Wartung & Prüfung

Knickarmseilgerät warten und prüfen

Ein Knickarmseilgerät hat zwei Verschleißketten, die nichts miteinander zu tun haben: das Drahtseil mit dem Balancer, das nach Lastspielen und Umlenkungen altert, und den Armaufbau mit seinen Gelenken, der nach Moment altert. Beide gehören in dieselbe Wartung – und werden regelmäßig getrennt betrachtet oder halb vergessen.

Vorschrift
DGUV Vorschrift 54 (Winden, Hub- und Zuggeräte)
Prüftakt
mindestens jährlich
Fabrikate
herstellerunabhängig

Am Seil hängt die Last. Am Gelenk hängt das Seil.

Die Prüfung

Welche Vorschrift greift – und in welchem Takt

Das Seilgerät ist ein Hub- und Zuggerät nach DGUV Vorschrift 54: mindestens jährliche Prüfung durch eine befähigte Person. Die verbindliche Frist legen Sie nach § 3 BetrSichV in der Gefährdungsbeurteilung fest. Beim Seiltrieb kommt es zusätzlich auf die Beurteilung des Drahtseils nach ISO 4309 an – sie ist der Kern der Prüfung und braucht eine Sichtprüfung über die gesamte Ablauflänge, nicht nur an der Stelle, die gerade sichtbar ist. Hängt das Gerät an einer Kranbahn, gilt für diese die DGUV Vorschrift 52.

Vorschrift
DGUV Vorschrift 54 (Winden, Hub- und Zuggeräte)
Mindesttakt
mindestens jährlich
Prüfer
befähigte Person
Verschleiß

Worauf wir an diesem Gerät sehen

Bauteil Befund Ablegegrenze
Drahtseil Drahtbrüche je Bezugslänge, Litzenbruch, Korbbildung, Korrosion Ablegereife nach ISO 4309 – abhängig von Seilart und Litzenzahl
Seildurchmesser Abnahme gegenüber dem Nennmaß, örtliche Einschnürung Herstellerangabe; jede Einschnürung ist ein Befund
Seilendbefestigung Presshülse, Kausche, Klemmen, Anschluss am Balancer jede lose oder verformte Verbindung
Seilführung & Trommel Rillenverschleiß, Seilwickel, Ablaufwinkel Seil darf nicht überlaufen oder klemmen
Balancer-Pneumatik Ventile, Wartungseinheit, Leckage, Schwebeverhalten Last muss bei Druckabfall gehalten werden
Armgelenke Lagerspiel, ausgeschlagene Bolzen, Schlauchscheuerstellen spürbares Spiel an der Last
Aufhängung Deckenlaufwagen, Hängesäule, Befestigung im Tragwerk jede lose Verschraubung

Die Grenzwerte stammen aus den einschlägigen Regeln. Liegt eine Herstellerangabe für das konkrete Gerät vor, geht sie vor.

Die Wartung

Was dabei tatsächlich getan wird

01

Das Seil über die volle Länge

Drahtbrüche treten dort auf, wo das Seil umgelenkt wird – nicht dort, wo man es bequem sieht. Wir fahren das Gerät über den gesamten Hub und beurteilen die Ablauflänge abschnittsweise. Ein Seil mit Litzenbruch oder Korbbildung ist unabhängig von jeder Drahtbruchzahl sofort ablegereif.

02

Schweben prüfen, nicht nur heben

Der Balancer soll die Last gewichtslos halten. Nachlassendes Schwebeverhalten ist fast immer eine Leckage oder ein müdes Ventil – und der häufigste Grund, warum Bediener anfangen, mit der Hand nachzuhelfen. Wir messen den Verbrauch im Stillstand statt zu schätzen.

03

Schlauchführung durchs Gelenk

Die Pneumatikleitungen laufen durch den bewegten Arm. Genau dort scheuern sie – an der Kante, am Bolzen, an der eigenen Schelle. Ein Schlauch, der bei jeder Bewegung an derselben Stelle anliegt, ist ein Schaden mit Termin. Wir legen ihn neu und sichern die Stelle.

04

Aufhängung und Laufwagen

Der Deckenlaufwagen wird auf Rollenverschleiß, Spurführung und Endanschläge geprüft, die Befestigung im Tragwerk auf lose Verschraubungen. Bei Hängesäulen zusätzlich die Schweißnähte am Fuß.

Ertüchtigung

Wenn sich die Aufgabe geändert hat

Seil und Aufnahme wechseln

Ein anderes Werkstück braucht selten ein anderes Gerät, aber oft eine andere Aufnahme – und manchmal ein Seil anderer Länge. Beides ist ein kleiner Eingriff mit großer Wirkung.

Reichweite und Aufhängung

Ein längerer Arm oder ein zusätzliches Schienenfeld erweitert den Arbeitsbereich. Die Grenze liegt im Moment und in der Aufhängung, nicht im Seil – wir rechnen sie nach.

Steuergriff erneuern

Der Griff ist das Bauteil mit dem meisten Handkontakt und altert entsprechend. Ein neuer Griff mit feinerer Ansteuerung ist der spürbarste Eingriff für die Bediener und der günstigste dazu.

Häufige Fragen

Fragen zu Wartung und Prüfung

Warten Sie auch Seilzüge und Balancer anderer Hersteller?

Ja. Wir prüfen und warten Seilgeräte unabhängig vom Fabrikat. Die Beurteilung des Drahtseils folgt der ISO 4309 und damit einer Regel, die für alle Seile gilt – Herstellerunterlagen sind hilfreich, aber keine Voraussetzung.

Wann muss ein Drahtseil getauscht werden?

Wenn eines der Ablegekriterien nach ISO 4309 erreicht ist: genügend Drahtbrüche je Bezugslänge, ein Litzenbruch, Korbbildung, Knick, starke Korrosion oder eine unzulässige Durchmesserabnahme. Ein Litzenbruch oder eine Korbbildung bedeutet sofortiges Ablegen – unabhängig davon, wie das übrige Seil aussieht.

Die Last sackt langsam ab. Woran liegt das?

Fast immer an der Pneumatik: eine Leckage im Kreis, ein undichtes Ventil oder ein müdes Rückschlagventil. Selten am Seiltrieb. Das ist kein Schönheitsfehler – die Lasthaltung bei Druckabfall ist eine Sicherheitsfunktion und gehört zur Prüfung.

Wie lange dauert eine Prüfung?

Das hängt vom Zustand und der Zugänglichkeit ab, nicht vom Gerätetyp. Wir sagen es Ihnen nach der ersten Besichtigung verbindlich, statt vorher eine Zahl zu nennen, die sich vor Ort nicht halten lässt.

Kontakt

Sprechen wir über Ihren Bestand.

Sagen Sie uns, welche Geräte bei Ihnen stehen – auch wenn sie von verschiedenen Herstellern stammen. Wir melden uns mit einem Vorschlag für Umfang und Takt.

Entracon erreichen

Wie dürfen wir helfen?

E-Mail schreiben info@entracon.de
Oder direkt anrufen +49 234 5414010