Fachlexikon

Windlast

Windlasten wirken insbesondere auf oberirdisch verlegte Rohrleitungen und können zusätzliche Querkräfte, Momente und Halterungslasten verursachen.

Auch
Windbeanspruchung · Wind Load
Wird auch genannt
  • Windbeanspruchung
  • Wind Load
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Wo Wind eine Rolle spielt

Wind wirkt auf jede Leitung im Freien. Maßgebend wird er dort, wo viel Fläche auf wenig Gewicht trifft oder wo die Leitung hoch liegt: bei großen Durchmessern und dick isolierten Leitungen, bei Gas- und Fackelleitungen, auf Rohrbrücken und an Leitungen, die an Kolonnen und Türmen nach oben führen.

Die Windkraft wirkt quer zur Rohrachse und horizontal – in einer Richtung, in der viele Leitungen gar nicht gehalten sind. Ein Auflager, das nur das Gewicht trägt, setzt dem Wind nichts entgegen als Reibung.

02

Wie die Windkraft berechnet wird

Die Windkraft auf ein Rohr ist das Produkt aus drei Größen:

F = q · cf · A

Der Geschwindigkeitsdruck q ergibt sich aus der Windgeschwindigkeit zu ½ · ρ · v², mit der Luftdichte ρ von rund 1,25 kg/m³. Der Kraftbeiwert cf beschreibt den Einfluss der Form, und A ist die angeströmte Fläche: Außendurchmesser einschließlich Isolierung mal Länge. Für Rohrleitungen wird die Last meist je Meter angegeben, also q · cf · D.

Ein Beispiel: Eine Windgeschwindigkeit von 40 m/s ergibt q = ½ · 1,25 · 40² = 1000 N/m². Mit einem angenommenen Kraftbeiwert von 0,7 und einem Durchmesser von 0,4 m einschließlich Isolierung wirken 1000 · 0,7 · 0,4 = 280 N je Meter Rohr.

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Woher die Eingangswerte kommen

In Europa liefert EN 1991-1-4 mit dem jeweiligen nationalen Anhang den Geschwindigkeitsdruck – abhängig von der Windzone des Standorts, der Geländekategorie und der Höhe über Grund. Der deutsche nationale Anhang teilt das Land in vier Windzonen ein. ASME B31.3 verweist für Windlasten auf ASCE 7.

Der Kraftbeiwert eines Kreiszylinders hängt von der Reynolds-Zahl und der Rauheit der Oberfläche ab und ist deshalb keine feste Zahl. Liegen viele Rohre nebeneinander auf einer Rohrbrücke, schirmen sie einander teilweise ab. Projektvorgaben enthalten dafür in der Regel einen vereinfachten Ansatz.

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Ansatz in der Rohrstatik

Wind gehört zu den gelegentlichen Lasten. Er wird in eigenen Lastfällen für die maßgebenden horizontalen Richtungen aufgebracht, jeweils mit beiden Vorzeichen, und mit den ständigen Lasten überlagert. Verglichen wird mit dem erhöhten zulässigen Wert für gelegentliche Lasten. Mit Erdbeben wird Wind nach ASME B31.3 nicht gleichzeitig angesetzt.

Für die Spannungen im Rohr ist Wind selten maßgebend. Wichtiger sind die übrigen Ergebnisse: die Querkräfte auf Führungen und Stahlbau, die zusätzlichen Lasten auf Stutzen und die seitliche Verschiebung der Leitung.

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Typische Fehler

Die Windlast wird selten falsch gerechnet, aber oft unvollständig angesetzt.

  • Der Durchmesser ist ohne Isolierung angesetzt.
  • Wind ist nur aus einer Richtung gerechnet.
  • Die Leitung liegt nur auf – ohne Querführung verlässt man sich auf Reibung.
  • Vertikale Leitungen an Kolonnen sind ohne Führungen geplant.
  • Schlanke, frei stehende Leitungen sind nicht auf windangeregte Schwingungen geprüft.

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Übersicht

Eingangsgrößen der Windlast

Größe Bedeutung Quelle
Geschwindigkeitsdruck q Staudruck des Windes in der betrachteten Höhe Windlastnorm mit Windzone, Gelände und Höhe
Kraftbeiwert cf Einfluss der Form des Kreiszylinders Windlastnorm oder Projektvorgabe
Bezugsfläche A Außendurchmesser einschließlich Isolierung mal Länge Rohrleitungsdaten
Richtung Maßgebende horizontale Windrichtungen Aufstellung der Anlage
Häufige Fragen

Häufige Fragen zu Windlast

Muss Wind für jede Außenleitung gerechnet werden?

Er gehört zu den Lasten jeder Leitung im Freien. Maßgebend wird er vor allem bei großen Durchmessern, leichten Leitungen und großen Höhen. Für kleine Leitungen in einer Rohrbrücke genügt häufig ein pauschaler Ansatz nach Projektvorgabe.

Werden Wind und Erdbeben überlagert?

In der Regel nicht. ASME B31.3 verlangt nicht, beide als gleichzeitig wirkend anzusetzen. Nachgewiesen wird jede Last für sich; maßgebend ist die ungünstigere.

Welche Halterung nimmt die Windlast auf?

Führungslager und seitliche Anschläge leiten sie in den Stahlbau. Ein reines Auflager tut das nur über Reibung, auf die man sich nicht verlassen sollte. Die Querlasten gehen als Teil der Halterungslasten an den Tragwerksplaner.

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