Fachlexikon

ASME B31.3

ASME B31.3 ist ein international verbreitetes Regelwerk für Prozessrohrleitungen, insbesondere in der chemischen und petrochemischen Industrie.

01

Wofür ASME B31.3 gilt

ASME B31.3 trägt den Titel „Process Piping“ und gehört zum ASME Code for Pressure Piping B31. Das Regelwerk gilt für Rohrleitungen in Raffinerien, chemischen und pharmazeutischen Anlagen, in der Papier- und Halbleiterindustrie, in Tieftemperaturanlagen und verwandten Prozessanlagen. Für Kraftwerksrohrleitungen gibt es mit ASME B31.1 ein eigenes Regelwerk.

Geregelt wird der gesamte Weg einer Rohrleitung: Werkstoffe, Auslegung, Fertigung, Montage, Prüfung und Druckprobe.

02

Fluid Service: die Einstufung des Mediums

ASME B31.3 unterscheidet Rohrleitungen nach dem Medium und seinen Betriebsbedingungen, dem Fluid Service. Von dieser Einstufung hängen Werkstoffwahl, Bauteile und Prüfumfang ab. Die Einstufung nimmt nicht der Planer vor: Das Regelwerk weist sie dem Betreiber zu.

Wer eine Rohrklasse nach ASME B31.3 aufstellt, braucht diese Festlegung deshalb als Erstes – sie steht vor jeder Berechnung.

03

Auslegung auf Druck und auf Flexibilität

Die Wanddicke des geraden Rohres folgt aus der Druckgleichung des Regelwerks; die zulässigen Spannungen stehen in den Tabellen des Anhangs A. Druck und Gewicht bilden die Dauerlasten: Ihre Längsspannung S_L darf die zulässige Spannung bei Betriebstemperatur S_h nicht überschreiten.

Die Wärmedehnung wird getrennt bewertet. Maßgebend ist die Spannungsschwingbreite S_E zwischen den Betriebszuständen; sie ist begrenzt auf S_A = f · (1,25 · S_c + 0,25 · S_h). Darin ist S_c die zulässige Spannung im kalten Zustand und f ein Faktor, der bei hohen Lastwechselzahlen kleiner als 1 wird. Für gelegentliche Lasten wie Wind oder Erdbeben lässt das Regelwerk zusammen mit den Dauerlasten das 1,33-Fache von S_h zu.

04

Prüfung und Druckprobe

Der Umfang der zerstörungsfreien Prüfung richtet sich nach dem Fluid Service. Vor der Inbetriebnahme steht eine Dichtheitsprüfung unter Druck: als Wasserdruckprüfung mit mindestens dem 1,5-fachen Auslegungsdruck, angepasst um das Verhältnis der zulässigen Spannungen bei Prüf- und Auslegungstemperatur, oder – unter besonderen Schutzmaßnahmen – als Gasdruckprüfung mit dem 1,1-fachen Auslegungsdruck.

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ASME B31.3 in Europa

In der Europäischen Union gilt für Druckgeräte die Druckgeräterichtlinie 2014/68/EU. ASME B31.3 ist keine harmonisierte Norm; wer danach auslegt, erhält die Vermutung der Richtlinienkonformität nicht automatisch. Die Anwendung ist möglich, der Hersteller muss dann aber zusätzlich zeigen, dass die grundlegenden Sicherheitsanforderungen der Richtlinie erfüllt sind – etwa bei Werkstoffen, Prüfdruck und Konformitätsbewertung.

Das Regelwerk erscheint in regelmäßigen Neuausgaben. Maßgeblich ist die Ausgabe, die im Vertrag vereinbart ist.

Was Entracon dazu anbietet, steht auf der passenden Seite.

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Übersicht

Fluid-Service-Kategorien nach ASME B31.3

Kategorie Kennzeichen Folge
Category D Ungefährliches Medium bei niedrigem Druck und mäßiger Temperatur Erleichterungen bei Bauteilen und Prüfung
Normal Fluid Service Alles, was keiner anderen Kategorie zugeordnet ist Regelanforderungen des Regelwerks
Category M Medium, bei dem schon eine sehr kleine Leckage Personen schwer und dauerhaft schädigen kann Verschärfte Anforderungen an Bauteile und Prüfung
High Pressure Vom Betreiber festgelegter Hochdruckbereich Eigenes Kapitel mit eigenen Auslegungsregeln
Häufige Fragen

Häufige Fragen zu ASME B31.3

Worin unterscheiden sich ASME B31.1 und ASME B31.3?

ASME B31.1 gilt für Kraftwerksrohrleitungen, ASME B31.3 für Prozessanlagen. Beide gehören zur selben Regelwerksfamilie, unterscheiden sich aber in zulässigen Spannungen, Beiwerten und Prüfumfang. Ergebnisse lassen sich nicht übertragen.

Darf in der EU nach ASME B31.3 gebaut werden?

Ja, wenn zusätzlich die grundlegenden Sicherheitsanforderungen der Druckgeräterichtlinie nachgewiesen werden. Das Regelwerk allein begründet keine Konformitätsvermutung; die Lücken zur Richtlinie müssen einzeln geschlossen werden.

Lassen sich EN 13480 und ASME B31.3 in einer Anlage mischen?

In einer Anlage ja, innerhalb einer Rohrleitung nein. Ein Nachweis wird vollständig nach einem Regelwerk geführt – mit dessen Werkstoffkennwerten, Beiwerten und Prüfregeln.

Wer legt die Fluid-Service-Kategorie fest?

Der Betreiber. Er kennt Medium, Betriebsweise und Gefährdung; der Planer setzt die Einstufung in Rohrklasse und Prüfumfang um.

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