Fachlexikon

Dehnungsbogen

Ein Dehnungsbogen nimmt thermische Längenänderungen durch elastische Verformung der Rohrleitung auf und reduziert dadurch Zwangskräfte.

Auch
Ausdehnungsbogen · Expansionsschleife · Expansion Loop
Wird auch genannt
  • Ausdehnungsbogen
  • Expansionsschleife
  • Expansion Loop
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Biegung statt Zwang

Ein gerades Rohr zwischen zwei Festpunkten kann sich nicht ausdehnen; es baut stattdessen hohe Druckkräfte auf. Ein Dehnungsbogen gibt der Leitung einen Umweg quer zur Dehnungsrichtung. Die Längenänderung der geraden Strecke biegt die Schenkel dieses Umwegs – und Biegung nimmt ein Rohr sehr viel williger auf als Stauchung.

Der Dehnungsbogen besteht aus demselben Rohr wie die Leitung. Er hat keine beweglichen Teile, erzeugt keinen Druckschub und braucht keine Wartung.

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Die Schenkellänge entscheidet

Je länger die Schenkel quer zur Dehnungsrichtung, desto weicher der Bogen. Der Zusammenhang ist nicht linear: Für einen Schenkel, der an beiden Enden gegen Verdrehen gehalten ist, sinkt die Biegespannung bei gleicher Verschiebung mit dem Quadrat der Schenkellänge, die Kraft auf die Festpunkte sogar mit der dritten Potenz.

Ein um ein Viertel längerer Schenkel halbiert die Kraft also beinahe. Umgekehrt wirkt ein größerer Rohrdurchmesser steifer – große Nennweiten brauchen deutlich größere Bögen als kleine. Die genaue Auslegung übernimmt die Rohrstatik, weil auch die Rohrbögen selbst nachgiebig sind und eigene Spannungserhöhungen mitbringen.

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Festpunkte und Führungen richtig setzen

Ein Dehnungsbogen arbeitet zwischen zwei Festpunkten und sitzt am besten in deren Mitte; dann teilen sich beide Seiten die Bewegung. Führungen halten die geraden Strecken auf Kurs und leiten die Dehnung in den Bogen.

Entscheidend ist der Abstand der ersten Führung zum Bogen. Sitzt sie zu nah, hindert sie den Schenkel am Ausbiegen, und der Bogen verliert seine Wirkung. Auch Halterungen im Bogen selbst dürfen die Bewegung nicht sperren – dort gehören Gleitlager hin, keine Führungen.

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Liegend oder stehend

Ein liegender Bogen in der Rohrebene braucht Fläche, lässt sich aber durchgehend entleeren. Ein stehender Bogen spart Grundfläche, bildet jedoch einen Hoch- oder Tiefpunkt: oben sammelt sich Gas, unten Kondensat. In Dampf- und Kondensatleitungen gehört deshalb zu jedem stehenden Bogen die Frage nach Entwässerung und Entlüftung.

05

Typische Fehler

Ein Dehnungsbogen versagt selten – aber er wirkt oft schlechter als geplant.

  • Die erste Führung sitzt zu nah am Bogen und versteift ihn.
  • Eine Halterung im Bogen sperrt die Querbewegung des Schenkels.
  • Der Bogen liegt weit außermittig, eine Seite muss fast die ganze Dehnung aufnehmen.
  • Die Reibung langer gerader Strecken wird bei den Festpunktkräften nicht mitgerechnet.
  • Der Platzbedarf des ausgebogenen Schenkels kollidiert mit Nachbarleitungen.

Was Entracon dazu anbietet, steht auf der passenden Seite.

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Übersicht

Bauformen des natürlichen Dehnungsausgleichs

Bauform Aufbau Typischer Einsatz
L-Bogen Eine Richtungsänderung, ein Schenkel nimmt die Dehnung des anderen auf Ohnehin vorhandene Ecken der Leitungsführung
Z-Bogen Zwei Richtungsänderungen mit Versatz Leitungen, die einem Hindernis ausweichen
U-Bogen Vier Bögen bilden eine Schleife Lange gerade Strecken, etwa auf Rohrbrücken
Häufige Fragen

Häufige Fragen zu Dehnungsbogen

Wann ist ein Dehnungsbogen besser als ein Kompensator?

Wenn der Platz vorhanden ist, fast immer: Er hat die Druckfestigkeit des Rohres, keine begrenzte Lastwechselzahl und keinen Druckschub. Der Kompensator ist die Lösung für enge Verhältnisse, große Nennweiten bei niedrigem Druck und sehr empfindliche Anschlüsse.

Wie groß muss ein Dehnungsbogen sein?

Das hängt von Dehnung, Rohrdurchmesser, Werkstoff und zulässigen Festpunktkräften ab. Faustformeln und Diagramme liefern eine erste Größe; den Nachweis führt die Rohrstatik.

Erhöht ein Dehnungsbogen den Druckverlust?

Ja, durch die zusätzlichen Bögen und die längere Leitung. In den meisten Leitungen ist der Anteil klein, bei knapp ausgelegten Pumpen oder Zweiphasenströmung sollte er geprüft werden.

Kann ein Dehnungsbogen vorgespannt werden?

Ja. Wird die Leitung um einen Teil der erwarteten Dehnung gekürzt eingebaut, sinken die Kräfte im Betriebszustand. Die Spannungsschwingbreite, die für die Ermüdung zählt, bleibt dabei gleich.

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