Fachlexikon

Schwingungsanalyse

Die Schwingungsanalyse untersucht dynamische Bewegungen eines Rohrleitungssystems und dient unter anderem zur Bewertung von Resonanzen und zyklischen Belastungen.

Auch
Vibrationsanalyse · Vibration Analysis
Wird auch genannt
  • Vibrationsanalyse
  • Vibration Analysis
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Schwingung ist ein Ermüdungsproblem

Eine schwingende Rohrleitung versagt selten durch eine einzelne Überlast. Sie ermüdet. Die Spannungsausschläge sind klein, aber sie wiederholen sich viele Male in der Sekunde – innerhalb weniger Tage kommen Millionen von Lastwechseln zusammen.

Der Schaden entsteht dort, wo die Leitung am schwächsten ist: an kleinen Abzweigen für Entleerung, Entlüftung und Messung, an Schweißnahtübergängen und an Gewindeverbindungen. Dazu kommen gelockerte Halterungen, undichte Flansche und beschädigte Messgeräte. Die Schwingungsanalyse soll diese Stellen finden, bevor ein Anriss sie zeigt.

02

Zuerst die Anregung klären

Die erste Frage ist nicht, wie stark die Leitung schwingt, sondern warum. Die Abhilfe hängt von der Ursache ab: Eine Leitung, die von einer Maschine angeregt wird, braucht eine andere Maßnahme als eine, in der die Strömung selbst die Bewegung erzeugt.

Den wichtigsten Hinweis gibt die Frequenz. Folgt sie der Drehzahl einer Maschine, liegt die Quelle dort. Ändert sie sich mit dem Durchsatz oder tritt sie nur in bestimmten Betriebszuständen auf, ist die Strömung die Ursache.

03

Rechnen: Eigenfrequenzen und Resonanz

Eine Modalanalyse liefert die Eigenfrequenzen der Leitung und die zugehörigen Schwingformen. Liegt eine Eigenfrequenz nahe an einer Anregungsfrequenz, schaukelt sich die Bewegung auf, begrenzt nur durch die Dämpfung. Ziel der Auslegung ist ein ausreichender Abstand zwischen beiden; häufig werden etwa 20 Prozent angestrebt, maßgeblich ist die Vorgabe des Projekts.

Das Rechenmodell muss dafür genauer sein als für die Statik: Massen von Armaturen und Antrieben, die Steifigkeit der Halterungen und des Stahlbaus bestimmen das Ergebnis. Ein Auflager, das die Leitung nur trägt, hält sie dynamisch quer zur Achse nicht fest.

04

Messen und bewerten

An bestehenden Anlagen steht die Messung am Anfang: Schwinggeschwindigkeit an festgelegten Punkten, dazu das Frequenzspektrum. Für die erste Einstufung gibt es Richtlinien mit frequenzabhängigen Anhaltswerten, im deutschsprachigen Raum VDI 3842, international die Leitlinie des Energy Institute zur Vermeidung schwingungsbedingter Ermüdungsschäden an Prozessrohrleitungen.

Liegt eine Messstelle über den Anhaltswerten, folgt die genauere Untersuchung: die dynamische Spannung an der gefährdeten Stelle, gemessen mit Dehnungsmessstreifen oder berechnet aus der gemessenen Schwingform.

05

Was hilft – und was nicht

Die wirksamen Maßnahmen ändern entweder die Anregung oder die Steifigkeit der Leitung.

  • Zusätzliche steife Halterungen und Führungen heben die Eigenfrequenz an.
  • Kleine Abzweige mit schweren Armaturen werden gegen die Hauptleitung abgestützt.
  • Schwingungsdämpfer nehmen Bewegungsenergie auf, ohne die Wärmedehnung zu sperren.
  • Pulsationsdämpfer oder eine geänderte Drehzahl setzen an der Ursache an.
  • Federhänger helfen nicht: Sie tragen Gewicht, halten aber keine Schwingung.

Was Entracon dazu anbietet, steht auf der passenden Seite.

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Übersicht

Anregungsarten und ihr Erkennungsmerkmal

Anregung Erkennungsmerkmal Ansatz
Mechanisch durch Maschinen Frequenz folgt der Drehzahl Eigenfrequenz der Leitung verschieben, Halterung versteifen
Druckpulsation von Kolbenmaschinen Frequenz folgt Drehzahl und Zylinderzahl Pulsationsdämpfer, akustische Auslegung
Strömung: Turbulenz, Wirbelablösung Breitbandig oder an Einbauten gebunden, wächst mit dem Durchsatz Steifere Halterung, Einbauten ändern
Mehrphasenströmung, Pfropfen Unregelmäßige, stoßartige Bewegung Fahrweise ändern, Führungen und Festpunkte für Stoßlasten
Häufige Fragen

Häufige Fragen zu Schwingungsanalyse

Ab welcher Schwinggeschwindigkeit ist eine Rohrleitung gefährdet?

Einen einzelnen Grenzwert gibt es nicht. Die Richtlinien geben frequenzabhängige Anhaltswerte für eine erste Einstufung. Entscheidend ist letztlich die dynamische Spannung an der schwächsten Stelle – meist an einem kleinen Abzweig.

Reicht eine statische Rohrstatik, um Schwingungen auszuschließen?

Nein. Die Statik fragt nach Elastizität, die Dynamik nach Steifigkeit. Eine statisch günstige, weiche Leitungsführung hat niedrige Eigenfrequenzen und ist für Schwingungen eher anfälliger.

Was unterscheidet die Schwingungsanalyse von der dynamischen Rohrleitungsanalyse?

Die Schwingungsanalyse befasst sich mit andauernder Anregung im Betrieb. Die dynamische Rohrleitungsanalyse ist der Oberbegriff und umfasst auch einmalige Ereignisse wie Druckstöße oder Erdbeben.

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