Fachlexikon

Reinraum

Umgebung mit begrenzter Partikelkonzentration in der Luft, eingeteilt in Klassen nach ISO 14644. Für Hebezeuge bedeutet das partikelarme Werkstoffe, gekapselte Führungen, abgesaugte Antriebe und den Verzicht auf offene Schmierstellen. Weil jede Bewegung Partikel erzeugt, wird der Aufbau auf möglichst wenige Reibstellen ausgelegt – eine Anforderung, die früh in die Konstruktion gehört.

Auch
Reinraumklasse · Cleanroom · ISO 14644
Wird auch genannt
  • Reinraumklasse
  • Cleanroom
  • ISO 14644
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Was einen Reinraum ausmacht

Ein Reinraum ist ein Raum, in dem die Konzentration luftgetragener Partikel geregelt und begrenzt ist. Erreicht wird das durch gefilterte Zuluft, eine definierte Luftführung, Überdruck gegenüber der Umgebung und Regeln für Personal, Material und Betriebsmittel.

ISO 14644-1 teilt Reinräume in die Klassen ISO 1 bis ISO 9 ein. Je kleiner die Zahl, desto reiner die Luft; von Klasse zu Klasse ändert sich die zulässige Partikelkonzentration um den Faktor zehn. Angegeben wird die Klasse immer zusammen mit dem Betriebszustand: Bereitstellung, Leerlauf oder Fertigung.

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ISO-Klassen und GMP-Klassen

In der Pharmaproduktion gelten zusätzlich die Reinheitsklassen A bis D des EU-GMP-Leitfadens, Anhang 1. Sie begrenzen neben Partikeln auch die mikrobielle Belastung. Hinsichtlich der Partikel entspricht Klasse A etwa ISO 5; Klasse B ISO 5 im Ruhezustand und ISO 7 im Betrieb; Klasse C ISO 7 im Ruhezustand und ISO 8 im Betrieb; Klasse D ISO 8 im Ruhezustand.

Die ältere Bezeichnung nach dem zurückgezogenen US-Standard FED-STD-209E – Klasse 100, 10.000, 100.000 – ist im Sprachgebrauch noch verbreitet.

03

Jede Bewegung erzeugt Partikel

Ein Hebezeug ist im Reinraum vor allem eine Partikelquelle. Partikel entstehen überall dort, wo sich Flächen aufeinander bewegen: Kette im Kettenrad, Seil auf der Trommel, Laufrollen auf der Schiene, Lager, Bremsen, Schleppleitungen. Hinzu kommen Schmierstoffe, die ausgasen oder abgeschleudert werden, und die Abluft pneumatischer Antriebe.

Ob ein Betriebsmittel für eine bestimmte Klasse geeignet ist, wird durch Messung der Partikelemission nachgewiesen; ISO 14644-14 beschreibt das Verfahren.

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Konstruktive Antworten

Reinraumtaugliche Handhabungstechnik folgt wenigen Grundsätzen.

  • Reibstellen vermeiden oder kapseln; Antriebe und Führungen absaugen.
  • Bänder oder ummantelte Tragmittel statt geschmierter Ketten.
  • Abriebarme Werkstoffpaarungen, Edelstahl oder eloxiertes Aluminium, glatte und abwischbare Oberflächen.
  • Reinraumtaugliche Schmierstoffe, sparsam und gekapselt eingesetzt.
  • Abluft pneumatischer Antriebe gefasst aus dem Reinraum führen.
  • Keine waagerechten Flächen und Hohlräume, auf denen sich Partikel sammeln.
05

Die Luftströmung nicht stören

In Reinräumen mit turbulenzarmer Verdrängungsströmung fließt die Luft von der Decke nach unten und trägt Partikel aus dem Arbeitsbereich. Alles, was über dem Produkt hängt, steht in dieser Strömung: Es wirft einen Strömungsschatten, und Partikel, die dort entstehen, fallen direkt auf das Produkt.

Deckengeführte Systeme werden deshalb, wo möglich, seitlich neben dem kritischen Bereich angeordnet und strömungsgünstig gebaut. Diese Anforderung gehört in die Layoutplanung, nicht in die Nachrüstung.

Was Entracon dazu anbietet, steht auf der passenden Seite.

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Übersicht

Reinraumklassen nach ISO 14644-1

ISO-Klasse Höchstzahl Partikel ≥ 0,5 µm je m³ Frühere Bezeichnung (FED-STD-209E)
ISO 5 3.520 Klasse 100
ISO 6 35.200 Klasse 1.000
ISO 7 352.000 Klasse 10.000
ISO 8 3.520.000 Klasse 100.000
Häufige Fragen

Häufige Fragen zu Reinraum

Was bedeutet ISO 7 bei einem Reinraum?

Dass je Kubikmeter Luft höchstens 352.000 Partikel mit einer Größe ab 0,5 Mikrometer vorhanden sind. Zur Angabe gehört der Betriebszustand, denn im Betrieb mit Personal und laufenden Maschinen sind die Werte schwerer einzuhalten als im Ruhezustand.

Kann ein normales Hebezeug im Reinraum eingesetzt werden?

In den weniger strengen Klassen unter Umständen, wenn es abseits des Produkts arbeitet. In strengeren Klassen und über offenem Produkt braucht es eine Ausführung mit gekapselten Antrieben, abriebarmen Tragmitteln und einem Nachweis der Partikelemission.

Ist ein pneumatisches Gerät für den Reinraum geeignet?

Grundsätzlich ja, wenn die Abluft nicht in den Raum entweicht, sondern gefasst abgeführt wird, und wenn die Druckluft selbst gefiltert und ölfrei ist. Offene Entlüftungen und Schalldämpfer im Raum sind Partikelquellen.

Wer legt die erforderliche Reinraumklasse fest?

Der Betreiber, abgeleitet aus dem Produkt und dem Prozess und – in der Pharmaproduktion – aus den GMP-Vorgaben. Der Lieferant eines Betriebsmittels weist nach, für welche Klasse es geeignet ist.

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