Fachlexikon

Festpunkt

Ein Festpunkt verhindert definierte Bewegungen einer Rohrleitung und leitet Kräfte und Momente in die Tragkonstruktion ein.

Auch
Fixpunkt · Anchor · Pipe Anchor · Rohrverankerung
Wird auch genannt
  • Fixpunkt
  • Anchor
  • Pipe Anchor
  • Rohrverankerung
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Was ein Festpunkt tut

Ein Festpunkt hält die Rohrleitung an einer Stelle vollständig fest: Er sperrt alle drei Verschiebungen und alle drei Verdrehungen. Damit teilt er die Leitung in Abschnitte, deren Wärmedehnung getrennt aufgenommen wird, und legt fest, in welche Richtung sich jeder Abschnitt bewegt.

Festpunkte schützen so empfindliche Anschlüsse vor den Bewegungen langer Leitungen und nehmen den Druckschub unverspannter Kompensatoren auf. In der Praxis gibt es auch Halterungen, die nur die Bewegung in Rohrachse sperren; sie heißen Axialstopp oder Längsfestpunkt und sind keine vollwertigen Festpunkte.

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Welche Kräfte ankommen

Ein Festpunkt sammelt, was die anschließenden Abschnitte abgeben: die Verstellkräfte der Dehnungsbögen oder Kompensatoren, die Reibung aller Gleitlager zwischen ihm und dem nächsten Dehnungsausgleich, den Druckschub unverspannter Kompensatoren sowie Wind, Erdbeben und Druckstöße.

Bei Leitungen mit Axialkompensatoren wird zwischen Haupt- und Zwischenfestpunkten unterschieden. Der Hauptfestpunkt – am Leitungsende, an einer Richtungsänderung oder einer Reduzierung – trägt den vollen Druckschub. Am Zwischenfestpunkt zwischen zwei gleichen Kompensatoren heben sich die Druckkräfte auf; er trägt nur die Differenz aus Verstell- und Reibungskräften.

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Zwei Festpunkte, kein Ausgleich

Der klassische Fehler ist ein gerades Rohr zwischen zwei Festpunkten. Es kann sich nicht ausdehnen und baut eine Spannung von Elastizitätsmodul mal Wärmeausdehnungskoeffizient mal Temperaturdifferenz auf. Für Stahl sind das bei 100 Kelvin Erwärmung rund 250 N/mm² – unabhängig von der Länge der Strecke.

Die zugehörige Kraft ist Spannung mal Rohrquerschnitt und erreicht schon bei mittleren Nennweiten Größen, die kein üblicher Stahlbau aufnimmt. Zwischen zwei Festpunkten gehört deshalb immer ein Dehnungsausgleich: eine Richtungsänderung, ein Dehnungsbogen oder ein Kompensator.

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Ausführung und Tragwerk

Ein Festpunkt ist nur so fest wie das, woran er hängt. Die Kräfte müssen dem Tragwerksplaner mit Betrag, Richtung und Lastfall genannt werden; ein Träger, der sich unter der Festpunktkraft durchbiegt, verändert das Verhalten der ganzen Leitung.

Am Rohr selbst leitet der Festpunkt hohe Lasten auf kleiner Fläche ein. Angeschweißte Laschen, Stützen oder Schellen erzeugen örtliche Spannungen in der Rohrwand, die bei dünnwandigen Rohren und hohen Lasten eigens nachgewiesen werden.

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Typische Fehler

Festpunkte werden häufiger zu viel als zu wenig gesetzt.

  • Ein Rohrbügel wird als Festpunkt gerechnet – er klemmt, hält aber keine Momente und rutscht unter Last.
  • Zwei Festpunkte schließen eine gerade Strecke ohne Dehnungsausgleich ein.
  • Der Druckschub eines Axialkompensators fehlt in der Festpunktkraft.
  • Die Reibung der Gleitlager wird nicht bis zum Festpunkt aufsummiert.
  • Das Tragwerk ist nachgiebiger, als das Rechenmodell annimmt.

Was Entracon dazu anbietet, steht auf der passenden Seite.

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Übersicht

Halterungsarten und was sie sperren

Halterung Gesperrt Frei
Festpunkt Alle Verschiebungen und Verdrehungen Nichts
Axialstopp Bewegung in Rohrachse Querbewegung, Verdrehung
Führung Bewegung quer zur Rohrachse Bewegung in Rohrachse
Gleitlager Bewegung nach unten Horizontale Bewegung, Abheben
Federhänger Nichts – trägt mit Federkraft Alle Bewegungen
Häufige Fragen

Häufige Fragen zu Festpunkt

Wie viele Festpunkte braucht eine Rohrleitung?

So wenige wie möglich. Oft sind die Apparateanschlüsse an beiden Enden bereits die einzigen Festpunkte, und die Leitung dazwischen wird nur getragen und geführt. Zusätzliche Festpunkte sind sinnvoll, wo lange Strecken in Abschnitte geteilt oder Anschlüsse entlastet werden sollen.

Ist ein Apparatestutzen ein Festpunkt?

Im Rechenmodell wird er oft so behandelt, allerdings mit der Eigenbewegung des Apparats als aufgeprägter Verschiebung. Für die Leitung wirkt er wie ein Festpunkt, für den Apparat sind die Festpunktkräfte Stutzenlasten, die begrenzt sind.

Wo sitzt der Festpunkt am besten?

Dort, wo ein tragfähiger Anschluss an das Tragwerk möglich ist und die Dehnung sinnvoll auf die Abschnitte verteilt wird – häufig in der Mitte zwischen zwei Dehnungsausgleichern.

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