Fachlexikon

Gelegentliche Lasten

Gelegentliche Lasten treten nur zeitweise oder selten auf. Hierzu können beispielsweise Wind-, Erdbeben- oder bestimmte dynamische Lasten gehören.

Auch
Sonderlasten · Occasional Loads · Occasional Load Case
Wird auch genannt
  • Sonderlasten
  • Occasional Loads
  • Occasional Load Case
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Was „gelegentlich“ bedeutet

Druck und Eigengewicht wirken, solange die Anlage läuft. Andere Lasten treten nur zeitweise auf: Wind, Schnee und Eis, Erdbeben, die Reaktionskraft eines abblasenden Sicherheitsventils, ein Druckstoß. Die Rohrleitungsregelwerke fassen sie als gelegentliche Lasten zusammen und bewerten sie eigens.

Wie die Dauerlasten sind es äußere Kräfte, die nicht nachlassen, wenn das Rohr sich verformt. Sie zählen deshalb zu den Primärlasten und nicht zur Wärmedehnung.

02

Warum eine höhere Spannung zulässig ist

Die zulässige Spannung für Dauerlasten enthält einen Abstand, der auch langzeitige Einflüsse abdeckt. Für kurze, seltene Ereignisse darf ein Teil davon genutzt werden. Die Regelwerke erhöhen deshalb die zulässige Spannung für die Summe aus Dauerlasten und gelegentlicher Last.

ASME B31.3 lässt das 1,33-Fache der zulässigen Spannung bei Betriebstemperatur zu. EN 13480-3 verwendet einen Erhöhungsfaktor, der von Art und Dauer der Last abhängt. In jedem Fall gilt die Erhöhung für die Rohrspannung – nicht automatisch für Halterungen, Tragwerk und Anschlussstutzen.

03

Was kombiniert wird – und was nicht

Gelegentliche Lasten werden jeweils mit den Dauerlasten überlagert, aber nicht alle miteinander. Dass der stärkste Sturm und das Bemessungserdbeben gleichzeitig auftreten, ist so unwahrscheinlich, dass die Regelwerke diese Kombination nicht verlangen.

Jede Last wird dafür in allen maßgebenden Richtungen angesetzt: Wind aus zwei Horizontalrichtungen mit beiden Vorzeichen, Erdbeben horizontal und vertikal. Welche Kombinationen im Einzelnen zu bilden sind, legt die Projektvorgabe fest.

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Statisch oder dynamisch

Wind wird als statische Flächenlast auf die Leitung angesetzt. Erdbeben wird je nach Anspruch als statische Ersatzlast oder über ein Antwortspektrum gerechnet. Stoßartige Lasten – Sicherheitsventil, Druckstoß – sind von Natur aus dynamisch; sie werden entweder als Zeitverlauf berechnet oder als statische Kraft mit einem dynamischen Lastfaktor angenähert.

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Typische Fehler

Gelegentliche Lasten sind selten spannungsbestimmend, aber oft halterungsbestimmend.

  • Die Rohrspannung wird nachgewiesen, die Halterungslast aus Wind oder Erdbeben nicht weitergegeben.
  • Auflager, die nur nach unten tragen, heben unter abhebenden Lasten ab – das Modell rechnet sie trotzdem als wirksam.
  • Die Reaktionskraft des Sicherheitsventils fehlt, obwohl sie die größte Einzellast am Abzweig ist.
  • Wind wird nur in einer Richtung angesetzt.
  • Alle gelegentlichen Lasten werden zu einem einzigen, unrealistischen Lastfall addiert.

Was Entracon dazu anbietet, steht auf der passenden Seite.

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Übersicht

Gelegentliche Lasten und ihre übliche Behandlung

Last Herkunft der Werte Rechenansatz
Wind Baunorm für den Standort Statische Last quer zur Leitung
Schnee, Eis Baunorm für den Standort Zusätzliches Gewicht
Erdbeben Baunorm, Antwortspektren des Tragwerks Statische Ersatzlast oder Antwortspektrum
Sicherheitsventil Abblasemenge und Ausströmbedingungen Statische Kraft mit Lastfaktor oder Zeitverlauf
Druckstoß Strömungstechnische Berechnung Zeitverlauf der Kräfte je Leitungsabschnitt
Häufige Fragen

Häufige Fragen zu Gelegentliche Lasten

Gehören Lasten aus der Druckprüfung zu den gelegentlichen Lasten?

Die Druckprüfung wird als eigener Lastfall mit eigenen Grenzen behandelt. Sie tritt zwar selten auf, ist aber planbar und findet unter kontrollierten Bedingungen statt.

Müssen gelegentliche Lasten immer berücksichtigt werden?

Nur soweit sie auftreten können. Eine Leitung im Gebäude erfährt keinen Wind; ob Erdbeben anzusetzen ist, hängt vom Standort ab. Sicherheitsventile und Druckstöße sind dagegen unabhängig vom Standort zu prüfen.

Gilt die erhöhte zulässige Spannung auch für Anschlussstutzen?

Nicht von selbst. Ob für gelegentliche Lasten höhere Stutzenlasten zulässig sind, legt der Hersteller des Apparats oder der Maschine fest.

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