Fachlexikon

Leitmerkmalmethode

Verfahren der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin zur Beurteilung körperlicher Belastung. Aus Lastwert, Körperhaltung, Ausführungsbedingungen und Zeitwichtung entsteht eine Punktzahl mit vier Risikobereichen. Sie erklärt, warum acht Kilogramm über Kopf schwerer wiegen als zwanzig auf Hüfthöhe – und ist deshalb das übliche Werkzeug, mit dem der Bedarf an einer Hebehilfe belegt wird.

Auch
LMM · Key Indicator Method · Beurteilungsverfahren der BAuA
Wird auch genannt
  • LMM
  • Key Indicator Method
  • Beurteilungsverfahren der BAuA
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Was die Methode leistet

Die Leitmerkmalmethode ist ein Verfahren, mit dem sich körperliche Belastung am Arbeitsplatz in kurzer Zeit und ohne Messtechnik beurteilen lässt. Entwickelt hat sie die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Sie erfasst die wenigen Merkmale, die die Belastung im Wesentlichen bestimmen – die Leitmerkmale –, ordnet ihnen Punktwerte zu und verdichtet sie zu einer Zahl.

Sie ist für betriebliche Praktiker gedacht: Sicherheitsfachkräfte, Betriebsärzte, Planer. Die Formblätter stellt die Bundesanstalt kostenfrei bereit.

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Sechs Methoden für sechs Belastungsarten

Seit 2019 gibt es sechs aufeinander abgestimmte Leitmerkmalmethoden. Für Handhabungsaufgaben sind vor allem die ersten beiden maßgebend; in der Montage kommt häufig die dritte hinzu.

Besteht ein Arbeitsplatz aus mehreren Teiltätigkeiten, wird jede mit der passenden Methode beurteilt.

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Wie der Punktwert entsteht

Für das Heben, Halten und Tragen werden mehrere Leitmerkmale bewertet: das wirksame Lastgewicht – getrennt nach Männern und Frauen –, die Bedingungen der Lastaufnahme, die Körperhaltung, ungünstige Ausführungsbedingungen sowie Arbeitsorganisation und zeitliche Verteilung. Die Wichtungen dieser Merkmale werden addiert und mit der Zeitwichtung multipliziert, die aus der Häufigkeit der Vorgänge je Arbeitstag folgt.

Weil die Zeitwichtung als Faktor eingeht, wirkt die Häufigkeit auf das gesamte Ergebnis. Das ist der Grund, warum viele leichte Handgriffe einen höheren Wert ergeben können als wenige schwere.

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Die vier Risikobereiche

Der Punktwert wird einem von vier Risikobereichen zugeordnet. In der Fassung von 2019 liegen die Grenzen bei 20, 50 und 100 Punkten. Unter 20 Punkten gilt die Belastung als gering. Von 20 bis unter 50 ist sie mäßig erhöht; eine Überbeanspruchung ist bei vermindert belastbaren Personen möglich. Von 50 bis unter 100 ist sie wesentlich erhöht, Gestaltungsmaßnahmen sind zu prüfen. Ab 100 Punkten ist sie hoch, Maßnahmen sind erforderlich.

Die Grenzen sind keine scharfen Schwellen. Ein Wert knapp unter 50 ist kein Freibrief, und Beschwerden der Beschäftigten wiegen schwerer als jede Punktzahl.

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Typische Fehler bei der Anwendung

Die Methode ist einfach, aber sie verlangt Beobachtung am Arbeitsplatz.

  • Häufigkeit geschätzt statt gezählt – sie ist die empfindlichste Größe.
  • Bauteilgewicht eingesetzt, obwohl Ladungsträger oder Werkzeug mitgehoben werden.
  • Die günstigste Haltung bewertet statt der tatsächlich eingenommenen.
  • Mischarbeit als eine Tätigkeit bewertet statt in Teiltätigkeiten zerlegt.
  • Beurteilung nach einer Taktänderung oder einem neuen Bauteil nicht aktualisiert.

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Übersicht

Die sechs Leitmerkmalmethoden

Methode Bewertet wird
Heben, Halten, Tragen manuelles Handhaben von Lasten ab etwa 3 kg
Ziehen und Schieben Bewegen von Lasten auf Wagen, Rollen oder an Hängebahnen
Manuelle Arbeitsprozesse gleichförmige, sich wiederholende Hand-Arm-Tätigkeiten
Ganzkörperkräfte hohe Kräfte, etwa beim Hebeln, Drücken und Ziehen an Werkzeugen
Körperfortbewegung Gehen, Steigen und Klettern, auch mit Last
Körperzwangshaltungen länger eingenommene ungünstige Haltungen
Häufige Fragen

Häufige Fragen zu Leitmerkmalmethode

Ab welchem Punktwert muss gehandelt werden?

In der Fassung von 2019 gilt ab 50 Punkten eine wesentlich erhöhte Belastung, bei der Gestaltungsmaßnahmen zu prüfen sind, und ab 100 Punkten eine hohe Belastung, bei der Maßnahmen erforderlich sind. Zwischen 20 und 50 Punkten sind Maßnahmen für vermindert belastbare Personen sinnvoll.

Kann jeder die Leitmerkmalmethode anwenden?

Sie ist für Anwender ohne arbeitswissenschaftliche Spezialausbildung gemacht, setzt aber Kenntnis der Tätigkeit voraus. Entscheidend ist, am Arbeitsplatz zu beobachten und zu zählen statt am Schreibtisch zu schätzen.

Wie belegt man mit der Methode den Nutzen einer Hebehilfe?

Durch eine Beurteilung vorher und nachher. Mit dem Handhabungsgerät entfällt das Heben; zu beurteilen bleibt meist das Führen der schwebenden Last, das als Ziehen und Schieben mit deutlich niedrigerem Wert eingeht.

Ist die Leitmerkmalmethode eine exakte Messung?

Nein. Sie ist ein Verfahren zur orientierenden Beurteilung. Liegt das Ergebnis im Grenzbereich oder ist die Tätigkeit ungewöhnlich, sind vertiefende Verfahren oder eine arbeitsmedizinische Beratung angebracht.

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