Fachlexikon

Wasserschlag

Wasserschlag ist ein spezieller transienter Vorgang in Flüssigkeitssystemen, bei dem schnelle Änderungen der Strömungsgeschwindigkeit starke Druckwellen verursachen können.

Auch
Water Hammer · Hydraulic Shock
Wird auch genannt
  • Water Hammer
  • Hydraulic Shock
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Was beim Wasserschlag passiert

Eine strömende Flüssigkeitssäule hat Schwung. Schließt eine Armatur schnell, wird die Flüssigkeit unmittelbar davor angehalten, während die Säule dahinter noch nachdrängt. Die Bewegungsenergie wird zu Druck. Die Druckerhöhung läuft als Welle mit Schallgeschwindigkeit gegen die Strömungsrichtung durch die Leitung, wird am nächsten Behälter zurückgeworfen und pendelt, bis die Reibung sie aufgezehrt hat.

Hinter der Armatur geschieht das Gegenteil: Die Flüssigkeit läuft weiter, der Druck fällt. Hörbar ist der Vorgang als Schlag – daher der Name.

02

Die Joukowsky-Gleichung

Die Höhe des Druckanstiegs bei plötzlicher Geschwindigkeitsänderung gibt die Joukowsky-Gleichung an:

Δp = ρ · a · Δv

Darin ist ρ die Dichte der Flüssigkeit, a die Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Druckwelle und Δv die Änderung der Strömungsgeschwindigkeit. Für Wasser in Stahlrohren liegt a in der Größenordnung von 1000 m/s und darüber; sie sinkt mit der Nachgiebigkeit der Rohrwand und ist in Kunststoffrohren deutlich kleiner.

Ein Beispiel: Wasser, a = 1200 m/s, Strömung von 2 m/s auf null gebremst. Der Druckanstieg beträgt 1000 · 1200 · 2 = 2,4 · 10⁶ Pa, also 24 bar – zusätzlich zum Betriebsdruck und unabhängig davon, wie hoch dieser ist.

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Die Reflexionszeit entscheidet

Der volle Joukowsky-Stoß entsteht, wenn die Armatur schneller schließt, als die Druckwelle zum Reflexionspunkt und zurück braucht. Diese Reflexionszeit beträgt 2 · L / a. Bei einer 600 m langen Leitung und a = 1200 m/s ist das eine Sekunde: Jede Armatur, die schneller schließt, wirkt wie eine schlagartig geschlossene.

Schließt sie langsamer, trifft die zurücklaufende Entlastungswelle ein, bevor der Vorgang abgeschlossen ist, und der Druckanstieg fällt kleiner aus. Dabei zählt nicht die Nennschließzeit: Viele Armaturen drosseln die Strömung erst auf dem letzten Teil ihres Stellwegs, die wirksame Schließzeit ist dann viel kürzer.

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Lasten auf die Rohrleitung

Der Druckanstieg ist nur die halbe Belastung. Während die Druckwelle einen geraden Abschnitt zwischen zwei Bögen durchläuft, herrscht an seinen beiden Enden kurzzeitig unterschiedlicher Druck. Die Differenz mal Strömungsquerschnitt ergibt eine Kraft in Rohrachsrichtung, die den Abschnitt verschieben will.

Diese Kräfte reißen Leitungen von ihren Auflagern und Halterungen aus dem Stahlbau. Sie werden über Festpunkte und axiale Anschläge aufgenommen und in einer dynamischen Berechnung ermittelt – oder vereinfacht als statische Ersatzlast mit einem Stoßfaktor, der für eine schlagartig aufgebrachte Last bis zu 2 beträgt.

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Gegenmaßnahmen

Schnell schließende Armaturen sind nicht die einzige Ursache. Fällt eine Pumpe aus, reißt hinter ihr die Flüssigkeitssäule ab; beim Wiederzusammentreffen entstehen hohe Druckspitzen. In Dampfleitungen erzeugt mitgerissenes Kondensat Schläge. Die Maßnahmen setzen an der jeweiligen Ursache an.

  • Armaturen langsamer oder in zwei Stufen schließen.
  • Pumpen über Frequenzumrichter herunterfahren oder mit Schwungmasse auslaufen lassen.
  • Windkessel mit Gaspolster nahe an der Ursache anordnen.
  • Rückschlagarmaturen wählen, die schließen, bevor die Rückströmung einsetzt.
  • Belüftungsventile gegen Unterdruck an Hochpunkten vorsehen.
  • Dampfleitungen entwässern und langsam anwärmen.

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Übersicht

Ursachen des Wasserschlags und ihre Abhilfe

Ursache Wo er auftritt Gegenmaßnahme
Schnelles Schließen einer Armatur Druckanstieg vor, Druckabfall hinter der Armatur Schließzeit verlängern, Schließverlauf anpassen
Ausfall einer Pumpe Druckleitung hinter der Pumpe, Hochpunkte Schwungmasse, Windkessel, Belüftung
Zuschlagende Rückschlagklappe Druckseite von Pumpen im Parallelbetrieb Schnell schließende Bauart
Kondensat in Dampfleitungen Tiefpunkte, Anfahren kalter Leitungen Entwässerung, langsames Anwärmen
Häufige Fragen

Häufige Fragen zu Wasserschlag

Wie hoch kann der Druck bei einem Wasserschlag werden?

Bei schlagartigem Anhalten gibt die Joukowsky-Gleichung den Anstieg an – bei Wasser in Stahlrohren in der Größenordnung von zehn bar und mehr je Meter pro Sekunde Geschwindigkeitsänderung. Reißt die Flüssigkeitssäule ab und schlägt wieder zusammen, können die Spitzen noch darüber liegen.

Sind Wasserschlag und Druckstoß dasselbe?

Druckstoß ist der allgemeine Begriff für schnelle Druckänderungen in Rohrleitungen. Wasserschlag bezeichnet den Fall in flüssigkeitsgefüllten Leitungen. Im Sprachgebrauch werden beide oft gleichgesetzt.

Reicht es, die Leitung für den höheren Druck auszulegen?

Nein. Der Druck ist nur die eine Hälfte. Die andere sind die Längskräfte auf die Leitungsabschnitte, die Halterungen und Stahlbau belasten. Beides muss betrachtet werden – und meist ist es günstiger, den Stoß an der Ursache zu vermeiden.

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