Fachlexikon

Kippmoment

Das Produkt aus Last und Ausladung, das am Fußpunkt eines Säulengeräts in den Boden geleitet wird. Es entscheidet über Bauart, Säulenquerschnitt und Verankerung – und ist wichtiger als die reine Traglast: 60 kg auf 4 m sind anspruchsvoller als 120 kg auf 1,5 m.

Auch
Ausladung · Lastmoment · Biegemoment am Fußpunkt
Wird auch genannt
  • Ausladung
  • Lastmoment
  • Biegemoment am Fußpunkt
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Die Rechnung

Das Kippmoment ist die Gewichtskraft der Last mal ihrem waagerechten Abstand zur Drehachse: M = m · g · a. Darin ist m die Masse in Kilogramm, g die Fallbeschleunigung von 9,81 m/s² und a die Ausladung in Metern. Das Ergebnis steht in Newtonmetern.

60 kg auf 4 m Ausladung ergeben 60 · 9,81 · 4 = 2354 Nm. 120 kg auf 1,5 m ergeben 1766 Nm. Die leichtere Last belastet Säule und Boden also um ein Drittel stärker – weil sie weiter draußen hängt.

02

Was in die Summe gehört

Die Last ist nur ein Anteil. Jedes Bauteil, das neben der Drehachse hängt, liefert ein eigenes Moment: der Ausleger mit seinem Schwerpunkt etwa auf halber Länge, das Hubgerät an seiner Position, der Greifer ganz außen. Das Gesamtmoment ist die Summe aller Massen mal ihrer jeweiligen Abstände.

Hinzu kommen dynamische Anteile aus Anheben, Bremsen und Schwenken. Der Hersteller berücksichtigt sie in der Auslegung mit Beiwerten; in eine überschlägige Rechnung des Betreibers gehen sie nicht ein. Deshalb ist die Überschlagsrechnung ein Vergleichswert und kein Nachweis.

03

Wohin das Moment geht

Bei einem Säulengerät läuft das Moment durch den Ausleger in die Säule, von dort in die Fußplatte und über die Anker in den Boden. Jede Station muss es aufnehmen können. Bei wandmontierten Geräten wird das Moment zu einem Kräftepaar an den Konsolen: oben Zug aus der Wand, unten Druck.

Die schwächste Station ist oft nicht das Gerät, sondern der Untergrund. Welche Betongüte, Plattendicke und Randabstände nötig sind, ergibt sich aus der Zulassung der Anker und dem Fundamentplan des Herstellers. Reicht der Hallenboden nicht, bleiben ein eigenes Fundament, eine größere Fußplatte oder eine andere Bauart.

04

Abgrenzung: Kippmoment und Standsicherheit

Bei fest verankerten Geräten ist das Kippmoment eine Belastung für Struktur und Befestigung. Bei mobilen Geräten mit Fahrgestell oder Gegengewicht entscheidet es über das Umkippen: Das Standmoment aus Eigengewicht und Aufstandsfläche muss das Kippmoment mit Sicherheit übersteigen. Mobile Geräte haben deshalb meist eine kürzere Ausladung oder eine mit der Ausladung sinkende Traglast.

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Übersicht

Kippmoment aus der Last allein – ohne Ausleger und Greifer

Last Ausladung Moment
50 kg 2,0 m 981 Nm
80 kg 2,5 m 1962 Nm
120 kg 1,5 m 1766 Nm
60 kg 4,0 m 2354 Nm
100 kg 3,0 m 2943 Nm
150 kg 4,0 m 5886 Nm
Häufige Fragen

Häufige Fragen zu Kippmoment

Warum ist das Kippmoment wichtiger als die Traglast?

Weil es Last und Reichweite zusammenfasst. Zwei Geräte gleicher Traglast können sich im Moment um ein Mehrfaches unterscheiden – und damit in Säulenquerschnitt, Verankerung und Anforderungen an den Boden.

Kann ich das Kippmoment selbst ausrechnen?

Überschlägig ja: Masse mal 9,81 mal Ausladung, für Last und Greifer. Für die Auslegung von Verankerung und Fundament ist der Wert des Herstellers maßgeblich, der Eigengewicht und dynamische Zuschläge enthält.

Was tun, wenn der Hallenboden das Moment nicht aufnimmt?

Möglich sind ein eigenes Fundament, eine größere Fußplatte zur Lastverteilung, eine Befestigung an Wand oder Stütze oder ein Schienensystem unter der Decke, das die Last ohne Kippmoment am Boden abträgt.

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