Fachlexikon

Hygienic Design

Konstruktionsprinzip für Betriebsmittel im Lebensmittel- und Pharmabereich: glatte Oberflächen, keine offenen Profile, keine Sacklöcher, geneigte Flächen für ablaufendes Wasser und geschweißte statt geschraubter Verbindungen im Produktbereich. Für Hebezeuge heißt das Edelstahl, gekapselte Antriebe und eine Ausführung, die einer Nassreinigung mit Reinigungsmitteln standhält.

Auch
hygienegerechte Konstruktion · reinigungsgerechte Gestaltung · EHEDG-Gestaltung
Wird auch genannt
  • hygienegerechte Konstruktion
  • reinigungsgerechte Gestaltung
  • EHEDG-Gestaltung
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Worum es geht

Hygienic Design heißt, ein Betriebsmittel so zu konstruieren, dass sich keine Produktreste, Feuchtigkeit und Mikroorganismen festsetzen können und dass es sich vollständig und nachprüfbar reinigen lässt. Es ist keine Frage der Reinigung, sondern der Konstruktion: Was nicht reinigbar gebaut ist, wird auch durch mehr Reinigungsmittel nicht sauber.

Grundlagen sind die besonderen Anforderungen des Maschinenrechts an Nahrungsmittelmaschinen, die Normen EN 1672-2 und EN ISO 14159 sowie die Leitlinien der European Hygienic Engineering and Design Group (EHEDG).

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Drei Hygienebereiche

EN 1672-2 unterscheidet drei Bereiche, und die Anforderungen richten sich danach. Im Lebensmittelbereich berührt die Oberfläche das Produkt, oder Produkt kann von dort in den Hauptstrom zurückgelangen. Im Spritzbereich kann Produkt auftreffen, gelangt aber nicht zurück. Der Nicht-Lebensmittelbereich umfasst alles Übrige.

Ein Hebezeug berührt das Produkt selten. Es hängt aber oft über offenem Produkt – und dann zählt, was herabfallen kann: Abrieb, Schmierstoff, Kondenswasser, Lackpartikel.

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Konstruktionsregeln

Die Regeln folgen alle demselben Gedanken: keine Stelle, an der etwas stehen bleibt oder sich der Reinigung entzieht.

  • Glatte, geschlossene Oberflächen; Schweißnähte durchgehend und verschliffen.
  • Gerundete Innenecken statt scharfer Kanten und Spalte.
  • Geneigte Flächen und Abläufe, damit Flüssigkeit vollständig abläuft.
  • Keine offenen Hohlprofile, Sacklöcher und Toträume; Profile verschlossen oder ganz offen und einsehbar.
  • Keine freiliegenden Gewinde im Produkt- und Spritzbereich.
  • Ausreichend Abstand zu Boden und Wand zum Reinigen und Kontrollieren.
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Werkstoffe und Schmierstoffe

Üblich sind austenitische Edelstähle wie 1.4301 und, bei Chloridbelastung, 1.4404. Für produktberührte Flächen wird häufig eine Rauheit von höchstens 0,8 Mikrometer Ra gefordert. Kunststoffe und Elastomere mit Lebensmittelkontakt müssen der Verordnung (EG) Nr. 1935/2004 entsprechen.

Wo Schmierstoff technisch unvermeidbar mit dem Produkt in Berührung kommen kann, werden Schmierstoffe mit H1-Registrierung verwendet. Besser ist eine Konstruktion, bei der Schmierstellen gekapselt sind oder gar nicht über dem Produkt liegen.

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Was das für Hebezeuge bedeutet

Eine geschmierte Lastkette über offenem Produkt ist der klassische Konflikt. Abhilfe schaffen Edelstahlketten, Bänder oder Seile mit geeigneter Führung, gekapselte Antriebe mit Tropfschutz, glatte Edelstahlgehäuse ohne waagerechte Ablageflächen und Leitungen, die innen geführt oder so verlegt sind, dass sie abgespritzt werden können.

Hinzu kommt die Schutzart: Ein Gerät, das täglich nass gereinigt wird, braucht entsprechend geschützte Antriebe und Bedienelemente sowie Werkstoffe, die den Reinigungsmitteln standhalten.

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Übersicht

Hygienebereiche und Anforderungen an Hebezeuge

Bereich Bedeutung Folge für das Hebezeug
Lebensmittelbereich Kontakt mit dem Produkt oder Rücklauf ins Produkt produktberührte Greifer: Edelstahl, glatte Flächen, zugelassene Kunststoffe
Spritzbereich Produkt trifft auf, gelangt nicht zurück reinigbare Konstruktion, kein Abtropfen ins Produkt
Nicht-Lebensmittelbereich kein Kontakt mit dem Produkt korrosionsbeständig, reinigbar, keine Schmutznester
Häufige Fragen

Häufige Fragen zu Hygienic Design

Muss ein Hebezeug im Lebensmittelbetrieb komplett aus Edelstahl sein?

Nicht zwingend. Entscheidend ist der Hygienebereich. Über offenem Produkt und bei Nassreinigung ist Edelstahl die sichere Wahl; außerhalb davon können auch geeignet beschichtete Bauteile genügen, wenn sie reinigbar und beständig sind.

Was bedeutet H1 bei Schmierstoffen?

H1 kennzeichnet Schmierstoffe, die für Stellen registriert sind, an denen ein gelegentlicher, technisch unvermeidbarer Kontakt mit Lebensmitteln möglich ist. Die Registrierung ersetzt nicht die Aufgabe, Kontakt konstruktiv zu vermeiden.

Ist Hygienic Design gesetzlich vorgeschrieben?

Das europäische Maschinenrecht enthält besondere Anforderungen an Nahrungsmittelmaschinen – Reinigbarkeit, geeignete Werkstoffe, Vermeidung von Rückständen. EN 1672-2 konkretisiert sie; die EHEDG-Leitlinien sind freiwillig, in der Branche aber verbreitet.

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