Fachlexikon

Pumpenzusatzlasten

Pumpenzulasten sind die Kräfte und Momente, die eine angeschlossene Rohrleitung auf die Pumpenstutzen überträgt.

Auch
Pumpenanschlusskräfte · Pump Loads · Nozzle Loads · Pump Nozzle Loads
Wird auch genannt
  • Pumpenanschlusskräfte
  • Pump Loads
  • Nozzle Loads
  • Pump Nozzle Loads
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Warum Pumpen empfindlicher sind als Behälter

Ein Behälterstutzen muss die Last aus der Rohrleitung nur aushalten. Eine Pumpe muss dabei weiterlaufen. Kräfte und Momente an Saug- und Druckstutzen verformen das Gehäuse und verschieben die Pumpe gegenüber ihrem Antrieb. Schon geringe Verlagerungen stören die Ausrichtung von Welle und Kupplung – die Folgen sind erhöhte Schwingungen, vorzeitiger Lagerverschleiß und undichte Gleitringdichtungen.

Deshalb liegen die zulässigen Stutzenlasten einer Pumpe meist deutlich unter dem, was der Stutzen als Bauteil ertragen würde. Der Grenzwert schützt die Funktion, nicht die Festigkeit.

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Woher die zulässigen Werte kommen

Maßgeblich ist die Angabe des Pumpenherstellers für die konkrete Baugröße. Sie stützt sich in der Regel auf eine Norm: API 610 beziehungsweise ISO 13709 für Kreiselpumpen der Prozessindustrie und ISO 5199 für Chemienormpumpen enthalten Tabellen zulässiger Kräfte und Momente, gestaffelt nach der Nennweite der Stutzen.

Die Werte gelten für ein festgelegtes Koordinatensystem und einen festgelegten Bezugspunkt, und sie setzen eine ausreichend steife Aufstellung der Pumpe voraus. Wer Lasten aus der Rohrstatik mit der Tabelle vergleicht, muss beides beachten – ein Vorzeichen- oder Achsenfehler macht den Vergleich wertlos.

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Welche Lastfälle zählen

Die größte Last entsteht selten im normalen Betrieb. Zu prüfen sind der kalte Zustand nach der Montage, der Betrieb bei höchster Temperatur und alle Zwischenzustände, die die Anlage planmäßig einnimmt.

Bei einer Doppelpumpenanlage ist das vor allem der Fall, in dem eine Pumpe heiß läuft und die Reservepumpe kalt steht: Die Sammelleitung dehnt sich, der kalte Strang nicht – genau dann sind die Stutzenlasten der stehenden Pumpe häufig am höchsten.

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Was die Lasten senkt

Die Mittel sind konstruktiv. In der Planung kosten sie wenig, im Bestand viel.

  • Eine einstellbare Abstützung nahe am Stutzen nimmt das Gewicht von Leitung und Armaturen auf.
  • Die Leitungsführung erhält genug Elastizität, damit die Wärmedehnung nicht in die Pumpe drückt.
  • Führungen und Festpunkte lenken die Dehnung von der Pumpe weg.
  • Wo sich die Leitung vertikal bewegt, trägt ein Federhänger statt eines starren Auflagers.
  • Bei der Montage passen die Flansche ohne Zwang – eine Leitung, die mit Gewalt an die Pumpe gezogen wird, ist vorgespannt.
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Vorsicht bei Kompensatoren

Ein Kompensator am Pumpenstutzen sieht wie die einfachste Lösung aus. Ein unverspannter Balgkompensator überträgt jedoch die Druckkraft – Innendruck mal wirksame Balgfläche – nach beiden Seiten. Ohne Festpunkt unmittelbar dahinter wirkt diese Kraft auf den Pumpenstutzen und kann größer sein als alles, was die Wärmedehnung ohne Kompensator erzeugt hätte.

Kompensatoren an Pumpen brauchen deshalb entweder eine Verspannung, die die Druckkraft in sich aufnimmt, oder eine Abstützung, die sie in das Bauwerk ableitet.

Was Entracon dazu anbietet, steht auf der passenden Seite.

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Übersicht

Ursachen der Stutzenlast und ihre Abhilfe

Ursache Wann sie wirkt Abhilfe
Gewicht von Leitung und Armaturen Immer Abstützung nahe am Stutzen
Behinderte Wärmedehnung Im Betrieb und bei stehender Reservepumpe Elastische Leitungsführung, Führungen
Druckkraft eines Kompensators Unter Innendruck Verspannter Kompensator oder Festpunkt
Montagezwang Dauerhaft ab der Montage Spannungsfreies Ausrichten der Flansche
Häufige Fragen

Häufige Fragen zu Pumpenzusatzlasten

Darf die zulässige Stutzenlast einer Pumpe überschritten werden?

Nur mit Zustimmung des Pumpenherstellers. API 610 beschreibt zusätzlich ein Verfahren, nach dem höhere Lasten unter festgelegten Bedingungen nachgewiesen werden können. Ohne einen solchen Nachweis gilt die Tabelle.

Wer liefert die Stutzenlasten – der Rohrleitungsplaner oder der Pumpenlieferant?

Der Pumpenlieferant nennt die zulässigen Werte, die Rohrstatik liefert die auftretenden. Beides wird je Lastfall und Stutzen gegenübergestellt.

Reicht es, die Leitung nach der Montage sauber auszurichten?

Das spannungsfreie Ausrichten ist notwendig, beseitigt aber nur den Montagezwang. Lasten aus Wärmedehnung entstehen erst im Betrieb und lassen sich nur durch Leitungsführung und Halterung begrenzen.

Gelten für Saug- und Druckstutzen dieselben Werte?

Nicht zwingend. Die Tabellen der Normen staffeln nach Nennweite und zum Teil nach Lage des Stutzens. Jeder Stutzen wird für sich nachgewiesen; manche Regelwerke verlangen zusätzlich eine gemeinsame Betrachtung beider Stutzen.

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