Fachlexikon

Schutzart

Die Kennzeichnung, wie gut ein Betriebsmittel gegen Fremdkörper und Wasser geschützt ist – als zweistelliger IP-Code. In der Handhabungstechnik entscheidet sie über die Einsatzfähigkeit in Gießereien, Betonwerken, Lebensmittelbetrieben und im Außenbereich. Bei Nassreinigung mit Hochdruck genügt IP54 nicht; dort wird IP65 oder mehr verlangt, und die Wahl wirkt sich auf Antrieb, Steuerung und Preis aus.

Auch
IP-Schutzart · IP-Code · Schutzgrad nach EN 60529
Wird auch genannt
  • IP-Schutzart
  • IP-Code
  • Schutzgrad nach EN 60529
01

Zwei Ziffern, zwei Aussagen

Der IP-Code nach EN 60529 beschreibt den Schutz, den ein Gehäuse bietet. Die erste Kennziffer steht für den Schutz gegen das Eindringen fester Fremdkörper und zugleich für den Schutz von Personen gegen das Berühren gefährlicher Teile. Die zweite Kennziffer steht für den Schutz gegen Wasser.

Wird eine Ziffer nicht angegeben, steht an ihrer Stelle ein X – IPX4 sagt also nur etwas über Wasser aus. Die beiden Ziffern sind voneinander unabhängig und werden einzeln geprüft.

02

Die Falle bei Wasser: Strahl und Tauchen

Bis zur Kennziffer 6 schließt jede höhere Stufe die niedrigeren ein. Ab Kennziffer 7 gilt das nicht mehr: Ein Gehäuse, das zeitweiliges Untertauchen übersteht, ist nicht automatisch gegen Strahlwasser geschützt, weil der Wasserstrahl anders auf Dichtungen wirkt als ruhender Druck. Soll beides gelten, werden beide Schutzarten angegeben, etwa IP65/IP67.

Die Kennziffer 9 steht für Wasser unter hohem Druck und hoher Temperatur, wie es bei der Hochdruck- und Dampfstrahlreinigung auftritt. Die verbreitete Schreibweise IP69K stammt aus der Norm für Straßenfahrzeuge.

03

Was der IP-Code nicht aussagt

Der IP-Code wird mit Wasser geprüft. Er sagt nichts über die Beständigkeit gegen Reinigungsmittel, Öle, Kühlschmierstoffe oder Salznebel und nichts über Korrosion. Er beschreibt auch nicht den Schutz gegen mechanische Schläge – dafür gibt es den IK-Code nach EN 62262 – und nicht den Explosionsschutz.

Ein Gehäuse mit hoher Schutzart kann außerdem Kondenswasser sammeln, wenn es bei Temperaturwechseln atmet. Dichtheit allein löst das nicht; je nach Einsatz sind Druckausgleichselemente oder ein Kondensatablauf nötig.

04

Bedeutung für Handhabungsgeräte

An einem Handhabungsgerät betrifft die Schutzart Motoren, Steuerungen, Bedienelemente, Sensoren und Steckverbindungen. Die Anforderung folgt aus der Umgebung: Staub in Gießerei und Betonwerk, Kühlschmierstoff an der Werkzeugmaschine, tägliche Nassreinigung im Lebensmittelbetrieb, Regen im Außenbereich.

Maßgebend ist das schwächste Bauteil. Ein Antrieb in IP65 hilft wenig, wenn der Bediengriff nur IP54 erreicht.

05

Typische Fehler

Die meisten Ausfälle entstehen an den Stellen, die im Datenblatt nicht stehen.

  • Schutzart gilt nur bei geschlossenem Deckel und korrekt montierter Kabelverschraubung.
  • Steckverbinder erreichen ihre Schutzart nur im gesteckten Zustand.
  • Hochdruckreiniger auf Geräte mit IP65 gerichtet – dafür ist die Ziffer nicht geprüft.
  • Dichtungen altern; die Schutzart des Neugeräts ist nach Jahren nicht mehr gegeben.

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Übersicht

Die Kennziffern des IP-Codes

Ziffer Erste Kennziffer: Fremdkörper und Berührung Zweite Kennziffer: Wasser
0 kein Schutz kein Schutz
1 Fremdkörper ab 50 mm, Handrücken senkrecht fallendes Tropfwasser
2 Fremdkörper ab 12,5 mm, Finger Tropfwasser bei bis zu 15° geneigtem Gehäuse
3 Fremdkörper ab 2,5 mm, Werkzeug Sprühwasser bis 60° zur Senkrechten
4 Fremdkörper ab 1 mm, Draht Spritzwasser aus allen Richtungen
5 staubgeschützt Strahlwasser
6 staubdicht starkes Strahlwasser
7 – zeitweiliges Untertauchen
8 – dauerndes Untertauchen
9 – Hochdruck- und Dampfstrahlreinigung
Häufige Fragen

Häufige Fragen zu Schutzart

Was ist der Unterschied zwischen IP54 und IP65?

IP54 bedeutet staubgeschützt und geschützt gegen Spritzwasser aus allen Richtungen. IP65 bedeutet staubdicht und geschützt gegen Strahlwasser. Für Bereiche, die mit dem Schlauch abgespritzt werden, ist IP54 nicht ausreichend.

Ist IP67 besser als IP65?

Nicht in jeder Hinsicht. IP67 belegt den Schutz bei zeitweiligem Untertauchen, sagt aber nichts über Strahlwasser. Wer beides braucht, achtet auf die doppelte Angabe IP65/IP67.

Welche Schutzart braucht ein Gerät im Lebensmittelbetrieb?

Das hängt vom Reinigungsverfahren ab. Bei Nassreinigung mit Schlauch ist IP65 das Minimum, bei Hochdruck- oder Dampfstrahlreinigung IP69. Zusätzlich müssen Werkstoffe und Dichtungen gegen die Reinigungsmittel beständig sein – das deckt der IP-Code nicht ab.

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