Fachlexikon

Rohrspannungsberechnung

Bei der Rohrspannungsberechnung werden Spannungen, Verformungen, Kräfte und Momente eines Rohrleitungssystems unter verschiedenen Lastzuständen ermittelt und bewertet.

Auch
Rohrstatik · Rohrleitungsstatik · Pipe Stress Analysis · Piping Stress Analysis
Wird auch genannt
  • Rohrstatik
  • Rohrleitungsstatik
  • Pipe Stress Analysis
  • Piping Stress Analysis
01

Nicht eine Spannung, sondern mehrere Nachweise

Die Regelwerke für Rohrleitungen vergleichen nicht eine einzige Vergleichsspannung mit einem einzigen Grenzwert. Sie führen getrennte Nachweise für verschiedene Arten von Lasten, weil diese auf verschiedene Weise zum Versagen führen: Druck und Gewicht durch plastisches Versagen bei einmaliger Überlast, Wärmedehnung durch Ermüdung über viele Lastwechsel.

Die Rohrspannungsberechnung ist deshalb eine Reihe von Nachweisen, jeder mit eigener Lastkombination und eigenem zulässigen Wert. Eine Leitung ist erst nachgewiesen, wenn alle erfüllt sind.

02

Die Nachweise im Einzelnen

Ständige Lasten: Die Längsspannungen aus Innendruck und Gewicht werden mit der zulässigen Spannung bei Betriebstemperatur verglichen – in ASME B31.3 lautet der Nachweis SL ≤ Sh.

Gelegentliche Lasten: Zu den ständigen Lasten kommen Wind, Erdbeben oder die Kräfte eines abblasenden Sicherheitsventils. Weil sie nur kurz wirken, ist der Grenzwert erhöht; ASME B31.3 lässt das 1,33-Fache von Sh zu.

Wärmedehnung: Bewertet wird die Schwingbreite der Spannung zwischen den Temperaturzuständen. Der Grenzwert nach ASME B31.3 lautet SA = f · (1,25 · Sc + 0,25 · Sh), wobei Sc und Sh die zulässigen Spannungen im kalten und im warmen Zustand sind. Der Faktor f berücksichtigt die Zahl der Lastwechsel und beträgt bis 7000 Lastwechsel 1,0.

EN 13480-3 ist gleich aufgebaut – ständige Lasten, ständige und gelegentliche Lasten, Spannungsschwingbreite, dazu ein eigener Nachweis im Zeitstandbereich –, verwendet aber eigene Formelzeichen und Beiwerte.

03

Wie die Spannung berechnet wird

Das Balkenmodell liefert an jedem Knoten die Biege- und Torsionsmomente für jeden Lastfall. Die Biegespannung ergibt sich aus dem resultierenden Moment geteilt durch das Widerstandsmoment des Rohrquerschnitts. An Bögen, T-Stücken und Abzweigen wird das Moment mit dem Spannungserhöhungsfaktor des Bauteils multipliziert.

Hinzu kommt die Längsspannung aus dem Innendruck. Das Verhältnis von berechneter zu zulässiger Spannung ist die Ausnutzung; sie wird für jeden Knoten und jeden Nachweis ausgewiesen.

04

Warum bei Wärmedehnung die Schwingbreite zählt

Spannungen aus behinderter Wärmedehnung begrenzen sich selbst. Beim ersten Aufheizen kann der Werkstoff an hoch beanspruchten Stellen örtlich fließen; danach pendelt die Leitung elastisch zwischen ihrem kalten und ihrem warmen Zustand. Schädigend ist nicht die Höhe der Spannung in einem der beiden Zustände, sondern der Unterschied zwischen ihnen und die Zahl der Wiederholungen.

Daraus folgt zweierlei. Die Schwingbreite wird zwischen dem kältesten und dem heißesten Zustand gebildet, den die Leitung planmäßig erreicht – nicht nur zwischen Montage und Normalbetrieb. Und eine Vorspannung bei der Montage ändert die Schwingbreite nicht; sie verschiebt nur, in welchem Zustand die Kräfte auftreten.

05

Typische Fehler

Fehler in der Rohrspannungsberechnung entstehen selten in der Formel und fast immer in der Lastannahme.

  • Die Schwingbreite ist nur zwischen Montage- und Betriebstemperatur gebildet, obwohl die Leitung auch kälter oder heißer werden kann.
  • Spannungserhöhungsfaktoren fehlen an Abzweigen und Anschweißteilen.
  • Die Verschiebungen der Apparatestutzen sind nicht als Randbedingung aufgebracht.
  • Die Druckprüfung ist nicht als eigener Lastfall berechnet.
  • Nur ein Betriebsfall ist gerechnet, obwohl die Anlage mehrere Fahrweisen hat.

Was Entracon dazu anbietet, steht auf der passenden Seite.

Weiter zum Angebot
Übersicht

Die Spannungsnachweise nach ASME B31.3 im Überblick

Nachweis Lasten Grenzwert Versagensform
Ständige Lasten Innendruck, Gewicht Sh Plastisches Versagen
Gelegentliche Lasten Zusätzlich Wind, Erdbeben, Abblasekräfte 1,33 · Sh Plastisches Versagen unter kurzzeitiger Last
Wärmedehnung Temperaturänderung, Verschiebung der Anschlüsse SA = f · (1,25 · Sc + 0,25 · Sh) Ermüdung über viele Lastwechsel
Häufige Fragen

Häufige Fragen zu Rohrspannungsberechnung

Was bedeutet eine Ausnutzung von 100 Prozent?

Die berechnete Spannung erreicht genau den zulässigen Wert des Regelwerks. Der Nachweis ist damit erbracht, denn die Sicherheit steckt im zulässigen Wert. Eine so hohe Ausnutzung lässt allerdings keinen Spielraum für spätere Änderungen an der Leitung.

Warum darf die berechnete Spannung aus Wärmedehnung über der Streckgrenze liegen?

Weil sie rechnerisch elastisch ermittelt wird und sich in Wirklichkeit durch örtliches Fließen begrenzt. Der Grenzwert stellt sicher, dass die Leitung nach den ersten Lastwechseln elastisch arbeitet und die Ermüdungsfestigkeit für die vorgesehene Zahl von Lastwechseln ausreicht.

Welche Spannungen sind in der Rohrspannungsberechnung nicht enthalten?

Die Umfangsspannung aus Innendruck – sie ist über die Wanddickenberechnung abgedeckt – und die örtlichen Spannungen in der Rohrwand an Stutzen und Anschweißteilen, die eine lokale Spannungsanalyse erfordern.

Kontakt

Sprechen wir über Ihr Projekt.

Ein kurzes Gespräch klärt meist mehr als drei Angebote. Rufen Sie an oder schreiben Sie uns – Sie landen direkt bei einem Ingenieur.

Entracon erreichen

Wie dürfen wir helfen?

Der Chat ist gerade nicht besetzt. Wir sind morgen ab 08:00 Uhr wieder für Sie da. Fordern Sie gern einen Rückruf an – wir melden uns bei Ihnen.
E-Mail schreiben info@entracon.de
Oder direkt anrufen +49 234 5414010