Fachlexikon

Ergonomie

Die Gestaltung von Arbeit nach den Eigenschaften des Menschen. Für die Handhabung gilt: Die Lastenhandhabungsverordnung nennt keinen Grenzwert, sondern verlangt eine Gefährdungsbeurteilung – die Leitmerkmalmethode der BAuA liefert dafür den Punktwert aus Gewicht, Häufigkeit, Haltung und Ausführungsbedingungen.

Auch
Arbeitsplatzergonomie · Leitmerkmalmethode · Lastenhandhabungsverordnung
Wird auch genannt
  • Arbeitsplatzergonomie
  • Leitmerkmalmethode
  • Lastenhandhabungsverordnung
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Belastung ist nicht Beanspruchung

Die Arbeitswissenschaft trennt zwei Begriffe. Belastung ist, was von außen auf den Menschen einwirkt – Gewicht, Haltung, Häufigkeit, Dauer. Beanspruchung ist, was das beim einzelnen Menschen auslöst, und die hängt von Alter, Konstitution und Übung ab. Dieselbe Belastung beansprucht zwei Menschen unterschiedlich.

Gestalten lässt sich nur die Belastung. Ergonomische Arbeitsgestaltung senkt sie deshalb so weit, dass sie für alle Beschäftigten, die an dem Platz arbeiten sollen, auf Dauer verträglich ist.

02

Sechs Arten körperlicher Belastung

Handhabung besteht nicht nur aus Heben. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin unterscheidet sechs Belastungsarten, für die es jeweils eine eigene Leitmerkmalmethode gibt: Heben, Halten und Tragen; Ziehen und Schieben; manuelle Arbeitsprozesse mit vielen gleichförmigen Handgriffen; Ganzkörperkräfte; Körperfortbewegung; Körperzwangshaltungen.

Für die Praxis ist das wichtig, weil eine Maßnahme die Belastungsart wechseln kann: Wer eine Last nicht mehr hebt, sondern auf einem Wagen schiebt, hat das Heben beseitigt und muss das Schieben beurteilen.

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Die Rangfolge der Maßnahmen

Das Arbeitsschutzgesetz gibt die Reihenfolge vor: Gefahren an der Quelle bekämpfen, dann technische, dann organisatorische und zuletzt personenbezogene Maßnahmen. Für die Handhabung heißt das: erst prüfen, ob der Vorgang entfallen kann, dann ein technisches Hilfsmittel einsetzen, dann Rotation und Pausen regeln, zuletzt unterweisen.

Eine feste Gewichtsgrenze nennt die Lastenhandhabungsverordnung nicht. Eine Ausnahme bildet das Mutterschutzgesetz: Schwangere dürfen ohne mechanische Hilfsmittel nicht regelmäßig Lasten von mehr als 5 Kilogramm und nicht gelegentlich Lasten von mehr als 10 Kilogramm von Hand heben, halten, bewegen oder befördern.

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Auch das Hilfsmittel muss ergonomisch sein

Ein Handhabungsgerät nimmt das Gewicht, nicht die Masse. Eine schwebende Last von 200 Kilogramm muss weiterhin beschleunigt, geführt und abgebremst werden; die Kraft dafür bringt der Bediener auf. Ebenso zählen Griffhöhe, Griffform, Sicht auf das Bauteil und die Wege, die er mit dem Gerät zurücklegt.

Ein Gerät, das langsamer oder umständlicher ist als die Arbeit von Hand, wird nicht benutzt. Ergonomie entscheidet deshalb nicht nur über die Gesundheit, sondern darüber, ob die Investition überhaupt wirkt.

05

Normen für die Gestaltung

Für die Bewertung manueller Handhabung steht die Normenreihe EN ISO 11228 zur Verfügung: Teil 1 für Heben und Tragen, Teil 2 für Ziehen und Schieben, Teil 3 für die Handhabung geringer Lasten mit hoher Frequenz. Die Reihe EN 1005 behandelt die körperliche Leistung des Menschen im Zusammenhang mit Maschinen und richtet sich an Konstrukteure.

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Übersicht

Belastungsarten und technische Antworten

Belastungsart Beispiel Technische Antwort
Heben, Halten, Tragen Kartons umsetzen, Bauteile einlegen Hebehilfe, Manipulator, Hubtisch
Ziehen und Schieben Wagen, Gitterboxen, hängende Lasten leichtgängige Fahrwerke, Schienensystem, Fahrantrieb
Manuelle Arbeitsprozesse Montage mit vielen gleichen Handgriffen Vorrichtung, Drehmomentstütze, Teilebereitstellung
Körperzwangshaltungen Arbeiten über Kopf oder in Rumpfbeuge Bauteil in Arbeitshöhe bringen, Wender, Hubachse
Häufige Fragen

Häufige Fragen zu Ergonomie

Ab wie viel Kilogramm ist eine Hebehilfe vorgeschrieben?

Eine allgemeine Kilogrammgrenze gibt es in Deutschland nicht. Der Arbeitgeber muss die Belastung beurteilen – üblicherweise mit der Leitmerkmalmethode – und Maßnahmen ergreifen, wenn sie wesentlich erhöht oder hoch ist. Feste Werte nennt nur das Mutterschutzgesetz.

Reicht eine Rückenschule als Maßnahme?

Als alleinige Maßnahme nicht. Unterweisung ist eine personenbezogene Maßnahme und steht in der gesetzlichen Rangfolge an letzter Stelle. Sie ergänzt technische und organisatorische Maßnahmen, ersetzt sie aber nicht.

Warum fühlt sich eine schwebende Last trotzdem schwer an?

Weil die Massenträgheit bleibt. Das Gerät trägt das Gewicht, aber Beschleunigen und Abbremsen kosten Kraft, und Reibung in Gelenken und Fahrwerken kommt hinzu. Leichtgängigkeit ist deshalb ein Auslegungskriterium.

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