Fachlexikon

Primärspannung

Primärspannungen entstehen infolge äußerer Kräfte und Momente sowie des Innendrucks. Eine übermäßige Primärbeanspruchung kann zu plastischem Versagen führen.

Auch
Primärbeanspruchung · Primary Stress
Wird auch genannt
  • Primärbeanspruchung
  • Primary Stress
01

Spannungen, die das Gleichgewicht halten

Eine Primärspannung ist nötig, um eine äußere Last im Gleichgewicht zu halten. Der Innendruck will das Rohr aufweiten, das Eigengewicht will es durchbiegen – die Wand muss beides tragen, und sie kann sich dieser Aufgabe nicht durch Nachgeben entziehen. Gibt der Werkstoff nach, bleibt die Last in voller Höhe bestehen.

Das unterscheidet sie von der Sekundärspannung, die aus einer behinderten Verformung entsteht und abnimmt, sobald der Werkstoff örtlich fließt. Eine Primärspannung ist nicht selbstbegrenzend: Übersteigt sie die Tragfähigkeit des Querschnitts, folgen große plastische Verformungen und im Grenzfall das Versagen – bei einmaliger Belastung, nicht erst nach vielen Lastwechseln.

02

Welche Lasten Primärspannungen erzeugen

In der Rohrstatik gehören dazu alle Lasten, die unabhängig von der Verformung der Leitung wirken.

  • Innendruck – in Umfangsrichtung und, über die Kraft auf die Rohrenden, in Längsrichtung.
  • Eigengewicht von Rohr, Medium, Isolierung und Armaturen.
  • Äußere Kräfte wie Wind, Schnee oder die Reaktionskraft eines abblasenden Sicherheitsventils.
  • Massenkräfte aus Erdbeben oder Druckstößen, soweit sie als äußere Last angesetzt werden.
03

Wie der Nachweis geführt wird

Die Regelwerke prüfen Primärspannungen in zwei Schritten. Der Innendruck allein bestimmt die Wanddicke. Danach werden die Längsspannungen aus ständig wirkenden Lasten – Druck und Gewicht – zusammengefasst und mit der zulässigen Spannung bei Betriebstemperatur verglichen. ASME B31.3 schreibt dafür SL ≤ Sh; EN 13480-3 führt den gleichen Nachweis mit der Auslegungsspannung.

Für selten wirkende Lasten wie Wind oder Erdbeben lassen die Regelwerke einen erhöhten Grenzwert zu, weil sie nur kurzzeitig auftreten – ASME B31.3 das 1,33-Fache der zulässigen Spannung. Der Grundsatz bleibt: Der Vergleichswert leitet sich aus der Festigkeit des Werkstoffs bei Temperatur ab, nicht aus einer Ermüdungsbetrachtung.

04

Was Primärspannungen senkt – und was nicht

Primärspannungen aus Gewicht sinken mit jedem zusätzlichen Auflager: Kürzere Stützweiten bedeuten kleinere Biegemomente. Gegen den Innendruck hilft nur Wanddicke oder ein festerer Werkstoff.

Mehr Elastizität in der Leitungsführung – das Mittel der Wahl gegen Wärmespannungen – hilft hier nicht, im Gegenteil: Ein langer, weicher Dehnungsbogen ohne Abstützung erhöht die Gewichtsspannungen. Dieser Gegensatz ist der Grund, warum eine Rohrleitung nicht nach einer einzigen Regel optimiert werden kann. Halterungen, die das Gewicht tragen, dürfen die Wärmedehnung nicht sperren.

05

Typische Fehler

Primärspannungen gelten als der einfache Teil der Rohrstatik. Die Fehler liegen in den Lastannahmen.

  • Eine Halterung trägt im warmen Zustand nicht mehr, weil die Leitung abhebt – die Gewichtsspannung steigt unbemerkt.
  • Die Wasserfüllung bei der Druckprüfung einer Gasleitung ist nicht als Lastfall angesetzt.
  • Das Gewicht von Armaturen und Antrieben ist geschätzt statt aus Datenblättern übernommen.
  • Die Isolierung fehlt in der Gewichtsbilanz.

Was Entracon dazu anbietet, steht auf der passenden Seite.

Weiter zum Angebot
Übersicht

Lasten, ihre Wirkung und die passende Gegenmaßnahme

Last Wirkung im Rohr Was die Spannung senkt
Innendruck Umfangs- und Längsspannung in der Wand Größere Wanddicke, festerer Werkstoff
Eigengewicht Biegung zwischen den Auflagern Kürzere Stützweiten, Abstützung schwerer Armaturen
Wind, Erdbeben Biegung quer zur Rohrachse Führungen und Querabstützungen
Reaktionskraft eines Sicherheitsventils Biegung am Abzweig, stoßartige Belastung Abstützung der Abblaseleitung nahe am Ventil
Häufige Fragen

Häufige Fragen zu Primärspannung

Warum sind Primärspannungen kritischer als Sekundärspannungen?

Weil sie nicht nachlassen, wenn der Werkstoff nachgibt. Die Last bleibt bestehen, die Verformung wächst weiter. Sekundärspannungen bauen sich durch örtliches Fließen ab und werden erst über viele Lastwechsel kritisch.

Ist die Spannung aus Innendruck immer eine Primärspannung?

Im ungestörten Rohr ja. An Übergängen – etwa an einem Stutzen – erzeugt der Druck zusätzlich örtliche Biegespannungen, die die Regelwerke teilweise als sekundär einstufen. Diese Unterscheidung spielt in der lokalen Spannungsanalyse eine Rolle.

Senkt ein Federhänger die Primärspannung?

Ja, wenn er an der richtigen Stelle Gewicht übernimmt. Er trägt auch dann, wenn sich die Leitung durch Wärmedehnung hebt oder senkt – ein starres Auflager würde in diesem Fall entlastet oder überlastet.

Kontakt

Sprechen wir über Ihr Projekt.

Ein kurzes Gespräch klärt meist mehr als drei Angebote. Rufen Sie an oder schreiben Sie uns – Sie landen direkt bei einem Ingenieur.

Entracon erreichen

Wie dürfen wir helfen?

Der Chat ist gerade nicht besetzt. Wir sind morgen ab 08:00 Uhr wieder für Sie da. Fordern Sie gern einen Rückruf an – wir melden uns bei Ihnen.
E-Mail schreiben info@entracon.de
Oder direkt anrufen +49 234 5414010