Fachlexikon

Wendevorrichtung

Lastaufnahmemittel, das ein Bauteil um eine waagerechte Achse dreht – meist um 90 oder 180 Grad. Die Güte einer Wendevorrichtung entscheidet sich an der Lage der Drehachse zum Schwerpunkt und an der Dämpfung: Ein gut ausgelegter Wender lässt sich mit zwei Fingern bewegen und bleibt in jeder Zwischenstellung stehen, ein schlecht ausgelegter zieht und muss gehalten werden.

Auch
Wender · Kippvorrichtung · Drehwender
Wird auch genannt
  • Wender
  • Kippvorrichtung
  • Drehwender
01

Wenden ist mehr als Drehen

Eine Wendevorrichtung ist ein vollständiges Lastaufnahmemittel für eine Wendeaufgabe: Sie nimmt das Bauteil auf, dreht es um eine waagerechte Achse – meist um 90 oder 180 Grad – und setzt es in der neuen Lage ab. Die Dreheinheit ist nur ein Teil davon; hinzu kommen der Greifer, der das Teil in jeder Winkellage hält, und die Abstimmung auf den Schwerpunkt.

Gewendet wird in der Luft am Hebezeug oder Manipulator. Davon zu unterscheiden sind stationäre Wender, auf denen das Teil abgelegt und gedreht wird.

02

Der kritische Moment: der Kipppunkt

Liegt die Drehachse nicht im Schwerpunkt, wirkt ein Moment aus Gewichtskraft mal Schwerpunktabstand. Während der Drehung ändert sich der waagerechte Abstand des Schwerpunkts zur Achse – und wechselt beim Durchgang durch die Senkrechte das Vorzeichen. Die Last, die eben noch angehoben werden musste, zieht dann von selbst weiter: Sie schlägt durch.

Genau das macht das Kanten von Teilen über eine Kante am Boden so gefährlich. Eine Wendevorrichtung vermeidet das Durchschlagen, indem die Achse durch den Schwerpunkt gelegt, die Bewegung gedämpft oder der Antrieb selbsthemmend ausgeführt wird.

03

Greifen für jede Winkellage

Ein Griff, der in der Ausgangslage sicher ist, kann nach 90 Grad nur noch über Reibung halten und nach 180 Grad gar nicht mehr. Für das Wenden gilt deshalb der Grundsatz: formschlüssig greifen oder formschlüssig sichern. Die Aufnahme muss das Teil in jeder Stellung zwischen Start und Ziel tragen, auch wenn Druckluft oder Strom ausfallen.

04

Auslegung

Ausgangspunkt sind Masse, Abmessungen und Schwerpunkt des Bauteils sowie Start- und Ziellage. Daraus folgen die Lage der Drehachse, das größte Moment über den Drehwinkel und der Schwenkraum: Ein Teil, das um seine Mitte dreht, braucht einen Kreis mit seiner halben Diagonale als Radius – der muss frei von Bediener, Vorrichtung und Boden sein.

Bei Teilefamilien wandert der Schwerpunkt. Dann wird die Achse verstellbar ausgeführt oder ein Antrieb vorgesehen, der das Restmoment sicher hält.

05

Typische Fehler

Wendeaufgaben werden häufig unterschätzt, weil das Teil „nur gedreht“ werden soll.

  • Schwerpunkt des Bauteils geschätzt statt ermittelt.
  • Eigengewicht und Schwerpunkt des Greifers nicht eingerechnet.
  • Drehung ohne Dämpfung oder Selbsthemmung – das Teil schlägt in die Endlage.
  • Schwenkraum nicht geprüft: Das Teil stößt beim Wenden an.

Was Entracon dazu anbietet, steht auf der passenden Seite.

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Übersicht

Arten des Wendens

Art Ablauf Zu beachten
Wenden am Manipulator greifen, anheben, drehen, absetzen Achse im Schwerpunkt, formschlüssiger Griff
Wenden am Kran mit Wendetraverse Last hängt in umlaufenden Gurten oder Ketten Kantenschutz, gleichmäßiger Lauf beider Stränge
Stationärer Wender Teil ablegen, Vorrichtung dreht Platzbedarf, Übergabe an das Hebezeug
Kanten über eine Kante Teil wird am Boden gekippt Durchschlagen am Kipppunkt – zu vermeiden
Häufige Fragen

Häufige Fragen zu Wendevorrichtung

Warum schlägt ein Bauteil beim Wenden plötzlich um?

Weil der Schwerpunkt über die Drehachse hinwegwandert. Vor diesem Punkt muss das Teil angehoben werden, danach zieht es sein Gewicht von selbst weiter. Ohne Dämpfung, Selbsthemmung oder eine Achse im Schwerpunkt geschieht das schlagartig.

Kann man mit einem Vakuumgreifer wenden?

Nur mit einem dafür ausgelegten Gerät. Beim Wenden werden die Sauger auf Scherung und Abschälen belastet; üblich ist ein höherer Sicherheitsfaktor und, wo möglich, eine zusätzliche formschlüssige Sicherung.

Wie viel Platz braucht eine Wendevorrichtung?

Mindestens den Kreis, den das Bauteil beim Drehen überstreicht – mit der halben Diagonale als Radius, wenn die Achse durch die Mitte geht –, zuzüglich Greifer und Sicherheitsabstand zum Bediener.

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