragen zu Druckprüfung

Wie lange muss der Prüfdruck gehalten werden?

So lange, wie das Regelwerk mindestens verlangt und wie es dauert, alle Verbindungen zu besichtigen. Die Haltezeit richtet sich nach Regelwerk, Prüfanweisung und Größe des Systems.

Müssen Kompensatoren bei der Druckprüfung ausgebaut werden?

Nicht zwingend. Entscheidend ist, ob der Prüfdruck für den Kompensator zulässig ist und ob Festpunkte und Verspannung den erhöhten Druckschub tragen. Andernfalls wird er durch ein Passstück ersetzt oder zusätzlich gesichert.

Wird nach einer Reparatur erneut geprüft?

Nach Eingriffen in drucktragende Teile in der Regel ja. Umfang und Art der Prüfung legen Regelwerk und zuständige Prüfstelle fest; bei kleinen Eingriffen kann eine erweiterte zerstörungsfreie Prüfung an die Stelle der Druckprüfung treten.

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