Fachlexikon

Dorngreifer

Aufnahme, die auf einem zylindrischen Dorn in den Kern einer Rolle fährt und die Last formschlüssig oder über eine Spreizung hält. Weil die Rolle nur am Kern getragen wird, bleibt die Bahn unberührt. Ausgelegt wird auf Biegung im Dorn und Flächenpressung im Kern; bei langen Rollen kommt eine Abstützung am freien Ende hinzu, um das Durchhängen zu begrenzen.

Auch
Aufnahmedorn · Rollendorn · Wickeldorn
Wird auch genannt
  • Aufnahmedorn
  • Rollendorn
  • Wickeldorn
01

Die Rolle hängt am Kern

Ein Dorngreifer fährt mit einem zylindrischen Dorn waagerecht in den Kern einer Rolle oder Spule. Die Rolle liegt dann auf dem Dorn – sie wird formschlüssig getragen, solange die Achse waagerecht bleibt. Der Wickel selbst wird nicht berührt; das macht den Dorn zum üblichen Lastaufnahmemittel für Folien, Papier, Vlies, Etiketten und Draht.

Gegen Abrutschen nach vorn sichern eine Nase am Dornende, eine leichte Neigung nach hinten oder eine Spreizung im Kern.

02

Ein Kragarm mit der Last am Ende

Mechanisch ist der Dorn ein einseitig eingespannter Träger. Das Biegemoment an der Einspannung ist Gewichtskraft mal Abstand des Rollenschwerpunkts – je breiter die Rolle, desto weiter außen liegt er. Die Durchbiegung wächst mit der dritten Potenz der freien Länge: Ein doppelt so langer Dorn biegt sich bei gleicher Last achtmal so stark durch.

Derselbe Hebelarm wirkt auf das Handhabungsgerät. Der Schwerpunkt der Rolle liegt weit vor der Aufhängung, und das Gerät muss dieses Moment aufnehmen oder über die Lage der Aufhängung ausgleichen. Dorn, Rolle und Gerät werden deshalb zusammen ausgelegt.

03

Pressung im Kern

Ein dünner Dorn in einem großen Kern berührt die Hülse nur auf einer schmalen Linie oben. Bei Papphülsen drückt sich diese Linie ein. Die Abhilfe ist ein Dorndurchmesser nahe am Kerndurchmesser oder eine Auflageschale, die die Last auf eine größere Fläche verteilt.

Der Dorn muss außerdem lang genug sein, dass der Schwerpunkt der Rolle sicher auf ihm liegt. Trägt er nur das vordere Stück, kippt die Rolle über die Dornspitze ab und belastet den Kern an der Kante.

04

Wenn die Rolle aufgestellt werden soll

Viele Aufgaben verlangen, die Rolle von der waagerechten in die senkrechte Achslage zu schwenken – etwa von der Palette in die Abwickelstation. Sobald die Achse aus der Waagerechten kommt, trägt der glatte Dorn nicht mehr: Die Rolle würde abrutschen. Dafür wird der Dorn mit einer Spreizung ausgerüstet, die den Kern von innen klemmt, und die Klemmung gegen Druckabfall gesichert.

05

Typische Fehler

Die Schwachstellen eines Dorngreifers liegen fast immer an den Rändern der Aufgabe.

  • Auf die mittlere Rolle ausgelegt, nicht auf die breiteste und schwerste.
  • Durchbiegung vernachlässigt: Die Rolle hängt schräg und lässt sich nicht auf die Aufnahme der Maschine fädeln.
  • Dorn deutlich dünner als der Kern – die Hülse wird eingedrückt.
  • Keine Sicherung gegen Abrutschen beim Anfahren und Bremsen.

Was Entracon dazu anbietet, steht auf der passenden Seite.

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Übersicht

Ausführungen des Dorngreifers

Aufgabe Ausführung Hält durch
Rolle waagerecht umsetzen glatter Dorn mit Sicherungsnase Formschluss
Rolle aufstellen oder ablegen Spreizdorn mit Schwenkachse Kraftschluss im Kern, gesichert
Sehr breite oder schwere Rolle Dorn mit Abstützung am freien Ende Formschluss, zweiseitig gelagert
Wechselnde Kerndurchmesser Dorn mit Wechselhülsen oder Auflageschalen Formschluss
Häufige Fragen

Häufige Fragen zu Dorngreifer

Wie lang muss der Dorn sein?

So lang, dass der Schwerpunkt der breitesten Rolle mit Reserve auf dem Dorn liegt. In der Praxis reicht der Dorn über den größten Teil der Rollenbreite; eine feste Regel gibt es nicht, maßgebend ist die Auslegung auf Biegung und Kippsicherheit.

Worin unterscheidet sich der Dorngreifer vom Spreizgreifer?

Der Dorn trägt die Rolle bei waagerechter Achse formschlüssig, ohne zu klemmen. Der Spreizgreifer klemmt den Kern von innen und hält damit auch bei senkrechter Achse. Ein Spreizdorn vereint beides.

Kann ein Dorngreifer Rollen ohne Hülse aufnehmen?

Nur, wenn der Wickel im Kern formstabil ist. Bei weichen, kernlosen Rollen drückt der Dorn die inneren Lagen ein; dann ist eine großflächige Auflageschale oder ein anderes Greifprinzip nötig.

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