Fachlexikon

Stützweite

Die Stützweite beschreibt den Abstand zwischen zwei Rohrhalterungen. Sie beeinflusst Durchbiegung, Rohrspannungen und Halterungslasten.

Auch
Halterungsabstand · Support Spacing · Span Length
Wird auch genannt
  • Halterungsabstand
  • Support Spacing
  • Span Length
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Vier Kriterien begrenzen die Stützweite

Wie weit zwei Halterungen auseinander liegen dürfen, entscheidet nicht ein einzelner Grenzwert. Vier Kriterien wirken zusammen, und das strengste bestimmt den Abstand.

  • Biegespannung: Das Gewicht biegt das Rohr zwischen den Auflagern; die Spannung muss unter dem zulässigen Wert bleiben.
  • Durchbiegung: Der Durchhang darf Gefälle und Entleerung nicht aufheben – in einer Senke bleibt Medium stehen.
  • Eigenfrequenz: Je größer der Abstand, desto niedriger die Eigenfrequenz und desto anfälliger die Leitung für Schwingungen.
  • Halterungslast: Jede Halterung und der Stahlbau darunter tragen das Gewicht der halben Felder links und rechts.
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Die Rechnung dahinter

Das Rohr zwischen zwei Halterungen ist ein Balken unter gleichmäßiger Streckenlast w – dem Gewicht von Rohr, Medium und Isolierung je Meter. Das größte Biegemoment liegt je nach Einspannung zwischen w · L² / 8 für den frei aufliegenden Einfeldträger und w · L² / 12 für den beidseitig eingespannten. Für durchlaufende Rohre wird häufig der Zwischenwert w · L² / 10 verwendet.

Die Durchbiegung liegt entsprechend zwischen 5 · w · L⁴ / (384 · E · I) und w · L⁴ / (384 · E · I). Wichtiger als die Vorfaktoren sind die Exponenten: Das Moment wächst mit dem Quadrat der Stützweite, die Durchbiegung mit der vierten Potenz. Eine um 20 Prozent größere Stützweite verdoppelt den Durchhang.

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Richtwerttabellen und ihre Voraussetzungen

In der Praxis wird die Stützweite selten gerechnet, sondern einer Tabelle entnommen. ASME B31.1 enthält eine Tabelle empfohlener Stützweiten; Werknormen der Betreiber und die Unterlagen der Halterungshersteller führen eigene.

Jede dieser Tabellen beruht auf Annahmen: gerades, horizontales Rohr, eine bestimmte Wanddicke, eine bestimmte Füllung, ein zulässiger Durchhang, mäßige Temperatur, keine Einzellasten. Deshalb liefern verschiedene Tabellen für dieselbe Nennweite verschiedene Abstände. Wer eine Tabelle verwendet, übernimmt ihre Annahmen – und muss prüfen, ob sie auf die eigene Leitung zutreffen.

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Wo die Tabelle nicht gilt

Sechs Fälle kommen in fast jeder Anlage vor und sind in keiner Standardtabelle enthalten.

  • Einzellasten: Armaturen, Flanschpaare und Antriebe brauchen eine Halterung in unmittelbarer Nähe.
  • Richtungsänderungen: Vor und hinter Bögen wird der Abstand verkürzt.
  • Gasleitungen: Für die Druckprüfung mit Wasser zählt das Gewicht der Wasserfüllung.
  • Hohe Temperaturen: Elastizitätsmodul und zulässige Spannung des Werkstoffs sinken.
  • Kunststoffrohre: wesentlich kleinere, temperaturabhängige Stützweiten; kleine Nennweiten werden durchgehend unterstützt.
  • Vertikale Leitungen: Dort geht es nicht um Durchhang, sondern um Führung gegen Wind und Schwingung.
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Stützweite und Stahlbau

Die tatsächlichen Halterungsabstände folgen selten der Tabelle, sondern dem Raster des Stahlbaus. Auf einer Rohrbrücke gibt der Abstand der Querriegel die Stützweite vor. Große Nennweiten überbrücken ihn mühelos, kleine nicht – sie brauchen Zwischenauflager oder werden gebündelt geführt. Die Stützweite wird deshalb nicht für jede Leitung einzeln, sondern zusammen mit dem Tragwerk festgelegt.

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Übersicht

Einflüsse auf die zulässige Stützweite

Einfluss Wirkung Folge für die Stützweite
Größere Nennweite Höhere Biegesteifigkeit Größer
Schwereres Medium, dicke Isolierung Höhere Streckenlast Kleiner
Höhere Temperatur Geringerer Elastizitätsmodul, geringere zulässige Spannung Kleiner
Gefälleleitung, die entleeren muss Durchhang muss kleiner bleiben als das Gefälle Kleiner
Schwingungsanregung Eigenfrequenz muss hoch genug liegen Kleiner
Häufige Fragen

Häufige Fragen zu Stützweite

Gibt es eine Formel für die maximale Stützweite?

Es gibt die Balkenformeln für Biegemoment und Durchbiegung. Daraus folgt die Stützweite, sobald zulässige Spannung und zulässiger Durchhang festgelegt sind. Diese beiden Grenzwerte sind Vorgaben des Regelwerks oder des Projekts – deshalb gibt es nicht die eine richtige Stützweite.

Warum hängt eine Leitung trotz eingehaltener Stützweite durch?

Weil die Tabelle einen Durchhang zulässt, der sichtbar sein kann, oder weil sich die Annahmen geändert haben: eine nachträglich aufgebrachte Isolierung, eine zusätzliche Armatur oder ein Nachbarauflager, das im Betrieb abhebt und nicht mehr trägt.

Verbessert jede zusätzliche Halterung die Leitung?

Für das Gewicht ja, für die Wärmedehnung nicht unbedingt. Eine Halterung, die eine Bewegung sperrt, erhöht die Zwangskräfte. Zusätzliche Auflager müssen deshalb die Bewegung zulassen, die die Leitung im Betrieb ausführt.

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