Fachlexikon

Theoretische Nutzungsdauer

Die rechnerische Betriebsdauer eines Serienhebezeugs bis zur Generalüberholung, nach FEM 9.755 aus Betriebsstunden und Lastkollektiv ermittelt. Ist sie erreicht, ist das Gerät nicht verbraucht – es muss überholt und der Zähler zurückgesetzt werden: Hubwerk zerlegen, Verschleißteile ersetzen, Bremse und Getriebe instand setzen, Lastprobe, Dokumentation. Danach läuft dasselbe Gerät einen weiteren Zyklus, zu einem Bruchteil der Kosten eines neuen.

Auch
FEM 9.755 · Generalüberholung · S.W.P. · Restnutzungsdauer
Wird auch genannt
  • FEM 9.755
  • Generalüberholung
  • S.W.P.
  • Restnutzungsdauer
01

Ein Hubwerk hat ein rechnerisches Ende

Serienhubwerke werden nicht für unbegrenzte Laufzeit gebaut, sondern für eine bestimmte Zahl von Betriebsstunden bei einer bestimmten Belastung. Diese Auslegung drückt die Triebwerksgruppe nach FEM 9.511 aus – 1Bm, 1Am, 2m, 3m, 4m. Zu jeder Gruppe gehört eine theoretische Nutzungsdauer D in Volllaststunden.

FEM 9.755 beschreibt, wie der Betreiber den verbrauchten Anteil verfolgt. Solange die tatsächliche Nutzung unter der theoretischen liegt, arbeitet das Hubwerk in seiner sicheren Betriebsperiode, kurz S.W.P. Ist sie erreicht, steht eine Generalüberholung an.

02

Die Rechnung: Laufzeit mal Lastkollektiv

Die tatsächliche Nutzung S ergibt sich aus der Laufzeit des Hubwerks T und dem Lastkollektivfaktor km: S = km · T. Der Faktor bewertet, wie schwer im Mittel gehoben wurde. FEM unterscheidet vier Kollektive: leicht mit km = 0,125, mittel mit 0,25, schwer mit 0,5 und sehr schwer mit 1,0.

Ein Hubwerk, das überwiegend mit kleinen Teillasten läuft, verbraucht seine Nutzungsdauer also achtmal langsamer als eines, das ständig Nennlast hebt. Werden Laufzeit und Lasten nicht gemessen, sondern geschätzt, sieht FEM 9.755 einen Zuschlagsfaktor vor, der die Unsicherheit der Erfassung abdeckt; den Wert nennt die Betriebsanleitung.

03

Ein Beispiel mit angenommenen Zahlen

Ein Kettenzug der Triebwerksgruppe 2m hat eine theoretische Nutzungsdauer von 1600 Volllaststunden. Angenommen, das Hubwerk läuft an 220 Arbeitstagen je anderthalb Stunden, also 330 Stunden im Jahr, bei mittlerem Lastkollektiv. Dann beträgt die jährliche Nutzung 0,25 · 330 = 82,5 Volllaststunden.

Ohne Zuschlag wäre die Nutzungsdauer nach gut 19 Jahren erreicht. Bei schwerem Kollektiv und gleicher Laufzeit halbiert sich die Zeit, im Zweischichtbetrieb noch einmal. Gemeint ist immer die Laufzeit des Hubmotors, nicht die Schichtdauer.

04

Wie die Werte erfasst werden

Am genauesten ist ein Betriebsdatenspeicher im Hubwerk, der Laufzeit und Last selbst aufzeichnet. Die nächstbeste Lösung ist ein Betriebsstundenzähler, ergänzt um eine begründete Einschätzung des Lastkollektivs. Ohne Zähler bleibt nur die Schätzung beider Größen aus dem Arbeitsablauf – mit dem größten Zuschlag.

Ermittelt und dokumentiert wird der verbrauchte Anteil bei der wiederkehrenden Prüfung, in der Regel einmal jährlich. Fehlen die Aufzeichnungen ganz, lässt sich eine Restnutzungsdauer nicht belegen.

05

Was bei Erreichen passiert

Ist die theoretische Nutzungsdauer verbraucht, darf das Hubwerk nur nach einer Generalüberholung weiterbetrieben werden. Dabei werden die ermüdungsbeanspruchten Teile von Getriebe, Bremse und Tragmittelführung nach Vorgabe des Herstellers geprüft und ersetzt. Danach beginnt eine neue sichere Betriebsperiode, deren Dauer der Überholende festlegt.

Was Entracon dazu anbietet, steht auf der passenden Seite.

Weiter zum Angebot
Übersicht

Theoretische Nutzungsdauer D je Triebwerksgruppe

Triebwerksgruppe D in Volllaststunden Laufzeit bei mittlerem Kollektiv (D ÷ 0,25)
1Bm 400 h 1600 h
1Am 800 h 3200 h
2m 1600 h 6400 h
3m 3200 h 12 800 h
4m 6300 h 25 200 h
Häufige Fragen

Häufige Fragen zu Theoretische Nutzungsdauer

Ist ein Hebezeug nach Ablauf der theoretischen Nutzungsdauer Schrott?

Nein. Es muss generalüberholt werden. Danach läuft es eine weitere Betriebsperiode. Ob sich die Überholung gegenüber einem Neugerät lohnt, hängt von Zustand, Alter und Ersatzteillage ab.

Gilt die theoretische Nutzungsdauer auch für handbetriebene Hebezeuge?

FEM 9.755 bezieht sich auf motorisch angetriebene Serienhubwerke. Handbetriebene Geräte werden nach Zustand beurteilt.

Welche Laufzeit zählt – Einschaltdauer der Anlage oder des Hubwerks?

Es zählt die Zeit, in der das Hubwerk tatsächlich hebt oder senkt. Sie ist meist nur ein kleiner Teil der Schicht. Ein Betriebsstundenzähler am Hubmotor erfasst genau diesen Wert.

Woher weiß ich die Triebwerksgruppe meines Hebezeugs?

Sie steht auf dem Typenschild und in der Betriebsanleitung, als FEM-Bezeichnung wie 2m oder als ISO-Bezeichnung wie M5.

Kontakt

Sprechen wir über Ihr Projekt.

Ein kurzes Gespräch klärt meist mehr als drei Angebote. Rufen Sie an oder schreiben Sie uns – Sie landen direkt bei einem Ingenieur.

Entracon erreichen

Wie dürfen wir helfen?

Der Chat ist gerade nicht besetzt. Wir sind am Montag ab 08:00 Uhr wieder für Sie da. Fordern Sie gern einen Rückruf an – wir melden uns bei Ihnen.
E-Mail schreiben info@entracon.de
Oder direkt anrufen +49 234 5414010